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Produktion und Förderung

Das richtige Bauvorhaben gekonnt umsetzen

von , am
07.04.2011

Münster - Zukunftsorientiertes Bauen steht im Zentrum der diesjährigen KTBL-Tagung. Doch wohin geht der Trend? Wie wird der Kaptialbedarf gedeckt? Prof. Dr. Bernd Hallier vom EHI Retail Institute in Köln informiert.

Die Filterpflicht soll nach dem derzeitigen Entwurf für Ställe mit mehr als 2.000 Mastschweinen und 750 Sauen gelten.. © Mühlhausen/landpixel
Landwirtschaftliche Bauvorhaben umfassen ein weites Handlungsfeld. Eine der verbindenden Gemeinsamkeiten von landwirtschaftlichen Bauvorhaben ist, dass mit der Investition das eingesetzte Kapital langfristig in ein Objekt gebunden wird. Zur Deckung des Kapitalbedarfs wird neben Eigenmitteln, Eigenleistungen und Fördermitteln regelmäßig ein nennenswerter Anteil als Fremdkapital in Form klassischer Bankdarlehen herangezogen. 

Investitionsklima in der Landwirtschaft auf stabilem Niveau

Gemäß dem Statistischen Jahrbuch für die Landwirtschaft bewegen sich die Investitionen in Bauvorhaben der Landwirtschaft im mehrjährigen Durchschnitt mit 1,66 Milliarden Euro auf einem stabilen Niveau mit geringen Schwankungen (BMELV 2010).
 
Das aktuelle Konjunktur- und Investitionsbarometer Agrar für das 4. Quartal 2010 zeigt eine deutliche Belebung der geplanten Investitionen der Landwirtschaftsbetriebe in Deutschland. Offenbar schätzen landwirtschaftliche Unternehmer die künftigen Marktentwicklungen als stabil ein und nutzen die aktuellen Regelungen zur Erzeugung von Energie aus Sonne und Biogas. In einer Studie kommen Pelikan et al. zu dem Ergebnis, dass insbesondere die Sektoren der Veredelungswirtschaft (Schweine- und Geflügelfleisch) im internationalen Wettbewerb über günstige Voraussetzungen verfügen (Pelikan et al. 2010).
 
Nach Beobachtung der Deutschen Kreditbank AG (DKB) werden in diesen Bereichen aktuell viele Investitionsvorhaben für die Schaffung neuer Produktionskapazitäten geplant und durchgeführt. Neubau- und Ersatzinvestitionen im Bereich der Milcherzeugung finden ebenfalls in nennenswertem Umfang statt. Nach Einschätzung der DKB sind die Erzeuger in diesem Segment bestrebt, zum voraussichtlichen Auslaufen der Milchmengenbegrenzung im Jahr 2015, mit möglichst günstigen Startbedingungen aufwarten zu können. Wenngleich Pelikan et al. die internationalen Wettbewerbsbedingungen der deutschen und europäischen Milcherzeugung als eher ungünstig einstufen, so müssen die Autoren doch feststellen, dass die Produktionsreserven in anderen Teilen der Welt nicht ausreichen werden, um Europa von der Netto-Exportposition zu verdrängen.

