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Produktion und Förderung

Ratgeber Energie: So sparen Sie beim Dieselverbrauch

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von , am
19.02.2015

Diesel ist ein wichtger Produktionsfaktor in der Landwirtschaft. Wie sie den Verbrauch in der Außenwirtschaft senken können, zeigen wir Ihnen hier:

Der Pflug wird aufgrund wachsender Herbizidresistenzen vor allem bei Ungräsern künftig verstärkt zum Einsatz kommen. © landpixel
Verbrauchssenkende Techniken wie Common-Rail-Einspritzung, Turbolader oder Abgasrückführung gehören mittlerweile zum Standard bei allen neuen Schlepper. Der Unterschied beim Dieselverbrauch zwischen den einzelnen Fabrikaten ist also nur noch gering.
 
Was entscheidender ist - und den Dieselverbrauch unnötig erhöht - ist, wenn für leichte Arbeiten leistungsstarke Schlepper zum Einsatz kommen. Wird allerdings bei schweren Arbeiten eine höhere Schlepperleistung auch in eine höhere Arbeitsleistung umgesetzt, hat die Schleppergröße nur wenig Einfluss auf den spezifischen Dieselverbrauch für die zu verrichtende Arbeit. Der Verband der Landwirtschaftskammern hat in einer Broschüre aufgelistet, wie sich Energie in der Landwirtschaft einsparen lässt. Hier zeigen wir Ihnen die Poteniale in der Außenwirtschaft.

Regelmäßige Wartung

Eine regelmäßige Pflege und Wartung der Traktoren senkt den Dieselverbrauch. Auch ältere Schlepper sollten dabei nicht vernachlässigt werden. Zur Pflege und Wartung gehört nicht nur, den Schlepper regelmäßig von einer Fachwerkstatt inspizieren zu lassen, sondern auch das häufigere, wenn notwendig sogar mehrmals tägliche Reinigen von Kühler und Luftfilter.
 
Weitere Dieseleinsparungen gibt es bei: 
  • Der Zapfwelle: Eine sogenannte 'Sparzapfwelle', auch '750er-Zapfwelle' bezeichnet kann die oftmals geforderte Drehzahl von 540 Umdrehungen pro Minute bereits bei geringer Motorendrehzahl erreichen. Dadurch kann bis zu 20% des Dieselverbrauchs eingespart werden.
  • Dem Getriebe: Wenn sich ein Getriebe gut schalten lässt und nur geringe Gangsprünge aufweist, passt man sich als Fahrer eher und besser an die aus der Sicht des Dieselverbrauchs optimale Geschwindigkeit an. Getriebe mit Lastschaltstufen und insbesondere stufenlose Getriebe bieten deshalb immer dann Verbrauchsvorteile, wenn nicht nur ein niedriger Verbrauch, sondern auch eine hohe Arbeitsleistung gefragt ist.
  • Der Bereifung: Auf dem Acker kann der Dieselverbrauch von Reifen mit wenig Schlupf gesenkt werden. Ein möglichst hoher und breiter Reifen mit hohen und schmalen Stollen, der außerdem bei niedrigem Luftdruck eine große Aufstandfläche auf dem Boden erreicht und sich gut verzahnt, bietet hier Vorteile. Reifen sollten deshalb stets erneuert werden, wenn das Profil eine Stollenhöhe von weniger als 2 cm aufweist. Dann geht nämlich Zugkraft verloren und der Schlupf nimmt zu, was den Dieselverbrauch steigert. 
    Da der Luftdruck auf Straßen höher sein muss als auf dem Acker, findet das richtige Anpassen des Luftdrucks oft nicht statt. Es gibt aber automatische Reifendruckregelanlagen, die auch nachgerüstet werden können. Leistet der Schlepper viele Betriebsstunden, lohnt sich diese Anschaffung.

Bodenbearbeitung

Auf Ackerbaubetrieben wird etwa die Hälfte des Diesels für Bodenbearbeitung und Aussaatverbraucht. Dabei ist der Dieselverbrauch in erster Line von der Arbeitstiefe abhängig. Als Faustzahl gilt: 0,8 Liter Diesel pro Hektar und pro cm Arbeitstiefe. Mit zunehmender Arbeitstiefe steigt also auch der Dieselverbrauch.
 
