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Produktion und Förderung

Pilotprojekt: Bodenschutz bei Erdkabel-Verlegung?

von , am
11.07.2014

Raesfeld - Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband testet gemeinsam mit dem Netzbetreiber Amperion ein Pilotprojekt zur Frage, ob Erdkabel für den Stromtransport im Boden geeignet sind.

Landwirte brauchen für den bevorstehenden Netzbausbau höhere Entschädigungn. Das fordert der Deutsche Bauernverbandspräsident Joachim Rudwied in einem Schreiben an Kanzleramtsminister Peter Altmaier.
Landwirte brauchen für den bevorstehenden Netzbausbau höhere Entschädigungn. Das fordert der Deutsche Bauernverbandspräsident Joachim Rudwied in einem Schreiben an Kanzleramtsminister Peter Altmaier. © WLV
"Der Boden wird auf einer Länge von zirka drei Kilometern auf rund 42 Meter (m) Breite geöffnet und bis zu einer Tiefe von 2,20 m ausgehoben. In zwei Gräben von je 5,50 m werden die Kabel verlegt, dazwischen verläuft eine zehn Meter breite Baustraße. Auf der Baustraße bewegen sich Bagger und schwere LKW, in den Gräben wird die Struktur des Ackerbodens komplett zerstört."
 
So beschreibt der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) die Arbeiten zur Verlegung der ersten Erdkabel-Teststrecke in Raesfeld im Kreis Borken. Diese Teststrecke gehört zu vier Pilotstrecken in Deutschland, bei denen untersucht wird, ob Erdkabel für den Transport von Strom im Rahmen der Energiewende geeignet sind.
 
Viele Bürger sähen sie als ideale Lösung im Vergleich zu Hochspannungsleitungen, für die Bauern, unter deren Felder die Kabel verlaufen sollen, seien sie eher ein Grund zur Sorge. Im Test sei dabei auch eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Netzbetreiber Amprion GmbH und Bauern zum Schutz des vom Bau betroffenen Bodens, so der WLV.
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Punkte für den Bodenschutz erarbeitet

WLV und betroffene Landwirte hätten sich mit Amperion auf ein Bodenschutzkonzept geeinigt. Dieses werde ein neutraler Wissenschaftler prüfen. Weitere Punkte im Konzeprt sind:
  • Dokumentation des Bodenzustands vor Beginn und am Ende der Bauarbeiten
  • Dokumentation der Arbeiten während der Bauphase
  • Bodenkundliche Baubegleitung (diese kann über das Baustopprecht die Arbeiten bei ungünstigen Wetterbedingungen einstellen lassen
  • Erstellung eines Rekultivierungskonzepts, das die nachfolgenden Maßnahmen zur Herstellung des Ausgangszustandes festlegt

Ärgernis: Doppelter Naturschutz-Ausgleich

"Insgesamt", so Johannes Röring, WLV-Präsident, "stehen wir Bauern solch einem massiven Eingriff in den Boden skeptisch gegenüber, glauben aber, mit dem Bodenschutzkonzept das Schlimmste verhindert zu haben". Insofern habe dieses Projekt auch Pilotcharakter für die künftige Verlegung von Leitungen in landwirtschaftlichen Nutzflächen.
 
Der WLV-Präsident verwies darauf, dass die Verlegung des Erdkabels als Eingriff in Natur und Landschaft gewertet wird und durch einen Naturschutz-Ausgleich kompensiert werden muss. Röring sagte, der Verband wehre sich gegen diesen doppelten Flächenverlust.
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250 Millionen Euro investiert

Nach offiziellen Presseberichten investiere Amperion für die 100 Kilometer lange Stromverbindung rund 250 Millionen Euro (Mio. Euro). Allein rund 100 Mio. Euro fallen für die Verlegung an. Erdkabel gelten beim Bau neuer Stromtrassen, die zur Umsetzung der Energiewende nötig sind, als Alternative zur Errichtung oberirdischer Leitungen. Sie sind in der Regel aber auch teurer als die bei vielen Anwohnern umstrittenen Strommasten.  

Bei einem Besuch der Baustelle stellten heute Ludger Meier, verantwortlich für den Leitungsbau beim Netzbetreiber Amprion GmbH, und WLV-Präsident Röring, die Kooperation vor.  
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