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Produktion und Förderung

'Tierwohl'-Schweinemast: Lohnt sich die Umstellung?

von , am
04.04.2013

Der Markt für Fleisch aus artgerechter Haltung entwickelt sich gut. Dem Fleisch-Vermarkter Neuland fehlen momentan tausende Mastplätze. Albrecht Buck stellte vor zwölf Jahren erfolgreich um.

 
Der Ruf nach Fleisch aus artgerechter Haltung wird zunehmend lauter. Um die steigende Nachfrage zu decken, suchen Vermarkter wie die Neuland Süd Fleisch GmbH händeringend nach Erzeugern, die in ihrem Tierwohlprogramm produzieren. Großaufträge von internationalen Handelsunternehmen ermöglichen mitterweile auch Abnahmegarantien für Produzenten.
Landwirt Albrecht Buck hat bereits vor zwölf Jahren seine Schweinemast auf Neuland-Richtlinien umgestellt und fährt mit der Entscheidung gut. Früher musste er hin und wieder noch seine teuer erzeugten 'Tierwohl'-Schweine konventionell verkaufen, mittlerweile liegt die Abnahme bei fast 100 Prozent und die Marge stimmt auch. Der Tierwohl-Erzeugerverein Neuland e. V. vermarktet seit 15 Jahren Fleisch aus artgerechter Haltung und trägt das neue Premium-Tierwohllabel des Tierschutzverbands.
 

Mit wenig Investition umgestellt

Wenn man den Maststall von Albrecht Buck betritt, fällt eines sofort auf: es riecht kaum nach Schweinestall. Der Ammoniakgehalt ist sehr gering und auch die Schweine sind blitzsauber. Vor 12 Jahren hat Buck seinen alten Schweinestall mit 250 Mastplätzen nach Neuland-Richtlinien umgebaut. Der Umbau und die Investition waren überschaubar - mit nur etwa 15.000 Euro machte er seinen Stall tierwohl-fit. Für den Auslauf machte er einen Durchbruch auf der Seite des Kontrollgangs, welcher nun als Wärmepuffer zwischen Außen- und Liegebereich fungiert. Den Auslauf hat er mit einer günstigen Sperrholzkonstruktion überdacht.
 
Jedes seiner Schweine hat seitdem 1,5 Quadratmeter Platz und jede Menge Langstroh zum Wühlen."Die Tiere koten ausschließlich im Auslauf", erzählt Buck. Das liege unter anderem daran, dass die Tiere in den verschiedenen Bereichen des Stalls Sichtkontakt haben. Außerdem stallt er sie zuerst in den Außenbereich bis sie das erste Mal abkoten. 85 Prozent des Futters stammt aus Eigenproduktion. Das heimische Soja muss er allerdings teuer zukaufen.
 

Strohhaltung aus Überzeugung

Haltung auf Langstroh ist bei Neuland und dem Tierwohllabel in der Premiumstufe Pflicht. Da winken bereits viele Landwirte ab, so Agrarberater Clément Oberndorfer von Neuland Süd-Fleisch. Der Mehraufwand den Strohhaltung gegenüber Spalten mit sich bringt, schrecke Landwirte vor einer Umstellung ab. Der Arbeitsaufwand erhöht sich mit Stroh auf etwa zwei Stunden pro Schwein. Laut Buck lohnt sich die Arbeit: "Die Marge ist zwischen 20 und 30 Euro und das darf auch sein, weil ich dafür zwei Stunden mehr arbeite", so Buck.
 Der Schweinemäster ist beim Thema Strohhaltung Überzeugungstäter. "Die Strohdecke muss mindestens 10 bis 15 Zentimeter sein, damit sich die Tiere wohlfühlen und ihrem natürlichen Wühltrieb nachkommen können." Damit erübrige sich auch das Schwanzbeißen. Auch wenn der Landwirt entsprechend der Haltungsrichtlinien Schweinespielzeug bereithält, sei dies eigentlich überflüssig, so seine Meinung.

Händler fordern Fleisch aus Strohhaltung

Die Auftraggeber und Handelsunternehmen wie beispielsweise Edeka fordern laut Neuland explizit Tierwohl-Schweinefleisch aus Strohhaltung. Die Gründe liegen unter anderem im Marketing, so Agrarberater Oberndorfer. Schweinehaltung auf Spaltenböden ließe sich schlechter vermarkten. Fotos von Schweinen auf Stroh vermittelten dagegen artgerechte Haltung visuell und damit glaubhafter.
 
Aktuell fehlen Neuland 8.500 Mastplätze beziehungsweise 500 Schweine pro Woche. Aus diesem Grund ist der Fleischvermarkter auf der Suche nach Schweinemästern und Ferkelerzeugern, die bereit sind auf Neuland-Richtlinien umzustellen. Ab diesem Jahr kann Neuland auch Abnahmegarantien auf mindestens vier Jahre zusichern. Außerdem hat jeder Schweinemäster die Möglichkeit sich kostenlos von Neuland zur einer möglichen Umstellung beraten zu lassen. Ein Stallbau-Experte schaue sich dafür die Stallvoraussetzungen an, um unter anderem den Kostenaufwand abzuschätzen.
 
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