Login
Produktion und Förderung

Ratgeber: 10 Tipps zur erfolgreichen Hof-Gastronomie

© landpixel
von , am
06.01.2015

Die Bauernhof-Gastronomie hat sich mittlerweile als Betriebszweig in der Landwirtschaft etabliert. Aber die kostenintensive Investition will gut geplant sein. Damit es mit dem Hofcafe, der Weinstube oder dem Imbiss klappt, hier 10 Tipps:

Hof-Gastronomie: Meist verfügen Bauernhöfe über ein ausreichendes Platzangebot, um einen ansprechenden Außensitzbereich zu schaffen. © landpixel
Gastronomische Betriebe gehören inzwischen zum etablierten Angebot landwirtschaftlicher Unternehmen. Aber nicht jeder Landwirt eignet sich zum Gastronom. Ob Hofcafe, Weinstube oder Gasthof, ein Wirt muss ein Allroundtalent sein, der den Kontakt zum Kunden pflegt, Buchführung beherrscht, den Einkauf organisiert, Angestellte führt und bei allem die Übersicht behält. Und die Bauernhof-Gäste stellen hohe Ansprüche, denn die lange Anfahrt soll sich lohnen. Eine Form von Erlebnis-Gastronomie erwartet sich der Besucher von seinem Ausflug - zudem qualitativ hochwertige Produkte aus regionaler Produktion und saisonale Spezialitäten.

Einstieg in die Hof-Gastronomie

Zunächst gilt es, ein tragfähiges Konzept für den neuen Betriebszweig zu entwickeln. Ein gastronomisches Angebot auf einem Bauernhof kann keinesfalls "nebenbei" betrieben werden. Hier muss  bedacht werden, dass sich beim Einstieg in die Hofgastronomie bedingt durch Arbeitsspitzen in der Landwirtschaft Konflikte mit dem Arbeitsanfall in der Hofgastronomie ergeben können. Je nach persönlicher Neigung und Qualifikation, der Lage des Hofs und dem Gästepotenzial kommen vielfältige Gastronomie-Formen infrage:
  • Cafe
  • Gasthof
  • Biergarten
  • Weinstube
  • Imbiss
  • Stehcafé
  • Tagungshaus
  • Familien- oder Betriebsfeiern
  • Essensziel für Busreisen

1. Planung der Räumlichkeiten

Erfahrungen zeigen, dass etwa ein Drittel der Gesamtfläche des Gastro-Bereiches für Küche, Kühl- und Lagerräume sowie Toiletten benötigt wird.
Die Küche sollte sich in zentraler Lage befinden. Vorrats- , Kühl- und Lagerräume sollte in unmittelbarer Nähe zur Küche sein. Optimal für Einkauf und Lieferung ist ein separater Eingang zum Wirtschaftsteil des Betriebes.
 
Auch der Gastraum sollte nah an die Küche angebunden sein und wenn möglich kurze Wege zur Außengastronomie ermöglichen. Dem Gastraum sollte immer ein Eingangs- und Garderobenbereich vorgelagert sein. Der Eingangsbereich sollte vom Gast leicht zu erkenne sein. Liegt dieser etwas versteckt, kann er mit entsprechender Beleuchtung und in Form einer Wegeführung durch ein entsprechendes Bodenpflaster kenntlich gemacht werden. Die Auswahl der Tische und Bestuhlung ist auf einen guten Sitzkomfort zu achten. Je nach Vorhaben sollten die Stühle auch gut stapel bar sein.
 
In einem Hofcafé darf eine kühlbare Kuchentheke oder -vitrine nicht fehlen. Hierin sollen sich die Torten und Kuchen einerseits optisch ansprechend und andererseits hygienisch einwandfrei präsentieren.
 
Wichtig ist es auch, die Kasse an einer zentralen Stelle einzuplanen, die von allen Servicekräften gut erreicht werden kann, ohne den Arbeitsablauf anderer zu behindern.
 
Meist verfügen Bauernhöfe über ein ausreichendes Platzangebot, um einen ansprechenden Außensitzbereich zu schaffen. Bei der Planung eines Außensitzbereichs sollte darauf geachtet werden, dass möglichst kurze Wege ohne Hindernisse von der Küche oder dem Ausschank bestehen. Idealerweise sollte der Kinderspielplatz von dem Außensitzbereich einsehbar sein.

