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Steuer und Finanzen

Studie: EU-Landwirte ackern sich durch die Finanzkrise

von , am
14.09.2013

Halle (Saale) - Welche Folgen die Finanzkrise für den Agrarsektor hat, haben jetzt Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) in Halle a. d. Saale untersucht.

Die IAMO-Studie beleuchtet die Auswirkungen der Finanzkrise seit Ausbruch 2007 auf die Agrarwirtschaft in der EU. © mlehmann78/Fotolia
Die Ergebnisse der Studie von PD Dr. Martin Petrick und Mathias Kloss wurden kürzlich in der Zeitschrift Choices - The magazine of food, farm, and resource issues (Vol. 28.) veröffentlicht. Demzufolge lassen sich drei mögliche Einflusskanäle der Finanzkrise auf den Agrarsektor unterscheiden. Erstens könnte sich eine Kreditklemme für Agrarunternehmer einstellen, zweitens fragen die Verbraucher in Krisenzeiten möglicherweise weniger Agrarprodukte nach, und drittens könnten die durch die Krise hervorgerufenen Belastungen der öffentlichen Haushalte zu Einsparungen in der Agrarförderung führen.
 
"Die am schwersten von der Finanzkrise betroffenen Länder sind nicht unbedingt identisch mit denen, deren Agrarbetriebe besonders unter der Krise leiden. Insbesondere in Griechenland, Irland, Italien und Spanien wird die Agrarwirtschaft von kleinen Betrieben mit einer niedrigen Investitionsquote dominiert," fasst Petrick ein Ergebnis der Studie zusammen. In nahezu allen Ländern der EU seien Landwirte nur wenig verschuldet. Eine Ausnahme bilde Dänemark. Hier seien Agrarunternehmer, verstärkt durch das sehr liberale Finanzsystem, besonders investitions- und risikofreudig. In 2009 waren hier die Investitionen auf Grund der Finanzkrise rückläufig. Für Griechenland und Italien belegen die Zahlen, dass Landwirte über immer weniger Eigenkapital verfügen.

Keine niedrigeren Zinsen für Agrarbetriebe

In den meisten Ländern, so die Studie von Petrick und Kloss, zahlen Agrarbetriebe keine geringeren Zinsen als Unternehmen in der übrigen Wirtschaft, es gebe also keine besondere "Agrarprämie". Einzig in Portugal werden Agrarunternehmern günstigere Konditionen eingeräumt. Im Gegensatz dazu müssten Landwirte in Griechenland extrem hohe Darlehenszinsen zahlen.
Was die Höhe des Kapitalgewinns betrifft, weist Kloss darauf hin: "In allen Ländern, die wir untersucht haben, liegt die betriebsinterne Verzinsung des Anlagevermögens weit unter dem für Umlaufmittel. Um genau zu sein, ist diese typischerweise negativ. In der Agrarwirtschaft besteht also eher eine Überkapitalisierung, als dass man von einem Mangel an Krediten sprechen könnte." Mit den zunehmenden Turbulenzen auf den Finanzmärkten seit Mitte der 2000-er Jahre stiegen die Zinsen für Darlehen. Mit Lockerung der Geldpolitik fielen die Darlehenszinsen jedoch wieder deutlich.

Milchmarkt am ehesten von der Krise betroffen

Betrachtet man die Folgen der Krise für die Warenabsatzmärkte, so lasse sich feststellen, dass die europäische Lebensmittelindustrie relativ unbeschadet durch die Krise gekommen ist, bilanzieren die IAMO-Wissenschaftler. Lediglich auf dem Milchmarkt führte die weltweite Finanzkrise zu einem drastischen Rückgang der Nachfrage nach Milchprodukten.
Während die weiterverarbeitende Industrie und der Einzelhandel ihre Gewinnmargen erhöhten, stieg die Nachfrage der Konsumenten nicht so weit an, als dass diese die von Industrie und Handel an die Landwirte durchgereichten Preissenkungen ausgeglichen hätte. Dies führte zu massiven Protesten der Milchbauern. "Die Politik reagierte darauf nicht nur mit einem Milliardenrettungspaket," führt Petrick aus, "am Ende beschloss die Europäische Kommission eine Umstrukturierung der Milchmärkte, einschließlich neuer Vorgaben für Vermarktungsverträge."

Für die Mehrheit ist die Krise folgenlos geblieben

Nach Ausbruch der Finanzkrise, das belegt die Studie von Petrick und Kloss, hatten einige der europäischen Landwirte Schwierigkeiten, einen Kredit zu bekommen. Die Mehrzahl der Landwirte sei nur wenig unmittelbar betroffen gewesen. Eine geringe Verschuldung und niedrige Zinsen bewahrte die meisten Agrarunternehmer vor zu hohen Risiken.
Die Wissenschaftler weisen jedoch darauf hin, dass das, was sich im Zuge der Finanzkrise als vorteilhaft erwiesen habe, sich für die Zukunft als Entwicklungshemmnis erweisen könnte. So könnten institutionelle Schwächen im Bankwesen "strukturelle Veränderungsprozesse verlangsamen und weiterführende Modernisierungen blockieren". Gleichzeitig sei jedoch auch in Zukunft mit einer andauernden agrarpolitischen Stützung des Agrarsektors zu rechnen. Diese Maßnahmen würden Agrarunternehmer voraussichtlich auch künftig vor den gravierendsten Folgen der Krise schützen helfen.
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