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Umsatzsteuerrecht

Steuersätze: Hier schauen Betriebsprüfer bei Landwirten genau hin

Schweine bei der Fütterung
am Dienstag, 08.06.2021 - 10:51 (Jetzt kommentieren)

In der Land- und Forstwirtschaft gelten vier verschiedene Umsatzsteuersätze. Bei manchen Umsätzen ist nicht einmal genau geklärt, welchem Steuersatz sie unterliegen. Das bietet Streitpotenzial mit Betriebsprüfern.

„Vor allem bei Umsätzen zwischen Familienmitgliedern schauen Betriebsprüfer genau hin“, sagt Ecovis-Steuerberaterin Ines Wollweber.

Ein Beispiel aus der Praxis: Für steuerpflichtige Dienstleistungen gilt normalerweise der Regelsteuersatz in Höhe von 19 Prozent. Auf bestimmte Lieferungen, beispielsweise von Getreide, ist allerdings der ermäßigte Steuersatz in Höhe von 7 Prozent fällig. Aber wie sind Umsätze zu versteuern, die sowohl Elemente einer Dienstleistung als auch einer Warenlieferung beinhalten?

Der Streitfall: Ehemann produziert Futter für die Schweine seiner Ehefrau

Mit diesem Streitfall hatte sich das Finanzgericht Münster zu beschäftigen: Ein regelbesteuernder Landwirt verpachtete einen räumlich abgegrenzten Teil seines Stalls inklusive Betriebsvorrichtungen an seine Ehefrau.

Die Ehefrau hatte außerdem einen Ackerbaubetrieb und pauschalierte die Umsatzsteuer. Sie lieferte ihre Ernte aus ihrem Ackerbaubetrieb an ihren Ehemann, der die Ernte zu Flüssigfutter weiterverarbeitete. Das Flüssigfutter verfütterte er teils an seine eigenen Schweine, teils bekam es die Ehefrau für die Fütterung ihrer Schweine. Die Bereitstellung des Futters rechnete der Landwirt mit dem ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent an seine Frau ab.

Urteil: Fütterung kann eine einheitliche Leistung sein

Ein Betriebsprüfer beanstandete das: Der Prüfer erkannte eine Dienstleistung statt einer Getreidelieferung. Folglich seien die Umsätze mit 19 Prozent zu versteuern. Gegen die Nacherhebung des Umsatzsteuer-Mehrbetrags zog der Landwirt vor Gericht.

Das Finanzgericht Münster entschied: Die Fütterung der Schweine ist im Streitfall eine einheitliche Leistung. Sie lässt sich nicht aufteilen in eine Lieferung von Futter und eine Futtermanagement-Dienstleistung. Aus Sicht der Richter überwog die Dienstleistung: Daher unterliegen die Umsätze dem Regelsteuersatz von 19 Prozent (Urteil vom 25.02.2021, 5 K 3446/18 U).

Überprüfen Sie Ihre Verträge

Noch ist in diesem Fall das letzte Wort nicht gesprochen. Das Finanzgericht hat in dem Streitfall nämlich die Revision beim Bundesfinanzhof zugelassen, da die Frage von grundsätzlicher Bedeutung sei.

Ecovis-Steuerberaterin Wollweber empfiehlt daher Landwirten, neue Urteile zum Steuerrecht genau zu verfolgen. Dann können sie mit ihrem Steuerberater die bestehenden Verträge hinsichtlich der korrekten steuerlichen Behandlung überprüfen.

Mit Material von Ecovis
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