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Rente: Das System wird unbezahlbar – was heißt das für Landwirte?

Älterer Landwirt mit einem Kleinkind auf dem Schlepper
am Mittwoch, 09.06.2021 - 13:30 (1 Kommentar)

Das Rentensystem in seiner jetzigen Form ist finanziell unhaltbar, warnen Wirtschaftsexperten in einem Gutachten. Sollte die Politik auf die Warner hören, könnte sich das auch auf die Alterssicherung der Landwirte auswirken.

Das Gutachten des Wissenschaftliche Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium schlug ein wie eine Bombe. „Rente mit 68“, „Rentenhammer“, „Das System implodiert“ – so und ähnlich lauteten die Schlagzeilen der Medien seit Anfang der Woche.

Wirtschaftsminister Peter Altmeier (CDU) und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz wischten eine Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters zwar umgehend vom Tisch. Drei Monate vor der Bundestagswahl will kein Politiker über einen Stimmungskiller wie höhere Rentenbeiträge oder längere Lebensarbeitszeit diskutieren.

Doch die unangenehmen Fakten, die das Gutachten der Ökonomen aufzählt, bleiben. Und die Empfehlungen der Experten sind eindeutig.

Wenn die Babyboomer in Rente wollen, wird es für den Steuerzahler teuer

Fakt ist, das Verhältnis von Rentenempfängern zu Beitragszahlern, der sogenannte Altersquotient wird sich von jetzt etwa 35 bis 2035 auf über 50 verschlechtern. Von 2040 an wird er sogar auf bis zu 60 Prozent steigen. Ursachen sind die steigende Lebenserwartung und der Renteneintritt der Babyboom-Generation.

Wenn das Leistungsniveau der gesetzlichen Rente dennoch gehalten werden soll, müsste der Zuschuss des Bundes von derzeit etwa einem Viertel des jährlichen Bundeshaushalts bis 2045 auf mehr als die Hälfte des Bundeshaushalts anwachsen. Die Steuerbelastungen würden nach Einschätzung des Beirats „langfristig zu einer untragbaren Belastung des öffentlichen Haushalts führen“.

Das Renteneintrittsalter müsste auf 68 Jahre steigen

In ihrem Gutachten empfehlen die Experten eine Rentenreform. Dazu gehört, dass das Renteneintrittsalter bis 2042 auf etwa 68 Jahre steigen müsste. Statt einer starren Altersgrenze sollen die Menschen aber innerhalb eines Fensters ihren Renteneintritt – mit entsprechenden Zu- und Abschlägen – frei wählen können.

Mögliche Änderungen wären zudem, Bestandsrenten nur mit einem Inflationsausgleich zu dynamisieren, wie das in Österreich der Fall ist, statt sie von der Lohnentwicklung abhängig zu machen. Außerdem könnte der Zusammenhang zwischen Rentenbeitrag und Entgeltpunkten degressiv gestaffelt werden.

Alterssicherung der Landwirte zu über 80 Prozent steuerfinanziert

Der Wissenschaftliche Beirat unter Vorsitz von Prof. Klaus Schmidt von der Uni München weist darauf hin, „dass ein Rentensystem, das immer größere werdende Tragfähigkeitslücken aufbaut, keine Planungssicherheit bietet“.

Die Aussage lässt sich auf die Alterssicherung der Landwirte übertragen. Das System wird schon jetzt zu über 80 Prozent vom Bund finanziert, im vergangenen Jahr mit rund 2,4 Mrd. Euro. Nur noch ein knappes Fünftel der Einnahmen stammt aus den Beiträgen der Landwirte.

Landwirte haben nur eine Teilabsicherung aus der Rente

Anders als in der gesetzlichen Rentenversicherung wird in der Alterssicherung der Landwirte allerdings ein Einheitsbeitrag erhoben, der nicht einkommensbezogen ist. Durch den Einheitsbeitrag wird umgekehrt auch nur eine Anwartschaft auf eine Einheitsleistung erworben. Sie ist allenfalls eine Teilsicherung für das Alter. Ihre Höhe hängt von der Dauer der Beitragszahlung ab. Die Entwicklung des Einheitsbeitrags ist jedoch an die Entwicklung des Beitrags und des Durchschnittsentgelts in der gesetzlichen Rentenversicherung gekoppelt.

Daher stellt sich die Frage: Muss die Alterssicherung der Landwirte reformiert werden, um mit den demographischen und wirtschaftlichen Veränderungen Schritt zu halten? Stimmen Sie ab:

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