2. Erlebnisgastronomie gestalten

Die Gästebewirtung auf dem Bauernhof ist eine Form der Erlebnisgastronomie. Der Hofgastronom sollte seine Zielgruppen kennen und die Erwartungen entsprechend bedienen. Je mehr attraktive Angebote für eine Zielgruppe, desto wahrscheinlicher ist der wirtschaftliche Erfolg. Eine wichtige Zielgruppe sind beispielsweise Familien mit Kindern. Ein Spielplatz für Kinder sollte daher nicht fehlen. Eine weitere Zielgruppe können Radfahrer sein. Für diese sollten ausreichend Fahrradständer und eine Fahrradpumpe zur Verfügung stehen. Viele Gäste kommen aber auch einfach wegen der ländlichen Atmosphäre und Landschaft. Der Hof und seine Wirtschaftsgebäude sollten daher landwirtschaftslich geprägt, aber sauber und gepflegt sein. Saisonale Deko-Elemente zu Ostern, Erntezeit oder Weihnachten schaffen eine einladende Atmosphäre. Insbesondere bei einem Aussensitzbereich sollten rund um Blumen- und Kräuterbeete angelegt werden. Ein üppiger Bauerngarten ist ebenfalls ein schöner Blickfang.

3. Konzept und Angebot sollte authenisch und regional sein

Der Besuch einer bäuerlichen Gastronomie stillt das Bedürfnis nach Ursprünglichkeit. Essen und Trinken auf dem Bauernhof vermittelt das Gefühl, nahe am Ursprung der Nahrung zu sein. Das Konzept und das Angebot ist daher auch von den landwirtschaftlichen Produkten des Hofs oder der Region abhängig. Es sollte authentisch sein. Ein Milchviehbetrieb bietet in seinem Hofcafe Eis aus eigener Herstellung, ein Betrieb in einem Weinanbaugebiet verköstigt Wein aus der Region mit regionaltypischen Speisen. In der Speisekarte sollte die Herkunft und Herstellung der eigenen landwirtschaftlichen Produkte beschrieben sein.
 

4. Mit Zusatzangeboten Gäste anlocken

Der Hof-Gastronom kann mit zusätzlichen Angeboten und Dienstleistungen Gäste auf den Hof locken. Die Direktvermarktung von selbstgebackenem Brot, saisonalem Gemüse, Saft oder Wein bis hin zu einem Hofladen schafft für den Gast einen weiteren Anreiz den Hof zu besuchen. Ein Angebot an Freizeit-Aktivitäten wie Wanderwege, einen Radverleih oder Reitmöglichkeiten machen den Hof als Einkehr attraktiv. Aber auch saisonale Veranstaltungen wie Ostereiersuchen, Musikabende oder Kochkurse binden Gäste.
  • Verkauf regionaler Produkte
  • Freizeit-Aktivitäten
  • Fahrradverleih
  • Pferde- und Ponyreiten
  • Kultur-Veranstaltungen
  • Betriebs- und Familienfeiern
  • Kochkurse
  • Hofführungen
  • Kunsthandwerk
  • Weinverköstungen
  • Maislabyrinth
  • Flohmarkt
  • Urlaub auf dem Bauernhof

5. Zielgruppe Familien ansprechen

Eine wichtige Zielgruppe von Bauernhof-Gastronomien sind Familien mit Kindern. Spielgelegenheiten für Kinder sind daher ein Muss. Freilaufende Tiere zum Beobachten oder sogar zum Streicheln sind zudem ein Kindermagnet. Der Blick in den Stall schafft einen großen Pluspunkt für Familien, die ihrem Nachwuchs die Landwirtschaft nahe bringen wollen. Zudem sollten auf der Speisekarte kindgerechte Gerichte angeboten werden. Kindergeburtstage mit Hofführungen erfreuen sich ebenfalls der Beliebtheit.

