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Agrarinvestitionen

Rentenbank rechnet mit weiterhin niedrigen Zinsen

Rohbau eines Milchviehstalls
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Norbert Lehmann, agrarheute
am
29.04.2019

Die Zinsen für Fremdkapital bleiben nach Einschätzung der Landwirtschaftlichen Rentenbank niedrig. Die Landwirte investieren dennoch nur zurückhaltend.

Dr. Horst Reinhardt

"Die Zinswende nach oben, die bis Ende 2018 noch allgemein erwartet worden war, ist vorerst abgeblasen." Das stellte der Sprecher des Vorstands der Landwirtschaftlichen Rentenbank, Dr. Horst Reinhardt, heute auf der Bilanzpressekonferenz der Förderbank in Frankfurt am Main fest.

Reinhardt verwies auf die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), das Minuszinsniveau bis über das Jahresende 2019 hinaus "so lange wie erforderlich" beizubehalten. Damit wird Fremdkapital weiterhin zu sehr günstigen Konditionen zu haben sein. Die Rentenbank wird ihren Förderzuschuss von 1 Prozent zu Förderkrediten mit mittlerer Laufzeit zu Top-Konditionen daher voraussichtlich fortführen.

Weniger Förderkredite nachgefragt

Wie Reinhardt mitteilte, ist die Rentenbank in das Geschäftsjahr 2019 zufriedenstellend gestartet. Auch mit dem vergangenen Jahr sei man "durchaus zufrieden", so der Vorstandssprecher mit Blick auf die Geschäftszahlen des Kreditinstituts.

Allerdings ist das Neugeschäft mit Programmkrediten 2018 gegenüber dem Vorjahr um 9,5 Prozent auf 6,7 Mrd. Euro zurückgegangen. Dies war der dritte Rückgang in Folge. Für das laufende Jahr rechnet die Bank dennoch mit einem stabilen Kreditneugeschäft, obwohl sich die Konjunkturaussichten eintrüben und Risiken wie Handelskonflikte, Brexit und schlummernde Risiken in den Staatshaushalten und manchen Banken im Süden des Euroraums die Unsicherheit erhöhen.

Rückläufige Darlehen für Rinder- und Schweineställe

In der Fördersparte "Landwirschaft" vergab die Rentenbank voriges Jahr 2,12 Mrd. Euro neue Förderkredite; das waren 4,3 Prozent weniger als 2017. Der Schwerpunkt lag mit 736 Mio. Euro weiterhin auf Gebäudeinvestitionen, auch wenn in diesem Segment ein Minus von 53 Mio. Euro zu verzeichnen war. Während weniger Darlehen für Rinder- und Schweineställe abgerufen wurden, stiegen die Zusagen für Geflügelställe leicht an. Reinhardt zufolge hemmten vor allem rechtliche Unsicherheiten und höhere Baukosten die Nachfrage.

Für Maschineninvestitionen stellte die Rentenbank 580 Mio. Euro (Vj.: 558 Mio. Euro) zur Verfügung, für Flächenkäufe 490 Mio. Euro (539 Mio. Euro).

Liquiditätsdarlehen bleiben auf niedrigem Niveau

Aufgrund der Dürre hatte die Rentenbank im Juni 2018 ihr Programm für Kredite zur Liquiditätssicherung für Betriebe geöffnet, die Schäden durch Trockenheit oder Unwetter zu verzeichnen hatten. Die Summe der ausgereichten Liquiditätsdarlehen nahm von 11,2 Mio. Euro auf 30,8 Mio. Euro zu, blieb damit also auf einem ingesamt niedrigen Niveau.

Der Bereich "Ländliche Entwicklung" wurde 2018 zum zweitwichtigstes Förderbereich der Rentenbank und verdrängte die "Erneuerbaren Energien" auf Platz 3. Die Zusagen für Vorhaben der ländlichen Entwicklung nahmen um 9,6 Prozent auf 1,97 Mrd. Euro zu.

Bei den Erneuerbaren Energien brach das Neugeschäft erwartungsgemäß zusammen. Änderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) führten dazu, dass die Kreditzusagen um rund 40 Prozent auf 1,43 Mrd. Euro nachgaben. Ausschlaggebend war eine schwächere Nachfrage nach Windkraft-Finanzierungen. Bei Biogas verursachte der Bedarf zur Umrüstung auf die flexible Stromabgabe hingegen eine höhere Nachfrage nach Investitionsmitteln.

Die Fotovoltaik-Finanzierungen haben sich mit 506 Mio. Euro sogar mehr als verdoppelt. Hier wirkten sinkende Modulpreise und die Erwartung niedrigerer Einspeisetarife stimulierend. Für 2019 rechnet die Rentenbank allerdings mit einem geringeren Neugeschäft bei der Solarstromerzeugung

Aufsicht wechselt von der EZB zur BaFin und Bundesbank

Das Betriebsergebnis der Rentenbank verschlechterte sich 2018 um 3,4 Prozent auf 295,1 Mio. Euro vor Risikovorsorge und Bewertung. Aus dem Zinsergebnis wurden 84,2 Mio. Euro für die Förderung der Agrarwirtschaft und des ländlichen Raumes aufgewandt, davon 63,2 Mio. Euro zur Zinsverbilligungen der Programmkredite.

Voraussichtlich ab Juni oder Juli wird die Landwirtschaftliche Rentenbank durch eine Revision der EU-Richtlinien für das Bankenwesen (CRD) aus der direkten Aufsicht durch die Europäische Zentralbank (EZB) entlassen. Die Aufsicht wird dann voraussichtlich wieder durch die Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ausgeübt. Vorstandssprecher Reinhardt begrüßte diesen Schritt ausdrücklich. Er rechnet mit einer dem spezifischen Geschäft einer Förderbank angemessenen Kontrolle und Aufsicht.

Neue Gesichter im Vorstand

Letztmals nahm an der Bilanzpressekonferenz Hans Bernhardt teil. Der für Finanzen und Organisation zuständige Vorstand scheidet zum Ende des Monats planmäßig in den Ruhestand aus.

Seine Nachfolge wird Dr. Marc Kaninke (48) antreten. Kaninke war in verschiedenen leitenden Funktionen in der Wüstenrot-Württembergische-Gruppe tätig. Derzeit ist er Mitglied des Vorstands der Wüstenrot Bank AG Pfandbriefbank.

Erstmals nahm an der Pressekonferenz der neue Vorstand für Kredit und Risikocontrolling Dietmar Ilg teil. Ilg war im Mai 2018 von der DZ Bank zur Rentenbank gestoßen.

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