Investitionstrends

Aus Sicht der DKB stellen sich die Investitionsvorhaben zu den verschiedenen Betriebszweigen wie folgt dar:
  • Geflügelfleisch
    Steigender Pro-Kopf-Verbrauch und günstige Exportaussichten ermutigen die Verarbeitungsunternehmen zu Investitionen in neue Schlacht- und Verarbeitungskapazitäten. Damit verbunden ist nach Beobachtung der DKB eine intensive Suche nach Erzeugern, die neu in die Geflügelproduktion einsteigen wollen oder bereit sind, bestehende Anlagen zu erweitern. In diesem Zuge sind die Verarbeiter bestrebt, neue Kapazitäten außerhalb der bisherigen Erzeugungszentren aufzubauen. Dazu motivieren sowohl Gesundheits- und Hygieneaspekte als auch zunehmende Schwierigkeiten der Genehmigung und Akzeptanz in den bisherigen Veredelungshochburgen.
  • Schweinefleisch
    Bedingt durch den hohen Ferkelimport aus Dänemark und den Niederlanden befinden sich die Sauenhalter nach wie vor unter hohem Wettbewerbsdruck. Die Schweinemastkapazitäten wurden bereits stark aufgestockt, sodass Deutschland inzwischen Netto-Exporteur in diesem Segment geworden ist. Weitere Mastkapazitäten befinden sich in Vorbereitung, häufig auch von Ferkelerzeugern, die damit den Schritt zum geschlossenen System vollziehen wollen. Sauenhaltung finden nach Einschätzung der DKB im Regelfall nur im Rahmen der Erhaltsatzinvestitionen statt.
  • Milcherzeugung
    Bestandsanlagen in Ostdeutschland, die in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre modernisiert wurden, weisen in den nächsten Jahren erneut Instandsetzungsbedarf auf. Dabei wird auch der vollständige Neubau und die Umnutzung der Altanlage für die Jungrinderhaltung in Erwägung gezogen. Bestandsaufstockungen und damit verbundene Anlagenerweiterungen bilden einen weiteren Schwerpunkt. In Westdeutschland ist der Strukturwandel weiterhin ein Investitionsmotor. Einzelbetriebliches Wachstum oder Unternehmenszusammenschlüsse sind hier Auslöser für Baumaßnahmen.
  • Erneuerbare Energien
    Den Neubau von Biogasanlagen schätzt die DKB für 2011 auf dem Niveau des Jahres 2010 ein. Für die Zeit danach ist aktuell eher eine abwartende Haltung der Investoren zu verzeichnen. Verunsicherung erzeugt die laufende politische Debatte über Anpassungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Von zunehmendem Interesse ist die Errichtung von Anlagen zur Biogasaufbereitung und -einspeisung in das Erdgasnetz. Aufgrund langer Planungs- und Genehmigungsphasen ist hier jedoch nicht mit einem sprunghaften Anstieg des Anlagenbestandes zu rechnen.

Fazit

Die allgemeinen Prognosen zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen Landwirtschaft stimmen die Unternehmer positiv und motivieren offenbar zu steigenden Investitionen auch in Gebäude und bauliche Anlagen. Dabei kann der beträchtliche Kapitalbedarf insbesondere in Wachstumsbetrieben meist nicht ohne Kreditmittel einer Bank gedeckt werden. Auch wenn es sich bei vielen Bauvorhaben um ausgesprochene Spezialimmobilien mit stark eingeschränkter Alternativverwendung handelt, kann grundsätzlich die Finanzierbarkeit mit klassischen langfristigen Darlehen bestätigt werden.
 
Darlehenslaufzeiten orientieren sich an der Nutzungsdauer. Besicherungsmodelle können auf das Investitionsobjekt beschränkt werden, ohne dass Risikoaufschläge bei Zinssatz oder Eigenmitteleinsatz erforderlich werden. Von zentraler Bedeutung ist eine umfassende und plausible Vorhabenskonzeption und Planung, die mit der gebotenen kaufmännischen Sorgfalt und Vorsicht aufgestellt wurde und entsprechende Annahmen zur künftigen Entwicklungen wichtiger Parameter macht.
 
Eine offene Kommunikation zwischen Landwirt und Bank ist dabei Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit vor, während und nach Realisierung der Maßnahme. Eine besondere Bedeutung misst die DKB der Beobachtung der Liquiditätslage im Unternehmen zu. Wie die nähere Vergangenheit zeigt, ist dies nicht nur in Investitionsphasen ein wichtiges Thema und kann über die Zukunftsfähigkeit eines Betriebszweiges entscheiden.
 
Sehen Sie heute auf agrarheute.com ein Interview mit dem Präsidenten des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL), Prof. Dr. T. Jungbluth.

Die KTBL-Tage 2011 finden noch bis zum 7. April in Münster/Westfalen statt. Anmelden können Sie sich im Internet auf den Seiten der KTBL. zur Anmeldung ...
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