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Steuer und Finanzen

Prognose 2014/15: Betriebs-Ergebnisse auf Talfahrt

© landpixel
von , am
22.01.2015

Die Landwirtschaftskammern legten ihre Prognose über die Entwicklung der Landwirtschaft im Wirtschaftsjahr 2014/15 vor. Aufgrund niedriger Erzeugerpreise sollen die Betriebsergebnisse um rund ein Drittel gegenüber dem Vorjahr sinken.

Auf Ackerboden können Landwirte noch bis 1. November 2015 Gülle und Gärreste ausbringen. © landpixel
Die Ernte 2014 war zwar erfreulich, aber die Preise für Agrarrohstoffe sind aufgrund der überversorgten Märkte niedrig. So schlagen die schlechten Erzeugerpreise im Betriebsergebnis deutlich stärker durch, als die Kosteneinsparungen. Demgemäß sinken die Betriebsergebnisse im Wirtschaftsjahr 2014/15 um rund ein Drittel gegenüber dem Vorjahr. Im Durchschnitt aller Regionen wird eine Verringerung des Gewinns zwischen 25 bis 56 Prozent geschätzt.
 
Die Unternehmensergebnisse dürften bei etwa 50.000 Euro liegen; im Saarland sogar nur bei 32.000 Euro. Der 5-jährige Durchschnitt wird nirgends erreicht. Eigenkapitalverluste und überdies Liquiditätsprobleme, vor allem bei Betrieben, die großzügig investierten, werden die Folge sein, so die Prognose der Kammern.

Niedrige Preise für Getreide, Raps, Zuckerrüben und Kartoffeln

Die Preise für Getreide, Raps, Zuckerrüben und Kartoffeln gaben auf breiter Front nach. Auch über das gesamte Wirtschaftsjahr hinweg betrachtet, bleibt es bei Preiseinbrüchen gegenüber dem Vorjahr. Bei Getreide (-8 bis -13 %) und Raps (-10 bis -14 %) erklärt sich diese Entwicklung vor allem durch weltweit hohe Ernten. Ein zusätzlich hohes Binnenaufkommen kann da nur schlecht untergebracht werden. Bei Zucker stehen die internationalen Märkte durch ein hohes Angebot unter Druck. Verschärft wird dieser Druck durch eine nationale Überversorgung. Alles in allem sind nachgebende Preise zwischen  -8 und -15 % hinzunehmen. Angesichts einer Kartoffelschwemme brechen die Preise für Speisekartoffeln als freie Ware im Durchschnitt des gesamten Wirtschaftsjahres um -30 bis - 60 % ein.

Milchmarkt unter Druck

Anfang 2014 hatte China erhebliche Mengen an Milch bzw. Milchprodukten aufgekauft und damit den Preis nach oben getrieben. Eine weltweit erhöhte Milchproduktion bei geringerer Nachfrage sorgte jedoch anschließend für rückläufige Kurse bei Milchprodukten. Zusätzlich setzte der Importstopp Russlands den Milchmarkt noch weiter unter Druck.
 
Im Ergebnis fehlen die Exportmöglichkeiten und der Milchpreis nimmt ab. Für das gesamte Wirtschaftsjahr 2014/15 gehen die Landwirtschaftskammern davon aus, dass die Milchpreise im Südwesten um 12 % nachgeben und im Norden um bis zu 20 %. Dabei ist zu beachten, dass im Zuge der EU-Agrarreform die Milchquote ab dem 1. April 2015 abgeschafft wird. Welche Auswirkungen diese Änderung auf den Milchmarkt haben wird, darf mit Spannung erwartet werden.

Rind: Schlachtkühe erlösten weniger

Ein etwas erhöhtes Angebot im Inland, eine schleppende Fleischnachfrage und reduzierte Exportmengen, vor allem nach Russland, sorgen auch im Handel mit Schlachtrindern für rückläufige Erzeugerpreise. Besonders deutlich geben über das Wirtschaftsjahr 2014/15 hinweg die Erzeugerpreise für Schlachtkühe nach (-8 %). Die erhöhten Milchkuhbestände und nachgebenden Milchpreise sorgen dafür, dass mehr Milchkühe ausselektiert werden. Weniger Importe aus Südamerika und neue Exportmöglichkeiten sind der Grund, weshalb der Ganzjahrespreis für Jungbullen um nur 3 % nachgeben wird.

Schwein: Keine Markterholung in Sicht

Für das gesamte Wirtschaftsjahr 2014/15 ist bei Schweinen von Preisen auszugehen, die zwischen 7 und 11 % unter dem Vorjahresniveau liegen. Mit dem Rückgang am Schweinemarkt nahm ab Juni 2014 die Nachfrage nach Ferkeln spürbar ab. Es ergab sich ein Überhang, in dessen Fahrwasser die Ferkelpreise fielen. Eine Markterholung ist noch nicht in Sicht. Für das gesamte Wirtschaftsjahr rechnen die Kammern mit Preisen von 14 bis 22 % unter dem Vorjahresniveau.

