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Produktion und Förderung

Stickstoffdünger werden billiger

© agrar-press
von , am
16.01.2014

Frankfurt am Main - Hoffnung auf fallende Düngemittelpreise machte am Dienstag auf der DLG-Wintertagung in München Stephan Schnabel.

Stephan Schnabel. © DLG
Das Vorstandsmitglied der Helm AG, Hamburg, erwartet für die kommenden Jahre massive Überkapazitäten am weltweiten Stickstoffmarkt. Dazu trägt laut Schnabel der Ausbau der Produktionskapazitäten bei. So hat Saudi Arabien seine Kapazitäten für die Harnstoffproduktion verdoppelt.
 
Mittlerweile kommt die jährliche Produktionsmenge von drei Millionen Tonnen aus nur noch zwei Anlagen, während vor wenigen Jahren für dieselbe Menge vier Anlagen arbeiteten. Durch die Menge an baulich älteren Anlagen sieht Schnabel zum Teil noch Probleme hinsichtlich der konstanten Produktion und Marktversorgung, das wird auch kurzfristig immer wieder zu volatilen Preisen führen ist der Düngerexperte sicher.  

Shale Gas Boom in den USA

Gleichzeitig wird der Druck auf die Betreiber älterer Anlagen steigen. Ältere und kleinere Anlagen - speziell in Osteuropa - werden wohl mittelfristig nicht bestehen können, erwartet Schnabel. Dagegen werden Länder mit großem Gasvorkommen zukünftig noch mehr Wert darauf legen, dass diese Ressourcen im eigenen Land genutzt werden, speziell zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Dadurch werden Überkapazitäten entstehen. Die Energierevolution in den USA durch das Shale Gas (Schiefergas) wird diesen Prozess noch verschärfen, so der Experte. Damit spielt sich der zurzeit größte Entwicklungssprung in den USA ab. Die Erschließung der Schiefergasvorkommen ermöglicht den USA ganz neue Möglichkeiten, in die Düngemittelproduktion einzusteigen.

USA benötigen weniger Harnstoff

Durch die günstigen Gaspreise in den USA werden neue Kapazitäten für die Harnstoffproduktion entstehen. Dadurch wird aus einem Importland für Öl, Gas und Düngemittel wahrscheinlich ein Exportland werden, welches sich sehr positiv auch auf das amerikanische Handelsdefizit auswirken dürfte.
 
Die Menge an Harnstoff, die zuvor von den USA importiert wurden, wird dann zusätzlich dem Markt zur Verfügung stehen. Das sind zwei Millionen Tonnen, die zu großen Teilen auch ihren Weg nach Europa finden werden, erwartet Schnabel. Für Deutschland sei Shale Gas keine Alternative aufgrund von Umweltbedenken und des enormen Platzbedarfs für die Förderung. Agrarwirtschaft und Handel müssten sich darauf einstellen, dass sich die Warenströme in Zukunft ändern.
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