Folgende Punkte sollten beachtet werden, um Diesel einzusparen: 
  • Ist eine Tiefenlockerung überhaupt sinnvoll? Reicht eventuell auch die tiefere Lockerung des Vorgewendes aus? 
  • Pflugähnliche Schare sind besser zur Tiefenlockerung geeignet als grubberartige. Sie lockern intensiver und verursachen einen geringeren Dieselverbrauch.
  • Kann man eventuell auf bestimmteArbeitsgänge, wie zum Beispiel nachträgliches Stroh verteilen, ganz verzichten
  • Bei der Stoppelbearbeitung lohnt sich meist eine Spatenrollegge im Vergleich zu Grubber und Scheibenegge nicht, da mangels Qualität oft eine zweite Bearbeitung erfolgen muss. 
  • Eine Reduzierung der Arbeitstiefe beim Pflügen von 35 auf 25 cm spart etwa 8 Liter Diesel je Hektar ein. Eine flachere Pflugfurche ist meist mit keinen pflanzenbaulichen Nachteilen verbunden. Spezielle Pflugkörper leisten auch bei Pflugtiefen von 20 cm gute Arbeit. 
  • Optimale Pflugeinstellung: Eine Verstellung des Zugpunktes beim Pflug beispielsweise kann große Mengen Diesel einsparen. Dazu braucht der Schlepper allerdings eine Anzeige des Dieselverbrauchs.
  • Je tiefer gepflügt wird, umso höher ist auch der Aufwand und damit der Dieselverbrauch beim Rückverfestigen. 
  • Wer trotzdem eine tiefere Grundbodenbearbeitung anstrebt, für den könnte eine Spatenmaschine eine interessante Alternative zum Pflug sein. Bei gleicher Arbeitstiefe beträgt die Dieseleinsparung im Vergleich zum Pflug nach ersten Praxisbeobachtungen 10 bis 15 Prozent.
  • Durch die Kombination von Grundbodenbearbeitung und Aussaat lassen sich im Vergleich zum Pflugverfahren weiter 2 bis 3 Liter Diesel pro Hektar einsparen. Bei dieser Kombination ist allerdings das hohe Gewicht der Gerätekombination von Nachteil. Dies in Verbindung mit dem für 3 m Arbeitsbreite erheblichen Antriebsbedarf setzt Schlepper mit mehr als 250 PS/184 kW voraus.

Saatbettbereitung und Aussaat

  • Gezogene Kurzkombinationen, wie die relativ einfache Kurzgrubber-Walz-Technik, kommen auf leichteren Böden zum Einsatz und verbrauchen deutlich weniger Diesel als zapfwellenangetriebene, wie beispielsweise Kreiseleggen. Reicht die Arbeitsintensität der Kurzkombination allerdings nicht aus, so bietet die Kreiselegge Vorteile beim Dieselverbrauch.
  • Günstig sind immer Saatbettbereitungsgeräte, die den Boden soviel wie nötig, aber so wenig wie möglich bearbeiten.
  • Mulch- oder Direktsaat spart noch mehr Diesel. Das Einsparpotential liegt hier bei 20 bis 30 Liter Diesel pro Hektar. Dabei muss auf das Ertragsniveau geachtet werden.

Pflege und Düngung

  • Der direkte Dieselverbrauch beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln ist von geringer Bedeutung. Viel wichtiger ist hier der Diesel- beziehungsweise Energieverbrauch bei der Herstellung. Der liegt im Durchschnitt bei umgerechnet circa 10 Liter Diesel pro Hektar. Diesen indirekten Verbrauch ohne Ertragseinbußen zu reduzieren, ist in der Praxis schwer machbar.
  • Bei Mineraldüngern ist der Dieselverbrauch beim Ausbringen ebenfalls nur gering. Was hier viel höher zu Buche schlägt ist der Energieaufwand bei der Herstellung: Vor allem bei Stickstoff. Hier muss mit dem aufwändigen Haber-Bosch-Verfahren der Luftstickstoff in pflanzenverfügbaren Ammonium- oder Nitratstickstoff umgewandelt werden. Bei diesem Verfahren entsteht ein Energieaufwand von umgerechnet etwa 1 Liter Diesel pro kg erzeugtem Stickstoff. Geht man von einer Stickstoffgabe von 170 kg pro Hektar aus, werden zur Herstellung 170 Liter Diesel und zur Ausbringung - in zwei Gaben - 4 Liter Diesel benötigt.
    Ein wichtiger Ansatz zur Verbesserung der Energieeffizienz ist hier den Einsatz von Mineraldüngerstickstoff zu verringern. Das ist durchaus möglich, wenn die organischen Stickstoffdünger wie Gülle und Festmist besser genutzt werden.

Ernte

  • Der Dieselverbrauch bei der Ente hängt nur gering von der eingesetzten Technik ab. Ein Mähdrescher mit Schüttlern hat zwar im Vergleich zu einem mit Rotordreschern einen etwas geringeren Dieselverbrauch, aber dafür auch eine geringere Leistung.
  • Welche Technik insgesamt die richtige ist, hängt von der Auslastung des Mähdreschers ab.
  • Gewisse Einsparungen lassen sich bei breiten Schneidwerken durch automatische Spurführungssysteme erzielen. Sie sorgen dafür, dass die Schneidwerksbreite immer vollständig genutzt wird.
  • Mehr Einfluss hat aber der Zustand der Messer beziehungsweise Klingen am Strohhäcksler. Sie rechtzeitig zu tauschen spart nicht nur Diesel, sondern verbessert auch die Häckselqualität.
  • Bei größeren Transportentfernungen ist es energetisch oft vorteilhaft mit LKWs zu arbeiten. Diese verbrauchen insbesondere bei Transporten auf gut ausgebauten Straßen deutlich weniger Diesel als Schlepper.

