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Produktion und Förderung

Stallgröße erlaubt nur bedingt Rückschlüsse auf Tiergesundheit

© landpixel
von , am
19.12.2013

Welchen Einfluss hat die Größe eines Tierbestands auf die Tiergesundheit? Das war die Fragestellung einer neuen Studie. Das Ergebnis variiert je nach Krankheit und Keimen.

In den Vereinigten Staaten sind seit vergangenem Jahr durch den PED-Virus 7 Millionen Ferkel verendet. © Agravis Raiffeisen AG
Während die Bestandsgrößen in der Nutztierhaltung kontinuierlich wachsen, gehen viele Umwelt- und Tierschutzverbände davon aus, dass Tiere in großen Betrieben weniger tiergerecht gehalten werden als in kleinen. Landwirtschaftliche Verbände, Veterinäre und Agrarwissenschaftler hingegen sagen, dass weniger die Bestandsgröße, als vielmehr die Haltungsverfahren und Management entscheidend für das Wohl der Tiere sind.
 
Aileen Ernst, Studentin der Agrarwissenschaft, hat sich in ihrer Masterarbeit der öffentlichen Debatte angenommen. Der Titel der Arbeit: "Einfluss von Tierbestandsgrößen in schweinehaltenden Betrieben auf Tierverhalten und Tiergesundheit".

Nationale und internationale empirische Untersuchungen ausgewertet

Für ihre Untersuchung hat die Studentin nationale und internationale empirische Untersuchungen zu Tiergesundheit und Tierverhalten in Bezug auf den Einfluss von Bestandsgrößen ausgewertet. Während für das Tierverhalten bislang kaum Untersuchun­gen vorliegen, fand Aileen Ernst zur Tiergesundheit belastbare Ergebnisse in der Literatur.
 
Ein wichtiges Ergebnis der vom Braunschweiger Thünen-Institut für Betriebswirtschaft und dem Department für Nutztierwissenschaften der Universität Göttingen gemeinsam betreuten Masterarbeit: Welchen Einfluss die Größe des Tierbestands auf die Tiergesundheit in der Schweinehaltung hat, lässt sich pauschal nicht beurteilen.

Antibiotikaresistente Keime häufiger in großen Betrieben

Während die Bestandsgröße für Krankheiten wie der Influenza bei Schweinen oder dem sogenannten Ferkelhusten (Mycoplasma hyopneumoniae) keinen Einflussfaktor darstellt, kann ihre Wirkung bei MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) und Toxoplasmose als belegt angesehen werden.
 
Überraschend: Bei Toxoplasmose, einer durch Parasiten verursachten Infektionskrankheit, die hauptsächlich Katzen, aber auch andere Säugetiere befällt, sinkt das Risiko einer Infektion laut Studienlage mit zunehmender Bestandsgröße.
 
Anders verhält es sich bei MRSA: Verschiedene Studien haben die Keime sowohl bei Mastschweinen als auch bei Zuchtsauen in großen Betrieben häufiger nachweisen können. Sie sind gegen die üblicherweise verwendeten Antibiotika resistent und können beim Menschen Wundinfektionen und Lungenentzündungen hervorrufen. Traten sie früher vor allem im Krankenhaus auf, häufen sich seit 2005 Nachweise bei Personen, die Kontakt zu MRSA-befallenen Tieren hatten.
Für Pleuritis, eine bakteriell oder viral verursachte Rippenfellentzündung, und PRRS, eine Virusinfektion, die zu verringerten Wurfgrößen und der Geburt toter oder lebensschwacher Ferkel führen kann, stellt sich die Sachlage uneinheitlich dar. Während einige wissenschaftliche Untersuchungen keinen Zusammenhang zwischen Bestandsgröße und Krankheit feststellen konnten, halten andere ein steigendes Infektionsrisiko mit wachsender Bestandsgröße fest.

Keine generelle Beziehung zwischen Bestandsgröße und Krankheitsanfälligkeit

Das Thünen-Instiut folgert, dass es offenbar keine generelle Wirkungsbeziehung zwischen Bestandsgröße und höherer Krankheitsanfälligkeit bei Schweinen gibt. Manche Krankheiten treten unabhängig von der Größe der Bestände auf. Bei Diskussionen über das Thema solle man deshalb genau unterscheiden, um welchen Krankheitstyp es sich konkret handelt.

Hofreport aus Niedersachsen: Jungsauen auf Stroh

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