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Produktion und Förderung

Recyceltes Phosphor aus Klärschlamm ist zu teuer

© landpixel
von , am
03.04.2014

Der im Koalitionsvertrag vorgesehene Ausstieg aus der Klärschlammausbringung stößt auf Kritik. Die teure und aufwendige Rückgewinnung des Phosphors sei weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll.

2013 wruden bundesweit rund 491.300 t Klärschlamm als Düngemittel auf Ackerflächen ausgebracht. © Mühlhausen/landpixel
Laut Zahlen des Statischen Bundesamts wurden 2012 bundesweit rund 544.000 Tonnen Klärschlamm als Düngemittel auf Ackerflächen ausgebracht. Die große Koalition plant langfristig einen Ausstieg aus der Praxis. Das Phosphor soll aus den Schlämmen rückgewonnen werden. Im Bundesumweltministerium ist derweil noch offen, wie dies umgesetzt werden soll. MinR Dr. Claus-Gerhard Bergs (BMUB) erklärte auf dem bvse-Forum Biogene Abfälle in Mainz, dass ein Ausstieg nur mit einem angemessenen Übergangszeitraum möglich sei.
 
Außerdem müsse darauf geachtet werden, dass es nicht zu einer Kostenexplosion durch die Phosphorrückgewinnung komme. Auch auf Länderebene ist man skeptisch: "Das System kann nicht von heute auf morgen geändert werden", so Schneichel. In Rheinland-Pfalz habe man geeignete Klärschlämme bisher erfolgreich landwirtschaftlich eingesetzt.
 

Phosphor-Rückgewinnung ist energieintensiv

Techniken, Phosphor aus den Schlämmen zurückzugewinnen, befinden sich derzeit noch in der Entwicklungsphase. Momentan setzt die Rückgewinnung von Phosphor aus Abwassersubstrat eine Verbrennung des Materials voraus. Die Rückgewinnung erfolgt anschließend unter hohem technischem Aufwand aus der Asche. "Ökonomisch ist die Gewinnung von Phosphor aus der Asche von Abwassersubstrat also ein Desaster", so die Aussage der Qualitätsgemeinschaft für nachhaltige Düngung und Ressourcenschutz (QDR). "Die Kosten für die Verbrennung werden somit steigen. Die Preise für Phosphor werden wegen der kostenintensiven Rückgewinnung ebenfalls deutlich steigen.", stellt die QDR fest.
 

10 Euro für ein Kilo recycltes Phosphor

Um das Phosphatrecycling großtechnisch wirtschaftlich betreiben zu können, müsste ein Marktpreis von 5-10 Euro je Kilogramm Phosphor erzielt werden, während der Marktpreis derzeit bei etwa 70 Cent je Kilo liegt. Dies verteuere letztlich die Nahrungsmittelproduktion und damit die Nahrungsmittelpreise.
 
Darüber hinaus leide bei der Rückgewinnung aus Asche die Pflanzenverfügbarkeit des zurückgewonnenen Phosphors, wie Hans-Walter Schneichel (Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord RLP) ausführte.
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