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Produktion und Förderung

Strukturwandel in der EU-Landwirtschaft hält an

von , am
20.12.2013

Brüssel - Wie der Jahresbericht der EU-Kommission zur Entwicklung des ländlichen Raumes zeigt, ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in der Union zwischen 2007 und 2010 um 12 Prozent gesunken.

© agrar-press
Der Strukturwandel in den ländlichen Gebieten der Europäischen Union setzt sich fort.  Während die durchschnittliche Betriebsgröße auf 14,3 ha (12,7 ha waren es im Jahr 2007) anstieg, bewirtschaften fast 70 Prozent aller landwirtschaftlichen Höfe in der EU aber immer noch weniger als fünf Hektar. Die Vollzeitjobs in der Landwirtschaft verringerten sich im gleichen Zeitraum um 16,5 Prozent. Der Anteil der Biofläche erhöhte sich zwischen 2006 und 2011 um 6,9 Prozent.
 
Laut dem Bericht haben sich die Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft weiter reduziert (wenn auch in einem langsameren Tempo als in den vergangenen fünf Jahren) und auch die Stickstoff- und Phosphorüberschüsse sowie die Nitratkonzentration in Oberflächengewässern sind weniger geworden. Laut dem Bericht beschäftigt eine durchschnittliche Landwirtschaft in den EU-27 eine Vollarbeitskraft und hält etwas mehr als elf Großvieheinheiten (GVE). Der Hof ist überwiegend im Besitz einer einzelnen Person - die normalerweise auch der Betriebsleiter ist und in den meisten Fällen männlich und älter als 55 Jahre.

Kleine Betriebe dominieren

Selbst wenn die durchschnittliche Betriebsgröße steigt, existieren in der EU weiterhin mehrheitlich kleine landwirtschaftliche Höfe, sowohl physisch als auch wirtschaftlich. Die Zahl der bäuerlichen Betriebe in der EU hat sich in den letzten zehn Jahren in allen Mitgliedstaaten verringert. Besonders hoch war die durchschnittliche jährliche Abnahmerate zwischen 2003 und 2010 in jenen Ländern, die der EU 2004 und 2007 beigetreten sind. In Staaten, die von der Wirtschaftskrise am stärksten betroffen sind, prägte sich der Rückgang weniger aus. Als Gründe werden in dem Bericht der Mangel an alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten und die Tendenz, seinen Bauernhof als Sicherheitsnetz in schwierigen Zeiten zu halten, genannt.
Von 2005 bis 2010 sind die Betriebe in allen Mitgliedstaaten gewachsen. Im Durchschnitt deutlich kleiner sind wiederum Höfe in den Ländern, die der EU in den Jahren 2004 und 2007 beigetreten sind, gegenüber den alten Mitgliedstaaten. Allgemein konzentrieren sich im Mittel die kleinsten Höfe in den östlichen und südlichen Teilen der EU. Die größten Durchschnittsbetriebe hingegen finden sich vor allem in Großbritannien, Frankreich, Dänemark, Ostdeutschland, der Tschechischen Republik, der Slowakei und in Teilen von Spanien.

Im internationalen Vergleich bleiben die landwirtschaftlichen Betriebe in der EU aber klein, heißt es in dem Bericht. Nur drei Prozent davon haben mehr als 100 ha. 28 % bewirtschaften einen mittelgroßen Hof (zwischen 5 und 100 ha). Während die kleine Gruppe mit mehr als 100 ha 50 % der gesamten landwirtschaftlichen Flächen in der EU nutzt, entfallen nur 7 % der Grundstücke auf die so zahlreichen Betriebe mit weniger als 5 ha.

Je größer, umso mehr Spezialisierung

Abhängig von der Betriebsgröße spezialisieren sich die Betriebe auf verschiedene Aktivitäten. Kleine Bauernhöfe haben ihre Produktion zumeist breiter gestreut und bevorzugen hier Sparten mit wenig Flächenverbrauch (Dauerkulturen oder Geflügel) die durchaus sehr wirtschaftlich geführt werden können, heißt es in dem Bericht.
 
Familienbetriebe sind die dominierende Organisationsform in der EU-Landwirtschaft. Annähernd alle kleinen Höfe werden dem Bericht zufolge von Mitgliedern der Familie bewirtschaftet und auch mehrheitlich die Farmen in höheren Größenklassen. Geführt werden viele kleine Betriebe von älteren Bauern, deren Interesse an Investitionen und Innovationen sich eher in Grenzen hält. Der Anteil der jungen Landwirte steigt nur sehr allmählich - möglicherweise aufgrund des begrenzten Zugangs zu Land, wird in dem Bericht vermutet. Die überwiegende Mehrheit der Betriebsleiter sei weiterhin männlich.
 
Auch wenn die Durchschnittszahlen, die Realität in den meisten Mitgliedstaaten nicht widerspiegeln, dienen sie als gute Benchmark für Vergleiche zwischen Ländern und Regionen, heißt es in dem Bericht. Die Ergebnisse veranschaulichten die Vielfalt der EU-Landwirtschaft zwischen den Regionen und Ländern.
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