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Produktion und Förderung

Preissprung bei Stickstoffdünger

© krick/agrar-press
von , am
04.05.2012

An den internationalen Spotmärkten hat sich Stickstoffdünger im April kräftig verteuert. Ursache ist die anziehende Nachfrage: In den USA begannen die Feldarbeiten sehr früh, der Maisanbau steigt immens.

Harnstoff-Dünger kostet unter 290-Euro-Marke. © Mühlhausen/landpixel
Auch in Europa hat die Nachfrage mit dem Beginn der Feldarbeiten sehr kräftig angezogen. Hinzu kommt eine deutliche Belebung der Nachfrage aus Südamerika und auch aus Asien. Demgegenüber steht die wegen des Preisverfalls zum Jahreswechsel vor allem bei Stickstoffdüngern (aber auch bei Kali und Phosphor) deutlich gedrosselte Produktion. Damit ist die Strategie vieler Mineraldüngerhersteller aufgegangen. Die Angebotsverknappung hat zu einem kräftigen Anstieg der Spotmarktpreise von ihren letzten Tiefs geführt.

Harnstoff um ein Fünftel teurer

Harnstoff (granuliert) hat sich im April im Vergleich zum März bei allen wichtigen Exporteuren erheblich verteuert. Von Anfang März bis Ende April sind die Preise an den Exporthäfen um 15 bis 20 Prozent (%) geklettert.
 
Im Mittleren Osten gingen die Spotmarktpreise jedoch in der zweiten Aprilhälfte wieder etwas zurück, nachdem sie Anfang April bis auf 600 USD/t nach oben geschossen waren. Ende April kostet Harnstoff im Mittleren Osten 570 US-Dollar je Tonne (USD/t) und damit 30 USD/t weniger als zu Beginn des Monats, jedoch rund 100 USD mehr als Anfang März.
 
Ähnlich war die Entwicklung in Ägypten. Dort kletterten die Preise von März bis April ebenfalls um rund 100 USD bis auf 605 USD/t. Ende April war jedoch ebenfalls ein leichter Preisrückgang zu beobachten.
 
Etwas weniger stark zogen die Preise für Harnstoff (geprillt) aus Rumänien an. Hier kostete die Ware Ende April 535 USD/t und damit rund 75 USD/t mehr als Anfang März.
 
Noch etwas niedriger als in Rumänien waren die Spotmarktpreise mit 505 USD/t zuletzt in der Ukraine (Yuzhny).

Angebot wächst nur langsam

Die Angebotsverknappung hat zu einem kräftigen Anstieg der Spotmarktpreise von ihren letzten Tiefs geführt.
Besonders stark verteuerte sich der Harnstoff bei einigen großen Importeuren. In den USA schossen die Spotmarktpreise von Anfang März bis Ende April um rund 200 USD/t auf zuletzt 705 UDS/t nach oben. Damit war der wichtigste Stickstoffdünger in den USA sogar teurer als im letzten Jahr. Hier machte sich der starke Nachfrageschub aufgrund des frühen Beginns der Feldarbeiten in Verbindung mit der größeren Anbaufläche für Mais deutlich bemerkbar.
 
Mitte des Monats hatte Indien außerdem einen neuen Tender von 500.000 Tonnen (t) ausgeschrieben. Gestützt wurde der Markt zudem durch Zukäufe Pakistans (300.000 t) und Händler rechnen zudem im Mai mit einem Nachfrageschub aus Brasilien.
 
Die Ausweitung des Angebotes beziehungseweise der Produktion erfolgt hingegen in fast allen Exportländern relativ langsam. Zusätzliche Ware aus China wird ebenfalls nicht vor der Senkung der dortigen Exportzölle im Juli auf den internationalen Markt kommen. Dann aber dürften die Preise wieder zurückgehen, wie auch die Kontraktangebote für die nächsten Monate zeigen. Für den Juli wird Harnstoff am Schwarzen Meer rund 70 USD/t unter dem derzeitigen Preisniveau (505 USD) angeboten.

Preise bei Phosphor fast stabil

Anders als die Stickstoffdünger haben sich die wichtigsten Phosphordünger in den letzten Wochen am Weltmarkt nur wenig verteuert. Die großen nordamerikanischen Hersteller hatten - wie bei Kali auch - bis weit in den März hinein über wachsende Lagerbestände und sehr schwache Verkäufe berichtet. Auch hier drosselten Hersteller wie Mosaic und PotashCorp ihre Produktion und konnten die Preise so überwiegend halten und mit der wieder anziehenden Nachfrage sogar leicht oben setzten.
 
DAP-Dünger verteuerte sich von Anfang März bis Ende April an den Spotmärkten in den USA und Kanada (Vancouver) leicht von knapp 500 USD auf 520 USD/t. Ursache für den Preisanstieg war neben den reduziertem Angebot auch die Zukäufe an DAP und MAP aus aus Südamerika und aus Indien.

Hohe Lagerbestände bei Kali

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Relativ stabil blieben im April die Spotmarktpreise für Kali. In Nordamerika lagen die Preise Ende April zwischen 475 und 485 USD/t. Mitte April hatte der weltweit größte Hersteller Potash berichtet, dass sich die Bestände in Nordamerika auf dem höchsten Stand seit der Absatzkrise 2009 befanden. Allein im März waren die Lagerbestände der drei großen Produzenten Agrium, Mosaic und Potash um 274.000 t auf insgesamt 3,3 Millionen Tonnen geklettert. Damit sind die nordamerikanischen Bestände trotz starker Produktionskürzungen rund 50 % höher als im Durchschnitt der letzten Jahre.
 
Derzeit gehen die Hersteller (einschließlich der deutschen K+S) von einer deutlichen Nachfrage- und Absatzbelebung im in den nächsten Monaten aus. Begründet wird dies mit den hohen Agrarpreisen und der Anbauausweitung bei vielen Kulturen. Anfang April hatte es bereits einen unerwartet großen Zukauf aus China gegeben.
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