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Produktion und Förderung

Tierschutzplan: Lindemann will "niedersächsischen Weg" gehen

von , am
15.02.2011

Hannover - Niedersachsens Agrarminister Gert Lindemann (CDU) will Missstände beim Tierschutz in der Geflügelhaltung abstellen und bis 2018 einen neuen Tierschutzplan umsetzen. Landvolkpräsident Werner Hilse will ihn dabei unterstützen.

© Mühlhausen/landpixel
"Die Gesellschaft erwartet zu Recht, dass Nutztiere tiergemäß gehalten werden und ihr Wohlbefinden sichergestellt ist", sagte der niedersächsiche Agrarminister Gert Lindemann (CDU) bei der Vorstellung seines Tierschutzplans gestern in Hannover. Lindemann will deshalb einen Lenkungsausschuss "Tierschutzstrategie" einrichten, der jedoch kein Ersatz für den Tierschutzbeirat sei, wie Lindemann betonte. Der Ausschuss soll mit Vertretern der Wirtschaft, der Tierschutz- und Verbraucherschutzverbände, der Wissenschaft und des Einzelhandels besetzt werden. Das Fachministerium will gemeinsam mit dem neu einzurichtenden Lenkungsausschuss die Umsetzung von Verbesserungen im Tierschutz anhand des "Neuen Tierschutzplans Niedersachsen" verfolgen. Auf diese Weise werde - wo aus Sicht des Tierschutzes erforderlich - die "gute fachliche Praxis" neu definiert.
 
Zu den aktuell anstehenden Tierschutzvorhaben dieser Prioritätenliste gehören unter anderem der Ausstieg aus Amputationen und Eingriffen bei Tieren wie das Schnabelkürzen bei Geflügel, die betäubungslose Kastration und das Kupieren der Schwänze bei Ferkeln. Außerdem solle eine stärkere Ausrichtung der Zucht auf mehr Gesamtvitalität von landwirtschaftlichen Nutztieren und die weitere Verbesserung der Haltungsbedingungen für Geflügel wie Puten, Hühner und Enten sowie für Mastbullen, Sauen und Mastkaninchen erfolgen.
 
Bei Legehennen sei laut Lindemann ein Anfang gerade erfolgt: Der erste von der Geflügelwirtschaft benannte Pilotbetrieb mit Bodenhaltung habe seine Mitarbeit erklärt und werde keine schnabelgekürzten Jungtiere mehr einstallen. Bis 2015 soll die Praxis in ganz Niedersachsen eingestellt werden.

Lindemann: Mehr Tierschutz durch mehr Aktzeptanz beim Verbraucher

Entscheidend bei der Erreichung von Tierschutzzielen sei nicht allein das "Was", sondern auch das "Wie", also der Weg dahin, meint Lindemann und spricht vom "niedersächsichen Weg". Grundsätzlich solle berücksichtigt werden, dass dem Tierschutz nicht geholfen ist, wenn Tierhalter durch Auflagen gezwungen sind mit ihren Tieren ins Ausland auszuwandern. "Mehr Tierschutz" könne vielmehr auch durch "mehr Verbraucherakzeptanz" erreicht werden, glaubt Lindemann.
 
"Sollten die gesteckten, notwendigen Ziele nicht auf Landesebene konsensual zum Beispiel durch Weiterentwicklung bestehender Tierschutzleitlinien realisierbar sein, wird Niedersachsen den Bund und die Länder bitten, diese Ziele durch notwendige Rechtsänderungen zu erreichen", betonte der Minister. Dabei bleibe eine EU-weite Harmonisierung von hoher Bedeutung.

Landvolkpräsident Hilse bietet Hilfe an

Nach Aussage von Landvolkpräsident Werner Hilse hätten Landwirte ein grundsätzliches Interesse an tiergerechten Haltungssystemen für Nutztiere. "Wir bieten Landwirtschaftsminister Gert Lindemann daher unsere Fachkunde und Mitarbeit zur Entwicklung und Verbesserung tiergerechter Haltungsverfahren an", sagte Hilse gestern in Hannover. Das Landvolk Niedersachsen erinnert zugleich daran, dass neue Lösungen in der Praxis umsetzbar sein müssen, um den Bauern einen angemessenen Planungshorizont zu geben. Das Landvolk warnt vor Wettbewerb verzerrenden nationalen Beschlüssen, alle Vorgaben zu tiergerechteren Haltungsverfahren müssten im europäischen Gleichklang abgestimmt werden. "Der Berufsverband war immer offen für Verbesserungen und sieht in der nun laufenden Kampagne eine Fortschreibung der Zielsetzung zu mehr Tierwohl", kommentiert Hilse die Vorschläge Lindemanns.

AbL: Keine konkreten Maßnahmen für Tierschutz enthalten

Keine konkreten Maßnahmen zur Änderung der "Qualzucht in der agrarindustriellen Tierhaltung" sieht hingegen die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) im Tierschutzplan Lindemanns. Zu den Ursachen und zur Beseitigung des Schnabelkürzens oder des Abschneidens der Ringelschwänze gebe es seit vielen Jahren ausreichende Untersuchungen und EU-Vorgaben, gibt AbL-Sprecher Eckehard Niemann zu bedenken und fordert "statt zusätzlich verzögernder Untersuchungen rasche Tierhaltungs-Vorgaben für mehr Platz, Auslauf, Einstreu und maximale Herdengrößen". "Wir brauchen keinen Tierschutz-Ankündigungsplan, sondern rasch einen Tierschutz-Umsetzungsplan", macht Niemann deutlich. (hek/pd)
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