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Steuer und Finanzen

Spekulation schafft Sicherheit und Spendengelder

von , am
15.05.2012

Böse Börse? So lautet das Titelthema der aktuellen Ausgabe der NL Neue Landwirtschaft. Wie böse die Spekulanten und Banken wirklich sind, kommentiert NL-Redakteurin Julia Reinhardt.

NL-Redakteurin Julia Reinhardt
Der Schuldige scheint ausgemacht, wenn man den jüngsten Medienkampagnen einiger Organisationen glauben möchte: Nicht Bevölkerungsexplosion, nicht Ressourcenknappheit und auch nicht Ölpreis-Höchststände sind ursächlich für steigende Lebensmittelpreise. Nein, die Spekulanten sind’s! Die Forderung, die "Zockerei im globalen Rohstoff -Kasino" zu beenden, findet in der Öffentlichkeit viel Zustimmung.
 
Die Argumentationskette klingt erstmal ja auch logisch: "Die Banken spekulieren auf höhere Preise, treiben sie dadurch in die Höhe und verursachen so Hunger in der Welt." Allerdings sind die Einflussfaktoren auf die Weltmarktpreise für Lebensmittel sehr viel komplexer und bei näherem Hinsehen zeigt sich ein ganz anderes Bild. So sind Ökonomen fast unisono der Überzeugung, dass Preistrends nur kurzzeitig durch Spekulation verstärkt werden können – allerdings nach oben wie nach unten! Und die Volatilitäten würden durch sie sogar gemildert. Einen weiteren Effekt hat die Spekulation mit Agrarrohstoffen aber noch: Sie sorgt für ein schlechtes Image, und so erwägen immer mehr Banken, aus diesem Geschäftsfeld auszusteigen. Und anders als von den Kritikern propagiert, würde ein Ende der Warentermingeschäfte für Lebensmittel vor allem die Akteure der Agrarbranche treffen, denen es um die Absicherung gegen Preisrisiken geht.
 
Spekulieren ließe sich indes über die Beweggründe für die Kampagnen von Foodwatch und Co. Ob es daran liegt, dass ihnen Schlagworte wie "Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität" und "Ressourcenschutz" – zwei sehr gewichtige Ansatzpunkte im Kampf gegen den Hunger – nur sehr viel weniger Spendengelder einbringen würden als ein Fingerzeig auf die "Börsen-Zocker"? Ich bin jedenfalls davon überzeugt.
 
 
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