Grünlandbewirtschaftung

  • Grasnarbe leistungsfähig erhalten: Regelmäßiges Striegeln in Verbindung mit einer Gras-Übersaat, durch eine Gras-Durchsaat oder eine Neuansaat. Die Übersaat bietet Vorteile beim Dieselverbrauch: Hier werden nur etwa 2 bis 3 Liter Diesel pro Hektar verbraucht. Das ist weniger als die Hälfte als bei einer Durchsaat und etwa ein Zehntel einer Neuansaat.
  • Bei Pflegemaßnahmen lassen sich Energieeinsparungen durch größere Arbeitsbreiten erzielen, da die Arbeitsgänge an sich nicht besonders energieaufwändig sind und die Schlepperleistung nur zu einem geringen Teil ausgenutzt wird. Eine Verdoppelung der Arbeitsbreite führt nicht selten zu einer Dieselersparnis von 30 bis 40 Prozent.
  • Mähen: Bei abgenutzten, stumpfen Klingen kann der Antriebsbedarf des Mähwerks um bis zu 15 Prozent höher sein. Deshalb sollten die Klingen rechtzeitig gewechselt werden.
  • Mähwerk mit Aufbereiter ausstatten: Dadurch kann man sich den Arbeitsgang des Zettens sparen. 
  • Der Einsatz von Schwadablegern an Großmähwerken spart etwa zwei Liter Diesel je Hektar ein. 
  • Das Einsparpotential beim Wenden und Schwaden ist gering. Nur über größere Arbeitsbreiten lässt sich hier der Dieselverbrauch verringern. Größere Arbeitsbreiten sind aber nur vertretbar, wenn die Geräte entsprechend ausgelastet werden.

Bergen

  • Der Einsatz von Ladewagen führt zu einem relativ geringen Dieselverbrauch pro Tonne Erntegut, weil das Gras nicht so kurz geschnitten wird wie beim Häckseln. Außerdem geschieht das Schneiden des Grases und das Befüllen des Wagens in einem Zuge.
  • Häcksler haben einen höheren Verbrauch: Das ist auf die kürzere Schnittlänge beim Häckseln zurückzuführen. Wird der geringere Aufwand für die Erstellung von Futtermischungen mit gehäckseltem Material mit einbezogen, sind kaum noch Unterschiede zwischen Ladewagen- und Häckslersilage zu finden.
  • Bei Rundballenpressen werden etwa 0,6 Liter Diesel pro Tonne Anwelkgut für das Pressen benötigt, bei Quaderballenpressen liegt der Verbrauch mit 0,4 Liter pro Tonne doch deutlich niedriger. Der Dieselverbrauch steigt bei beiden Pressenbauarten an, wenn sie mit einer Schneideinrichtung ausgerüstet werden. Die Ballen werden dann aber auch besser verdichtet.
  • Das Einwickeln der Rund- und Quaderballen in Folie führt zu einem weiteren Arbeitsgang und einem zusätzlichen Dieselverbrauch von 0,25 Liter pro Tonne. Nur etwa halb so hoch ist der Verbrauch für das Einwickeln, wenn mit einem in die Presse integrierten Wickelgerät gearbeitet wird. 
  • Für den Transport der Ballen sind pro Kilometer und Tonne etwa 0,12 Liter bei den Rundballen und etwa 0,10 Liter bei den Quaderballen aufzuwenden. Der geringere Wert bei den Quaderballen hängt mit deren höherer Verdichtung zusammen.
  • Aus den genannten Einzelpositionen ergibt sich für die Bergung von Grassilage bei einer Transportentfernung von 3 km der höchste Dieselverbrauch beim Einsatz von Feldhäckslern und der niedrigste bei beim Einsatz von Quaderballenpressen. Ladewagen und Rundballenpressen liegen dazwischen.

Fazit

Kurzfristige Maßnahmen können ohne Investitionen und ohne großen Aufwand vor oder während der Arbeit umgesetzt werden. Hier bestehen folgende Möglichkeiten: 
  • Sorgfältige Wartung und Pflege der Schlepper und Geräte
  • Anpassung des Schleppers an die Einsatzbedingungen
  • Anpassung der Geräte an die Einsatzbedingungen
  • Fahren mit reduzierter Motordrehzahl bei Schleppern 
Mittelfristig lassen sich folgende Möglichkeiten zur Reduktion des Kraftstoffverbrauchs nutzen:
  • Auswahl sparsamer Schlepper
  • Ausrüstung der Maschinen mit Techniken zum Kraftstoffsparen
  • Auswahl von Geräten mit geringem Leistungsbedarf
  • Reduktion der Bearbeitungsintensität
Nur langfristig und in eingeschränktem Umfang können infrastrukturelle Maßnahmen umgesetzt werden, welche die Kraftstoffeffizienz erhöhen:
  • Größere Schläge
  • Günstige Schlagform
  • Günstige innerbetriebliche Verkehrslage

Die ganze Broschüre 'Energieeffizienzverbesserung in der Landwirtschaft' finden Sie hier...

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