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Produktion und Förderung

Skandal beim Antibiotika-Monitoring?

bes/pd
am
29.04.2015

Das vom BMEL eingeführte Antibiotika-Monitoring bei Nutztieren ist lückenhaft. Mehrere Tausend Betriebe, die keine Angaben machten, flossen in die Statistik als solche ohne Anitbiotika-Einsatz ein.

Seit 2014 sollen Landwirte dokumentieren, welche Antibiotika bei welchen Tieren und wie lange eingesetzt wurden. Das von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) eingeführte Antibiotika-Monitoring soll dazu dienen, die Ausbreitung mulitresistenter Keime zu reduzieren.
 
Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung haben jetzt - vier Wochen nach Veröffentlichung des ersten Berichts - ergeben, dass die Statistik verfälscht wurde. Fehlende Angaben von Tausenden von Betrieben flossen als solche ein, die keine Antibiotika einsetzen. Somit ist die errechnete Kennzahl ohne jede Aussagekraft. Jetzt ist eine Plausibilitätsprüfung nötig, die aufgrund der großen Datenmenge einige Zeit in Anspruch nehmen wird. 

So sieht es in den einzelnen Bundesländern aus

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge ist der Stand in den einzelnen Bundesländern zu fehlenden Antibiotika-Angaben folgender:
  • Nordrhein-Westfalen: Rund 2.300 Tierhalter - etwa ein Fünftel aller meldepflichtigen Betriebe - habe dort laut Angaben des Ministeriums nichts in die Datenbank eingetragen.
  • Schleswig-Holstein: Hier fehlen Angaben von rund 40 Prozent der meldepflichtigen Betriebe.
  • Baden-Württemberg: Hier sollen sogar mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe keine Angaben über die Antibiotika-Gaben gemacht haben.
  • Sachsen-Anhalt: Hier teilte das Land mit, es wisse nicht, wieviele Landwirte Angaben zum Antibiotika-Einsatz gemacht habe. 
  • Niedersachsen: Nach Angaben von NDR geht das Ministerium dort davon aus, dass wohl die meisten Betriebe ihre Angaben korrekt in die Datenbank eingetragen haben.
  • Brandenburg: Auch hier können die Behörden bisher keine gesicherten Angaben geben. 
  • Bayern und Sachsen: Hier teilten die Landesministerien mit, sie hätten keinen Zugriff auf die Zahlen.

Durchschnitt verfälscht

Macht ein Betrieb keine Angaben, so wird es vom System automatisch so gewertet, als hätte der Betrieb keine Antibiotika eingesetzt. Diese fehlenden Daten verfälschen den bundesweiten Durchschnitt.
 
Die einzelnen Länder kündigten nun an, die Angaben nochmals zu überprüfen. Nach Angaben des NDR kontrollieren Behörden seit vergangenem Jahr, ob die betreffenden Landwirte ihre Meldepflicht einhalten. Bis heute seien in Niedersachsen schon etwa 250 Verfahren wegen möglicher Verstöße eingeleitet worden.

Hintergrund

Das Antibiotika-Moitoring soll dazu dienen, den Antibiotika-Gebrauch in Deutschland zu reduzieren und die Ausbreitung mulitresistener Keime einzudämmen. Meldepflichtig sind Betriebe ab einer bestimmten Größe. Tierhalter, die über einen längeren Zeitraum deutlich über dem statistisch ermittelten Vergleichswert - der sogenannten Kennzahl - liegen, sollen Sanktionen erhalten und entsprechende Maßnahmen zur Minimierung ergreifen. 

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