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Steuer und Finanzen

Rente: Auf Lücken in der privaten Altersvorsorge achten

© Mühlhausen/landpixel
von , am
27.10.2014

Die niedrigen Kapitalmarktzinsen belasten die privaten Rentenversicherer. Wer jetzt bei der privaten Altersvorsorge schläft und die Wertentwicklung nicht penibel kontrolliert, riskiert später eine Enttäuschung.

Das Milchgeld wird immer weniger. Für viele Milchviehhalter wird es langsam eng. © uschi dreiucker/pixelio.de
Die private Altersvorsorge ist für Landwirte heute wichtiger denn je. Ein Beispiel aus der Praxis: Landwirt Sebastian T. war, bevor er seinen Betrieb vor acht Jahren vom damaligen Betreiber übernahm, dort zwölf Jahre als angestellter Mitarbeiter tätig. In dieser Zeit erwarb er Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung von etwa 600 Euro monatlich. Dazu kommen 250 Euro aus der landwirtschaftlichen Zusatzversorgung. Dass diese Einnahmen später nicht ausreichen würden, um seinen Lebensstandard zu halten, hatte der Landwirt bereits in jungen Jahren erkannt, als er sich seine späteren Ansprüche hochrechnen ließ.
Darum schloss Sebastian T. kurz nach seiner Ausbildung eine Rentenversicherung ab. Im Laufe der Jahre folgte bei der gleichen Gesellschaft eine weitere Rentenversicherung, sodass er seinerzeit davon ausging, dass diese immer wieder empfohlene geradezu klassische Dreiteilung aus
  • gesetzlicher Rentenversicherung,
  • betrieblicher Altersvorsorge und
  • privater Absicherung im Alter ausreichen würden.

Standmitteilungen bei der Rentenversicherung genau lesen

Ein kürzlich erfolgter Hinweis seines Steuerberaters auf "spätere Finanzlücken" droht Sebastian T. aber einen Strich durch die Rechnung zu machen. Es geht um seine Rentenversicherungen, in die er zwar Monat für Monat einzahlt, deren tatsächliche Wertentwicklung er aber bisher kaum verfolgte. Dies hat sich mittlerweile geändert: Seit dem Gespräch mit seinem Steuerberater kontrolliert der Landwirt die ihm jährlich zugesandten sogenannten Standmitteilungen des Versicherungsunternehmens ganz genau.
 
Darin informiert die Assekuranz
  • über die Ablaufleistungen beziehungsweise Rückkaufwerte.
  • wie sich die Kapitalmärkte seit dem letzten Zwischenstand entwickelt haben und welche Auswirkungen dies auf den Wert der Rentenversicherungen hat.
Genau dieser Punkt macht Sebastian T. Sorgen: Während der vergangenen Jahre und vor allem während der Finanzkrise stieg der Wert der Versicherungen nämlich nur unwesentlich. Unter Berücksichtigung der jährlichen Einzahlungen von rund 3.500 Euro in die beiden Rentenversicherungen ergibt sich eine Durchschnittsverzinsung von noch nicht einmal zwei Prozent. Stabilisiert sich die Entwicklung auf diesem niedrigen Niveau, wird der Landwirt eine rechnerische Lücke zum Ablauf der Versicherungen in neun Jahren von fast 20.000 Euro haben. Diesen Betrag, mit dem er fest kalkuliert hatte, müsste er kurzfristig in anderer Form ansparen.
Derzeit sieht er sich dazu aber außerstande, da sein Betrieb die dazu erforderlichen zusätzlichen Entnahmen nicht hergibt. Die Betrachtung der Wertentwicklung seiner Versicherungen während der vergangenen Jahre veranlasste Sebastian T., den Versicherungsverlauf weiter zurückzuverfolgen. Dazu liegen ihm vom Versicherer mittlerweile die Zahlen vor, die ebenfalls wenig Gutes verheißen: Während des geprüften Zeitraumes von zwölf Jahren schaffte es das Unternehmen maximal bis zum Durchschnitt der in der Branche erzielten Verzinsung. 

