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Wirtschaftlichkeit

Stall pachten statt bauen?

Finanzberatung im Milchviehstall.
Uwe Bintz,LWK Niedersachsen
am
17.11.2016

Eine Stallpacht kann zusätzliches Einkommen bringen, lohnt sich aber meist nur, wenn überdurchschnittliche Leistungen erbracht werden. Wer pachten will, sollte deshalb genau die Wirtschaftlichkeit prüfen.

Verschärfte Auflagen machen es oft schwierig, Stallneubauten zu realisieren. Immer mehr zukunftsorientierte Betriebe denken deshalb daran, Stallanlagen zu pachten. Vorrangig ist dabei das Ziel, Einkommen zu generieren. Welche Vorteile eine Stallpacht außerdem bietet, hat das dlz agrarmagazin in seiner aktuellen Ausgabe November 2016 vorgestellt.

Vorteile einer Stallpacht

  • Auslastung überschüssiger Arbeitskapazitäten, hauptsächlich bei bezahlten Mitarbeitern oder beim Einstieg des Hofnachfolgers.
  • Beseitigung von knappen Stallplätzen bei Leistungssteigerungen, beispielsweise wenn ein Ferkelerzeuger zu wenige Aufzuchtplätze hat.
  • Reduzierung des Vermarktungsrisikos bei der Pacht von Mastställen, wenn ein Ferkelerzeuger ins geschlossene System einsteigt.
  • Auslagerung der Jungviehaufzucht mit der Möglichkeit der Aufstockung der Milchviehherde auf dem eigenen Betrieb.

Pachtpreise

  • Die Pachtpreise sind von der Nachfrage abhängig. Diese wiederum ist von Region zu Region unterschiedlich. Größere Mastbetriebe sind beispielsweise an größeren Stallkapazitäten interessiert, Ferkelerzeuger eher an Kleineren.
  • Auch die aktuelle Marktsituation bei den einzelnen Tierarten hat Einfluss auf die Nachfrage.
  • Bei der Ermittlung eines fairen Pachtpreises sollten die Interessen des Verpächters und die des Pächters berücksichtigt werden.
  • Bei der Verpachtung von Schweineställen hat sich übe Jahrzehnte ein Pachtpreisviveau etabliert, das je nach Einflussfaktoren etwa zwischen 12 und 25 Euro je Stallplatz und Jahr angesiedelt werden kann.
  • Bei der Pacht von Milchviehställen gibt es bislang kaum Erfahrungswert.
  • Für den Verpächter steht der Wert des Stalls im Vordergrund. Er orientiert sich bei der Preisfindung am Gebäudewert.
  • Für den Pächter steht die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund. Hauptkriterium ist die direktkostenfreie Leisung (DkfL).
  • Das zu erwartende Leistungsniveau hat den größten Einfluss auf den Pachtpreis aus Sicht des Pächters.
  • Baujahr und Zustand der Inneneinrichtung spielen die Hauptrollen.
  • Wirtschaftlichkeitsberechnungen ergeben Pachtpreise von 126 Euro je Stallplatz bei Sauen,14 Euro bei Mastschweinen und 307 Euro bei Milchvieh.
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Auf diese Kosten müssen Sie achten

  • Pächter sollten im Vorfeld unbedingt Rücksprache mit dem Steuerberater halten, ob der Betrieb in der jetzigen Form beibehalten werden kann oder ob eine Betriebsteilung oder eine gewerbliche Nutzung sinnvoll ist. Eine veränderte Betriebsführung kann noch erhebliche Zusatzkosten nach sich ziehen.
  • Arbeitserledigungskosten spielen bei der Ermittlung des maximalen Pachtpreises eine wichtige Rolle. Die kalkulierten Lohnkosten beeinflußen sie maßgeblich. Neben der Betreuung der Tiere kosten auch die Fahrten zum Stall zusätzlich Zeit und Geld.
  • Auch bei der Nährstoffverwertbarkeit ergeben sich große regionale Unterschiede. Aufgrund der Nährstoffkonzentration hat die Geflügelhaltung deutliche Vorteile gegenüber Schweinen oder Rindern.
  • Die Energiekosten sind Bestandteil der DkfL und somit vom Pächter zu tragen.
  • Alle Gebäudeversicherungen trägt in der Regel der Verpächter, während der Pächter die Tierversicherungen bezahlt.

Pachtvertrag

  • Bei der Bezahlung des Pachtpreises empfiehlt sich eine monatliche Rate oder Quartalszahlung. So hat der Verpächter Sicherheit und die Liquidität des Pächters wird nicht überfordert.
  • Bei der Pachtdauer erscheinen langfristige Vertragszeiten sinnvoll.
  • Um Konflikte vorzubeugen sollten anfallende Reparaturen vor Abschluss des Pachtvertrages genau zugeordnet werden.
  • Auch kleinere Dinge sollten vor Vertragsabschluss geklärt und schriftlich festgehalten werden, bevor es nachher zum großen Streit kommt. Dies können folgende Themen sein: Wann kann Frachtverkehr stattfinden? Wann kann Gülle gefahren werden? Kümmert sich der Verpächter um Alarme? Bekommt der Verpächter einen Stallschlüssel für Notfälle? Sollen Maschine und Werkzeug vom Verpächter genutzt werden?
     

Neue Abferkelbucht von Stallprofi

Abferkelbucht
Sau in Abferkelbucht
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Abferkelbucht von Stallprofi
Aufbau der Abferkelbucht
Sau und Ferkel
Boden der Abferkelbucht
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