Login
Produktion und Förderung

'Schizophrene Bauern'?: Bauer Willi vs. Prof. Roeb

© Bauer Willi
von , am
13.07.2015

Bei Günther Jauch saßen sie gemeinsam auf der Couch. Jetzt interviewte Bauer Willi Prof. Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Der Wirtschaftswissenschaftler nennt die Bauern "schizophren".

Prof. Thomas Roeb (l.) besuchte Bauer Willi (r.) auf dessen Hof. Heraus kam ein Interview mit gewagten Thesen des Professors. © Bauer Willi
Bei Günther Jauch traf Bauer Willi zum ersten Mal auf Prof. Dr. Dr. Thomas Roeb. Dieser hatte die Bauern in der Sendung als "schizophren" bezeichnet. Nach der Argumentation des Wirtschaftswissenschaftlers möchten "die Landwirte" einerseits "die alten Strukturen aus den 70ern und 80ern behalten und sich nur begrenzt anpassen. Gleichzeitig möchten Sie aber vom wirtschaftlichen Fortschritt und den Steigerungen des Lebensstandards profitieren." 
 
Prof. Roeb lehrt an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg Handelsbetriebslehre und Marketing und arbeitet beratend für Lebensmittelhandel und -industrie. Früher war Roeb Bereichsleiter bei Aldi.
 
Jetzt besuchte Roeb Bauer Willi auf dessen Hof und legte seine Thesen dar. Hier finden Sie die Wichtigsten.

Die Thesen des Prof. Roeb

  • Nach Ansicht von Prof. Roeb nehmen die Landwirte zwar die Vorzüge des technologischen Fortschritts in Anspruch, beklagen aber die sinkenden Erzeugerpreise. In dem Interview nimmt Roeb Bauer Willi als Beispiel her: "Ihr Betrieb hat sich in den letzten 40 Jahren nicht vergrößert, die Maschinen sind aber alle auf dem neuesten Stand. Sie müssen also viel weniger arbeiten - was Sie gut finden -, bekommen dafür aber viel weniger Geld - was Sie schlecht finden. Das ist schizophren, weil beide Entwicklungen die Seiten derselben Medaille sind."

  • Was er mit dieser Aussage meint, schildert Prof. Roeb am Beispiel Aldi: "Ein Aldi-Markt ist heute dreimal so groß wie vor 50 Jahren und Aldi selbst zehnmal so groß. Warum sollen ausgerechnet die landwirtschaftlichen Betriebe so groß bleiben wie vor 50 Jahren? In den USA und selbst in Ost-Deutschland sind die Betriebe erheblich größer!"

  • Letzten Endes bezweifelt der Professor die Sinnhaftigkeit der deutschen Landwirtschaft in ihrer heutigen Form: "In der Tat, sehen Sie die Textilindustrie oder den Bergbau: die haben sich nicht nur gewandelt. Sie sind in weitem Umfang komplett aus Deutschland verschwunden. Kleidung bekommen wir heute aus Bangladesh und Kohle aus Australien. Wir können unser Getreide doch auch in USA, Kanada, Russland oder der Ukraine kaufen."

Die Lösung des Prof. Roeb

  • Als Lösung des ganzen Dilemmas schlussfolgert Prof. Roeb: "Ich bin nun kein ausgesprochener Freund von Frau Künast aber Sie wollte ja, dass die Landwirte nicht mehr nur für die Produktion der Produkte bezahlt würden, sondern für die Leistung für die Gesellschaft. Das wollten die Bauern aber nicht, weil sie sagten, dass sie für ihre Produkte bezahlt werden wollen. [...] Die Landwirte sind da sehr unflexibel."

Ein Interview, dessen Thesen es in sich haben. Was ist eure Meinung? Gebt Euren Kommentar zu den "Thesen des Porf. Roeb" auf landlive oder facebook ab.

Auch interessant