6. Direktvermarktung regionaler Produkte

Hofgastronomie bietet sich auch im Zusammenhang mit Direktvermarktung an. Entweder können im Gasthaus oder Cafe zusätzlich Produkte zum Verkauf angeboten werden oder ein Hofladen lädt die Gäste zu einem Einkauf ein. Ein Hofladen holt zusätzlich potenielle Gäste auf den Hof. Beim Verkauf im Gastrobereich ist eine gut sichtbare Warenpräsentation wesentlich. Wichtig ist eine Lage an Hauptkundenwegen, so dass jeder Gast die Möglichkeit zum Einkauf bewusst wahrnimmt. Gibt es Kooperationen mit regionalen Direktvermarktern, so könnte auch ein regelmäßig stattfindender Bauernmarkt oder ein gemeinsam gestaltetes Verkaufsangebot aufgebaut werden.

7. Gestaltung der Speisekarte

Die Gestaltung der Speisekarte ist ein wichtiger Punkt. Selbstgemachte, regionaltypische und saisonalen Spezialitäten sollten auf der Speisekarte eines Bauernhofs nicht fehlen. Ein Café muss nicht unbedingt warmes Essen anbieten, aber alternativ zu Torten und Kuchen sollte auch Herzhaftes auf der Karte stehen. Die Speisekarte ist ein verhältnismäßig günstiges Marketinginstrument. Sie dient der Selbstdarstellung des Betriebes und kann dazu beitragen, beim Gast einen positiven Gesamteindruck zu hinterlassen.
 
Die Speisekarte sollte daher genutzt werden, um die eigene Betriebsphilosophie darzustellen, aber auch die Gäste über das gesamte Angebot zu informieren. In die Karte gehören Informationen zum Betrieb, der Herkunft der Produkte, der Herstellung aber auch Angebote wie Zimmervermietung, Fahrradverleih, Veranstaltungen oder Catering. Eine Tageskarte kann die Speisekarte um saisonale Gerichte ergänzen. Besonders zu empfehlende Gerichte können zudem zusätzlich auf einem Passantenstopper, einer Schiefertafel oder einem Tischaufsteller aufgeführt werden.
 

8. Auf sich aufmerksam machen

Es absolut wichtig, die Gäste an der Straße "abzuholen". Steht ihr Schild wirklich dort, wo die Leute vorbei kommen und wo es gut zu sehen ist? Wenn der Hof nicht direkt an der Straße liegt, sollten sie am Schild einen Prospekthalter anbringen, damit der Autofahrer sich über Ihr Angebot informieren kann. Holen Sie die Presse ins Boot und fragen sie bei der Zeitung oder dem Anzeigenblatt nach, ob sie nicht einmal die hofeigenen Spezialitäten oder den neuen Wein probieren wollen. Wenn im Gegenzug die Schaltung einer Anzeige verlangt wird - warum nicht, wenn dafür die Veröffentlichung sichergestellt ist, lohnt sich das fast immer.

9. Im Internet präsent sein

Beim Einstieg in die Hofgastronomie ist eine Internet-Seite ein Muss. Das Speiseangebot, die Anfahrtbeschreibung, die Öffnungszeiten und Kontaktmöglichkeiten sind Pflicht. Die Fotos sollten von einem professionellen Fotografen gemacht sein. Ausführliche Informationen zum Hof und Betriebsphilosophie ergänzen den Autritt im Netz. Die Webadresse gehört auf alle Werbemittel, in Anzeigen und auf das Schild an der Straße. Zudem können Sie sich auf diversen Gastronomie-Internet-Portalen eintragen lassen. Die Landwirtschaftskammern bieten einen kostenlosen Einstrag in Internet-Verzeichnissen zu Hofgastronomien. Außerdem nutzen viele Gastronomiebetriebe soziale Netzwerke wie Facebook, um Gäste zu erreichen.
 

10. Landwirtschaftskammern bieten Beratung an

Die Landesämter und Landwirtschaftskammern bieten Beratung und Unterstützung beim Aufbau des Betriebszweigs Hof-Gastronomie an. Beispielsweise bietet das Beratungsteam "Einkommensalternativen" der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pflanz im Rahmen eines laufenden ELER-Förderprogramms die Durchführung eines Orientierungschecks "Hofgastronomie" an. Der Vor-Ort-Betriebscheck kostet für den Landwirt nur 50 Euro. Erster wichtiger Schritt ist meist eine Qualifizierung zum Einstieg in die Bauernhof-Gastronomie. In Bayern ist dies in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband möglich. Ein möglicher Abschluss ist der Bayerische Wirtebrief.

Unternehmerin des Jahres: Moderne Hof-Gastronomie

Auch interessant