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Produktion und Förderung

Studie: Verzicht auf Direktzahlungen nicht sinnvoll

© landpixel
von , am
20.02.2013

Giessen - Eine aktuelle Studie untersucht, inwieweit der Verzicht auf Direktzahlungen ökonomisch sinnvoll ist, um den Auflagen für Cross Compliance und Greening zu entgehen.

In der EU werden weniger als 1 Prozent der Agrarsubventionen investiert, um die negativen Auswirkungen auf die Umwelt abzumildern © Mühlhausen/landpixel
Wissenschaftler des Instituts für Agribusiness in Gießen stellen ihre aktuelle Studie zu Cross Compliance und Greening vor. Darin haben Sie untersucht, ob es für landwirtschaftliche Betriebe ökonomisch sinnvoll ist, auf Direktzahlungen zu verzichten und so weniger Auflagen erfüllen zu müssen.

Bürokratischen Aufwand durch Verzicht auf Zahlungen reduzieren?

In einer Pressemitteilung stellen die Wissenschaftler ihre Untersuchungen vor. Mit der anstehenden Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2014 würden Kürzungen der Direktzahlungsbeiträge und zusätzliche Auflagen durch eine Ökologisierungskomponente zu erwarten sein, heißt es in der Mitteilung. Landwirtschaftliche Unternehmer würden sich durch die Auflagen mit dem zugehörigen bürokratischen Dokumentationsaufwand zunehmend belastet fühlen und über einen Verzicht auf Direktzahlungen nachdenken, in der Hoffnung solche Belastungen vermeiden oder zumindest deutlich reduzieren zu können.

Milcherzeuger haben höheren Aufwand

Die Studie untersucht die Cross Compliance- Verpflichtungen der Landwirte und stellt sie dem deutschen Fachrecht gegenüber. Dabei würde deutlich, dass die Landwirte nur einen unwesentlich höheren Aufwand gegenüber der Einhaltung des deutschen Fachrechts betreiben müssten, um Direktzahlungen zu erhalten.
 
Eine Ausnahme könnten Milcherzeuger mit umbruchfähigem Grünland sein. Denn, so fragen die Autoren, was werden diese Betriebe tun, wenn sie den grünlandnutzenden Betriebszweig der Milchproduktion aufgeben wollen oder müssen? Werden diese Betriebe auf Direktzahlungen verzichten und dadurch an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber ihren Berufskollegen einbüßen?

Verzicht auf Direktzahkungen ökonomisch nicht sinnvoll

Die Studie verdeutlicht, dass für das Unternehmereinkommen trotz Einschränkung der unternehmerischen Freiheit auch in Zukunft das Subventionsmanagement wesentlich bleiben würde und der feiwillige einzelbetriebliche Verzicht auf Direktzahlungen in den meisten Betrieben derzeit ökonomisch nicht sinnvoll sei. Allerdings stellen die Autoren heraus, dass der generelle schrittweise Abbau von Direktzahlungen zu keinem ökonomischen Desaster führen würde. Vielmehr könnten die Anpassungsprozesse einen weiteren Beitrag zur Funktionsfähigkeit der Märkte leisten und somit einen wesentlichen Baustein zur Vollendung der begonnenen Liberalisierung der Agrarmärkte bilden.
 
Die Ergebnisse im Überblick: 

Ein einzelbetrieblicher Verzicht auf Direktzahlungen
  • ist bis auf wenige Ausnahmen ökonomisch nicht sinnvoll,
  • schafft keine Entlastung bei den CC-Grundanforderungen an die Betriebsführung, weil diese auch im deutschen Fachrecht verankert sind,
  • könnte die Zusatzlasten durch GLÖZ- und Greening-Auflagen mindern, aber nicht den Einkommensverlust kompensieren. Ein genereller Abbau der Direktzahlungen hätte allerdings die Überwälzungseffekte auf Pacht- und Bodenpreiseffekte zu berücksichtigen.

Überwälzungseffekte der Direktzahlungen

Prof. Dr. Dr. h.c. P. Michael Schmitz, Direktor des Instituts für Agribusiness betont daher "Für die Frage, wie das Ergebnis ausfällt, wenn man langfristig die Überwälzungseffekte auf Pacht- und Bodenpreise berücksichtigt, besteht noch erheblicher Forschungsbedarf. Dass es solche Überwälzungseffekte der Direktzahlungen gibt, ist unstrittig. Über das Ausmaß besteht aber Unsicherheit."
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