Altersvorsorge: Mit Wertentwicklung der Anlageprodukte befassen

Sebastian T. geht davon aus, dass die Gesellschaft in den Jahren der enormen Aktienkurs- und Anleihenverluste einschließlich 2014 entsprechende Wertberichtigungen vornehmen musste, die offensichtlich auch im Wertzuwachs der Versicherungen in hohem Maße zum Ausdruck kommen. Rudolf Loibl, Unternehmensberater aus Straubing, kennt dieses Problem aus seiner Praxis: "Häufig sind sich Betriebsverantwortliche der Problematik gar nicht bewusst, da sie sich nur unregelmäßig mit der Wertentwicklung ihrer Anlageprodukte befassen."
Sebastian T. hat sich beim Versicherer über die mäßige Wertentwicklung beschwert. Allerdings musste er sich im Antwortschreiben vorhalten lassen, dass die Gesellschaft ihm seit Vertragsbeginn jährlich eine Mitteilung über die Entwicklung seiner Versicherungen zugesandt hat. Bei sorgfältiger Durchsicht der Unterlagen hätte ihm also auffallen müssen, dass sich die Gesamtwerte der Rentenversicherungen keinesfalls entwickelten, wie ursprünglich prognostiziert. Mehr noch: Der Versicherer wies deutlich darauf hin, dass die in den vergangenen Jahren schwierige Situation an den Kapitalmärkten Hauptursache für diese enttäuschende Wertentwicklung war. Darüber hinaus könne man nicht unbegrenzt in Aktien investieren, um auf diesem Weg entsprechende Gewinne zu realisieren.

Altersvorsorge: Jährlich zweimal auf den Prüfstand stellen

Da Sebastian T. die Schreiben nur oberflächlich durchgesehen hatte, war ihm lange Zeit nicht aufgefallen, dass er bereits vor Jahren hätte gegensteuern müssen. Dazu dürfte es nun fast zu spät sein. Seine angespannte Betriebslage gibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt weitere finanzielle Mittel nicht her. Der Landwirt denkt nun darüber nach, sich von einem unabhängigen Experten bezüglich möglicher Änderungen der bestehenden Versicherungen beraten zu lassen. Dazu erwägt er auch eine Reduzierung der monatlichen Raten. Das auf diesem Weg eingesparte Geld will Sebastian T. gegebenenfalls in einen Sparplan einbringen, von dem er sich eine bessere Wertentwicklung verspricht
Ob sich diese und ähnliche Ideen in Zeiten allgemein niedriger Zinssätze realisieren lassen, muss das Gespräch mit dem Fachberater erst noch zeigen. Dazu nochmals Loibl: "In der heutigen Zeit sollte zumindest zwei Mal im Jahr alles auf den Prüfstand gestellt werden, was mit Altersvorsorge zu tun hat. Das gilt für die Wahl der Anlageform ebenso wie für die Höhe der regelmäßig investierten Beträge. Allerdings ist es auch vielfach gar nicht möglich, zu erwartende Deckungslücken durch höhere Ansparraten auszugleichen."

Checkliste: Diese Punkte sollten sie im Blick behalten

  • Eine regelmäßige Bestandsaufnahme Ihrer derzeitigen und im Rentenalter zu erwartenden Einnahmen sollte zu einer selbstverständlichen Pflichtübung werden.
  • Orientieren Sie sich bei den Prognosen Ihrer Vertragspartner an Werten und Hochrechnungen, die Sie selbst für realistisch halten.
  • Reagieren Sie umgehend, wenn sich Planabweichungen ergeben, die die Höhe Ihrer finanziellen Altersabsicherung in Frage stellen. Falls erforderlich, nehmen Sie kompetenten Rat in Anspruch. Erfahrungsgemäß kann Ihnen beispielsweise Ihr Berufsverband meist Ansprechpartner nennen.
  • Bei grundsätzlichen Fragen zu Versicherungen oder Anlageprodukten können Sie sich an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wenden.
  • Berücksichtigen Sie in Ihren Überlegungen zur Altersabsicherung auch Vermögenswerte wie Erbschaften oder Schenkungen.
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