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Produktion und Förderung

Stroh zu Gold machen? So rechnet sich der Strohverkauf

© nmann77/Fotolia.com
von , am
02.07.2015

Stroh zu Gold machen? Das geht nur im Märchen. In der Realität reicht es, wenn der Strohverkauf kein Zuschussgeschäft wird. Wer Stroh verkauft, muss genau kalkulieren.

Wer gelagerte HD-Ballen zum Kunden bringt sollte 140 Euro/t dafür bekommen. © Andrea H./Aboutpixel.de
Beim Strohverkauf werden sowohl Nährstoffe entzogen als auch die Humusbilanz beeinflusst. Während Betriebe in Regionen mit hohem Viehbesatz beides nutzen können, um mehr Wirtschaftsdünger auszubringen, wirken beide Effekte in reinen Ackerbaubetrieben kostensteigernd.Wie Sie den Verkaufspreis sinnvoll ermitteln können, beschreibt Dr. Mathias Schindler von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Fakt ist: Beim Strohverkauf sollten je nach zu gebuchtem "Dienstleistungspaket" Preise zwischen 25 und 140 Euro je Tonne. 

Verkauf ab Feld muss 130 Euro je Hektar bringen

Die durchschnittliche Betrachtung ergibt für das Stroh einen reinen Nährstoffwert von etwa 21,50 Euro je Tonne (Euro/t), so dass der Verkauf ab Feld zum "Selber Pressen" schon etwa 130 Euro je Hektar bringen muss, damit außer der Kostendeckung auch noch etwas übrig bleibt. Mit einkalkuliert sind die Maschinenkosten und der Lohn für eine zusätzliche Mineraldüngerausbringung im Durchschnitt der Jahre.

Ab Feld gepresst: Zusätzliche Maschinenkosten beachten

Will der Käufer das Stroh erst in einigen Tagen abholen, ist der Verkauf "ab Feld gepresst" (vor allem zur Risikominderung) sinnvoll. Weil dies dann je nach Art der Presse und Mechanisierung  sowie Auslastung zwischen 12,66 Euro/t bei sehr gut ausgelasteten Rundballenpressen und bis zu 30 Euro/t für Kleinballenpressen mit geringerer Auslastung an zusätzlichen Maschinenkosten verursacht, sind jetzt "Netto"-Preise zwischen 41 und 62 Euro/t angemessen (inkl. 20 Prozent Aufschlag für Risiko und Gewinn). Damit sind aufgrund der höheren Lohn- und Schlepperkosten (wegen des deutlich höheren Zeitbedarfs) die kleineren Ballen, obwohl sie AK-sparend mit Ballenschleuder quasi "automatisch" geladen werden, schon deutlich teurer als die Größeren.

Stroh liefern: Jeder Kilometer kostet Geld

Soll das Stroh dann auch noch gebracht werden, wird die Kalkulation schon deutlich aufwändiger. Beim Aufladen hat man die Wahl: Entweder werden alle Ballen erst einmal quer übers Feld gefahren oder der Transportwagen fährt parallel zum Lader nebenher, was meist deutlich schneller geht.  Für Quader und Rundballen ist die Zeit der Parallelfahrt beim Laden mit einkalkuliert. So kostet der Transport über 2 km zwischen 6,26 und 9,44 ?/t zusätzlich. Falls es doch weiter ist: Jeder zusätzliche Entfernungs-km ist zunächst für den 3. bis 10. km mit weiteren 0,24 bis 0,39 ?/t/km zu veranschlagen; ist es noch weiter, sind ab dem 11. km mit 0,13 bis 0,20 ?/t/km etwas niedrigere Aufschläge angemessen.

HD-Ballen sollten um rund 20 Euro/t teurer sein

Erstaunlich günstig wird der HD-Ballentransport, aber nur, weil bei diesen System statt der Parallelfahrt nur die Zeiten für das Umhängen angesetzt werden müssen. Die Aufschläge für weitere km fallen trotz der "einfachen" Mechanisierung höher aus, weil sich die Kosten auf deutlich weniger transportiertes Gewicht verteilen. Und richtig teuer wird dann das Abladen der HD-Ballen. Das Fitnessprogramm für die 2 AK dauert rund siebenmal so lang wie das Abladen mittels Technik. Reichen bei Großballen 2,26 bis 2,92 Euro/t fürs Abladen, kostet es bei HD-Ballen zwischen 12,18 und 15,37 Euro/t. Mal war ein Arbeitsschritt bei den Quaderballen etwas günstiger und mal bei den Rundballen. In der Summe ergeben sich für beide fast die gleichen Beträge: Zwischen 60 und 67 Euro/t müssen mindestens gezahlt werden, wenn Stroh direkt ab Feld über kurze Strecken angeliefert werden soll. Die HD-Ballen sind zwar viel "handlicher", aber das hat leider seinen Preis. Für diese Ballenart sind Verkaufspreise nur dann akzeptabel, wenn sie zwischen 18 und 22 €/t über denen der Großballen liegen.

Für gelagertes Stroh 30 Euro je Tonne veranschlagen

Wer gutes abgelagertes Stroh (in der Halle gelagert) verkaufen will, muss dafür auf die oben ermittelten Kosten noch einmal etwa 30 Euro/t draufschlagen, um die Kosten der Hallenlagerung abzudecken. Die Strohmiete am Feldrand verursacht zwar fast keinen Investitionsbedarf, dafür sind aber deutlich höhere Verluste zu berücksichtigen. Der hier erforderliche Aufschlag beträgt 17 Euro/t. Beide Zuschläge gelten ab Lagerstätte.
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