Betriebsmittelkosten geringer

Einsparungen lassen sich bei Saat- und Pflanzgut (3 bis 8 %), bei Ferkeleinkäufen (8 bis 20 %), Futtermitteln (7 bis 17 %) und bei Treib- und Schierstoffen (5 bis 10 %) umsetzen. Unterschiedliche Einschätzungen gibt es in den Landwirtschaftskammern zu der Frage, ob der Jahresdurchschnittspreis 2014/15 für Dünger günstiger oder teurer ausfallen wird (-2 % bis +2 %). Gleiches gilt für Strom (-5 % bis +1 %).
 
Bei Abschreibung und Unterhaltung wird mit moderaten Mehrausgaben von 2 % kalkuliert. Pacht und Mietaufwendungen werden weiterhin um 4 bis 5 % steigen. Bei Personalkosten kann von einem zusätzlichen Aufwand von 8 % ausgegangen werden.

Betriebsergebnisse 2014/2015: Saarland ist Verlierer

Allein Schleswig-Holstein kann wegen seiner absoluten Rekordernte geringfügig zulegen. Ausgehend von einem mäßigen Vorjahr werden die Betriebsergebnisse dort bei knapp 59.000 Euro liegen, für Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind aufgrund des guten Vorjahres prozentuale Rückgänge zwischen 20 bzw. 24 % zu prognostizieren. Demgemäß dürften sich bei den dortigen Ackerbauspezialbetrieben Gewinne von 64.000 bzw. 69.000 Euro ergeben.
 
Ein noch stärkerer Rückgang des Unternehmensergebnisses wird für den Südwesten vorhergesehen. Für Rheinland-Pfalz gehen die Kammern von einem Rückgang um 41 % auf 43.000 Euro aus. Für das Saarland sind sogar voraussichtliche Einkommenseinbußen von 48 Prozent festzustellen (23.000 €). Überwiegend wird die zu fordernde 100-Prozent-Marke bei der Nettorentabilität verfehlt, so dass die eingesetzten Produktionsfaktoren (Arbeit, Kapital und Boden) nicht voll vergütet werden können. Ackerbaubetriebe mit einer Ausrichtung auf Getreide werden besser abschneiden, als Unternehmen mit einer Ausrichtung auf Hackfrüchte.

Futterbaubetriebe und Milcherzeuger kämpfen

Die Unternehmensergebnisse der Futterbaubetriebe brechen in einer Spanne zwischen 30 und 48 % ein. Durchschnittliche Betriebseinkommen werden um die 50.000 Euro-Marke liegen. Die Nettorentabilität des Futterbaus wird zwischen 53 und 88 % liegen. Am Ende werden sich die Futterbaubetriebe in die wirtschaftliche Situation von vor zwei Jahren zurückversetzt fühlen. Vor allem solche Betriebe, die in den zurückliegenden Jahren großzügig investiert haben, werden nun einen hohen Kapitaldienst leisten müssen. In Verbindung mit einer Superabgabe und unbefriedigenden Einnahmen werden viele Milcherzeuger Probleme haben bzw. bekommen, zahlungsfähig zu bleiben.

Veredelungsbetriebe müssen auf Reserven zurückgreifen

Auch die Veredlungsbetriebe, überwiegend Schweinehalter, müssen von deutlich weniger Einkommen ausgehen. Häufig wird die wirtschaftliche Stabilität nur dann aufrechterhalten werden können, wenn die Betriebsleiter auf Reserven zurückgreifen. Die sinkenden Ferkel- und Schlachtschweinepreise sind die Hauptursachen. Günstiges Futter, wegen gesunkener Getreide- und Sojapreise, kommt allen Schweinehaltern zugute. Abfallende Ferkelpreise helfen nur den Mästern und bescheren den Ferkelerzeugern schmerzliche Einkommensverluste. Das Unternehmensergebnis der schweinehaltenden Betriebe wird zwischen 20 und 40 % nachgeben. Die absoluten Gewinne werden zwischen 40.000 und 56.000 € liegen. Die Nettorentabilität wird sich, je nach Größe, Ausrichtung, Region etc., zwischen 57 und 84 % bewegen.

Weinbau mit besseren Ergebnissen

Günstige Witterungsbedingungen sorgten im Herbst 2014 für eine um rund 6 % höhere Erntemenge als im Vorjahr. Probleme mit der Kirschessigfliege verhinderten, vor allem bei Rotwein, eine noch höhere Menge. Der Aufwand in der Außen- und Innenwirtschaft steigt nur moderat. Können die Preise für Fass- und Flaschenwein gehalten werden, so wird ein höheres Ergebnis als 2013/14 erzielt. Bessere Ernte, nur leicht gestiegene Kosten und unveränderte Preise führen in der Summe dazu, dass Weinbaubetriebe 2014/2015 wieder bessere Unternehmensergebnisse verzeichnen werden. Ähnlich exakte Voraussagen wie z. B. im Ackerbau sind im Weinbau auf Grund der großen Bedeutung der Lagerbestände aus Vorjahren nicht möglich.
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