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Produktion und Förderung

Pflückreife Bio-Mangos aus Bayerisch-Sibirien

von , am
25.03.2013

Tropische Früchte aus deutschen Gewächshäusern waren bisher Utopie - insbesondere angesichts der steigenden Energiekosten. Die ungenutze Abwärme einer Glashütte macht den heimischen Anbau möglich.

 
Die hohen Energiekosten und die fehlenden Sonnenstunden in unseren Breiten sprachen lange Zeit gegen eine heimische Produktion von Südfrüchten. Doch die Betreiber des Tropenhauses von Kleintettau im Frankenwald wollen zeigen, dass es geht. Und das in einer Region, die nicht ohne Grund 'Bayerisch Sibirien' genannt wird.  Die Idee entstand in einer Stammtischrunde. Der Glashütteninhaber Carl-August Heinz suchte nach einer Möglichkeit, die anfallende Abwärme seiner Glasfabrik gewinnbringend zu nutzen.
 
So entstand das Forschungsprojekt 'Klein Eden': Ein riesiges Gewächshaus zur Erzeugung tropischer Früchte und Fische in Bioqualität, geheizt mit der Fernwärme der nahegelegenen Glashütte. Ziel des ambitionierten Projekts ist nicht nur die Erforschung des Anbaus von Südfrüchten unter Glas, sondern auch die Produktion von verkaufsfähigem Obst. Ein geplantes Besucher- und Schulungszentrum soll Gäste ins verschlafene Kleintettau locken, die die regional und ökologisch erzeugten Früchten kosten und kaufen sollen.
 

Südfrucht-Anbau und -Ertrag erforschen

Der Anbau erfolgt in einem Polykultursystem, bei dem mehrjährige Staudenpflanzen mit einjährigen Pflanzen wie beispielsweise Kräutern kombiniert werden. Um geeignete Sorten für die rentable Erzeugung von Südfrüchten unter Glas zu identifizieren, untersucht die Universität Bayreuth Wachstum und Ertragschancen unterschiedlicher tropischer Nutzpflanzen und -sorten. Vor allem Papaya, Ananas-Guave und Mango versprechen gute Erträge. "Je nach Sorte kann die Papaya auf 2600 Quadratmetern Fläche zirka 15 Tonnen Ertrag bringen.", so der Tropenhaus-Geschäftsführer Ralf Schmitt. Eine Mangopflanze bringe etwa zwei bis vier Kilo Ertrag pro Jahr. Bananenpflanzen lohnten sich dagegen weniger, würden aber zu Forschungszwecken ebenfalls im Klein Eden kultiviert.
 

Erzeugung mit vorhandenen Ressourcen

Die Tropenhaus-Betreiber setzen auf ökologisches und ressourceneffizentes Wirtschaften. Die Wärmeenergie liefert die 500 Meter entfernte Glashütte. Das Warmwasser im Niedrigtemperaturbereich kommt per Fernwärmeleitung mit 35 Grad an und wird mit 30 Grad wieder an die Glasfabrik zurückgeliefert. Außerdem sollen die Südfrüchte innerhalb eines geschlossenen Nährstoffkreislaufs erzeugt werden. Bewässert wird das Ganze mit Regenwasser. Dazu stehen zwei Regenwassertanks mit je 150 Kubikmeter Fassungsvermögen unweit des Tropenhauses. Den Dünger sollen tropische Fische liefern. Geplant sind vier Mastbecken mit jeweils 30 Kubikmeter Warmwasser für die Zucht von tropischen Fischen, die ebenfalls zukünftig im Besucherzentrum zum Verkauf angeboten werden sollen. Mit dem gewärmten Filterwasser aus den Fischbecken sollen die Nutzpflanzen dann begossen und mit Nährstoffen versorgt werden.

Spezialglas kompensiert Sonnendefizit

Für den Anbau von tropischen Früchten fehlen hierzulande eigentlich die nötigen Sonnenstunden. Doch das wollen die Betreiber mit einer Spezialverglasung kompensieren. Sie verbauten im Gewächshaus diffuses Isolierglas, welches 99 Prozent des UV-Lichts - lang- wie kurzwellig - durchlässt. Im Sommer verhindern Sonnenreflektoren, Dachklappen und ein ausgeklügeltes Luftzirkulationssystem ein Aufheizen des Glashauses. Außerdem haben die Pflanzen keinen Stress durch Stürme oder Überschwemmungen. Dies wirke sich positiv auf das Wachstum aus. Die Luftfeuchtigkeit sollen vier Mastbecken der geplanten tropischen Fischzucht liefern. Geplant sind zudem zwei Klimazonen, in denen die tropischen Vegetationsphasen entsprechend simuliert werden. Während der Trockenzeit hat es im Glashaus durchschnittlich 20 Grad Celsius Lufttemperatur. In der Regenzeit wird die Temperatur auf 16 Grad abgesenkt, so dass die Pflanzen Blütenansätze bilden.
 

Projekt mit Vorbildfunktion

"Das Ziel unserer Anlage ist nicht nur die Erforschung des Anbaus unter Glas, sondern wir möchten beweisen, dass in Deutschland zukünftig vollreife Südfrüchte unter dem Preis einer konventionellen Flugmango produziert werden können", erklärt Schmitt. Der Geschäftsführer 'Klein-Edens' ist der Überzeugung, dass das Forschungsprojekt Vorbildcharakter für zukünftige Gewächshausproduktion hat. Mit ungenutzter Abwärme lassen sich nicht nur tropische Früchte kultivieren - auch in der Gemüse- oder Kräuterproduktion sieht er Potentiale.
 
500.000 Euro kostete das 3.500 Quadratmeter große 'Klein Eden', zu 90 Prozent finanziert durch Forschungsgelder. Das Projekt soll und darf daher keinen kommerziellen Nutzen erzielen, sondern als Forschungs- und Lehreinrichtung dienen. Nach der Förderperiode soll sich der Betrieb durch Schulungen und Besucherpublikum tragen. Wenn das Besucherzentrum dieses Jahr eröffnet, dann sollen die ersten Gäste schon pflückreife Bio-Mangos aus dem Frankenwald kaufen können.
 
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