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Produktion und Förderung

Tierwohllabel: 'Der Markteintritt ist gelungen'

© agrar-press
von , am
20.01.2014

Berlin - Die Standards des Tierschutzlabels sollen halten, wofür es steht: Ein Mehr an Tierschutz. Nach dem Markenstart vor zwölf Monaten zieht der Deutsche Tierschutzbund eine positive Bilanz.

Marion Dudla, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit, Präsident Thomas Schröder und Vizepräsidentin Brigitte Rusche (v. li.) auf der Pressekonferenz in Berlin. © Deutscher Tierschutzbund
Seit einem Jahr setzt es ein Zeichen für mehr Tierschutz: Das Tierschutzlabel. Es bietet Verbrauchern, die zum einen mehr Tierschutz wollen, aber gleichzeitig nicht auf Fleisch verzichten möchten, eine Kaufalternative bei tierischen Produkten.
 
Auf der Pressekonferenz des Tierschutzbundes im Rahmen der Grünen Woche zog der Präsident des Verbandes, Thomas Schröder, eine positive Bilanz über das zweistufige Label: "Der Markteintritt ist gelungen." Doch eher ernüchtert sei er darüber, dass der Handel noch zögere. Bundesweit sind die Produkte in 8.000 Filialen im Sortiment. Zu finden sind sie in den Regalen von Lidl, Edeka, Netto, real, Hit, Aldi, Famila, Kaiser`s und Tengelmann.

60 Betriebe arbeiten mit dem Tierschutzlabel

Über den Stand bei den Erzeugern berichtete Schröder. Aktuell nehmen 14 Mastschweinbetriebe mit insgesamt 20 Ställen teil. Sie sind nach den Kriterien der Einstiegsstufe zertifiziert. Darüber hinaus arbeiten zwei weitere Betriebe auf der Premiumstufe. (Das Label unterscheidet zwei Stufen, siehe unten).
 
Im Masthühnerbereich sind es laut Bericht 44 Betriebe. Sie sind nach der Einstiegsstufe zertifiziert. "Es müssten sich nur noch mehr Landwirte beteiligen", wünschte sich der Präsident. Doch die Erfahrung zeige, dass hier Unsicherheit im Berufsstand herrsche, fügte Brigitte Rusche, Vizepräsidentin des Tierschutzverbandes, hinzu. "Lohnt sich der Einstieg?", würden sich die Landwirte fragen.
 
Nach ihrer Darstellung herrsche ein erheblicher Beratungsbedarf. Zudem sei eine hohe Beratungsintensität nötig. "Bei den vorgegeben Kriterien ist eine individuelle Beratung des Landwirts vor Ort unerlässlich", so Rusche.

'Billig' ist das falsche Schlagwort

Laut Schröder sei der Gesetzgeber gefragt, für höhere gesetzliche Standards zu sorgen. Ein höheres Tierschutzniveau sei auch nicht zum Nulltarif zu haben, sondern müsse vom Verbraucher honoriert werden: "Der Landwirt muss bezahlt werden, wenn es um mehr Tierschutz geht."
 
Außerdem sehe der Präsident den Handel in der Pflicht. Über Jahrzehnte laufe die Werbepolitik falsch. "Billig" sei das Schlagwort, das die Kampagnen beherrsche. Das müsse sich ändern. Werbung müsse über Qualität laufen und nicht über eine Billigpreispolitik. "Wer die Preise senkt, der senkt auch das Tierschutzniveau", so Schröder.
 
Zugleich kritisierte Schröder den Deutschen Bauernverband für die sogenannte Branchenlösung "Initiative Tierwohl". Es sei zwar der richtige Weg, Veränderungen durchzusetzen und den Landwirt für mehr Tierschutz auch zu belohnen. "Aber die Methodik bringt für Schweine und Geflügel keine entscheidenden Verbesserungen", so Schröder.
 
Aus seiner Sicht "bleibt die Verbrauchertransparenz auf der Strecke". Zum einen, weil die Branchenlösung weder Bewerbung noch eine Kennzeichnung der Produkte vorsehe. Zum anderen, weil der teilnehmende Landwirt verschiedene Maßnahmen, sogenannte Tierwohlkritierien, auswählen könne und in der Haltung umsetzen muss. Der Verbaucher könne aber nicht erkennen, worin sich der konkrete Mehrwert für die Tierschutz wiederspiegele, erklärte Schröder.

Das Tierschutzlabel: Von der Initiative zur Umsetzung

So sieht das Tierschutzlabel aus.
Für alle Nutztierhalter hat der Gesetzgeber zahlreiche Vorgaben gemacht. Diese Mindeststandards sind für alle Landwirte verpflichtend. Für den Verbraucher ist aber nicht erkennbar, ob ein Landwirt diese Mindestanforderungen gerade eben einhält oder seinen Tieren darüberhinausgehende Bedingungen bietet.
 
Hier soll das Anfang 2013 eingeführte Tierschutzlabel für Klarheit sorgen. So erklärt es der Initiator, damals noch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Die Vergabe des Labels obliegt dem Deutschen Tierschutzbund. Das Label "Für mehr Tierschutz" garantiere laut Initiatoren verlässliche Kriterien in der Produktionskette und sei nicht an ein bestimmtes Unternehmen gebunden.

Übersicht: Ein und zwei goldene Sterne

Zunächst wird das Label auf Produkten von Masthühnern und Schweinen eingesetzt. Es gibt eine Einstiegs- und eine Premiumstufe. Die Einstiegsstufe ist erkennbar an einem goldenen, die Premiumstufe an zwei goldenen Sternen.
 
In der Einstiegsstufe sind Haltungsbedingungen verpflichtend, die bereits deutlich über den gesetzlichen Vorgaben für die konventionelle Haltung liegen. Beispielsweise steht Schweinen 1,1 m² pro Tier zur Verfügung, gegenüber 0,75 m² pro Tier im konventionellen System. Außerdem sollen Stallstrukturierungen in Funktionsbereiche und Beschäftigungsmöglichkeiten den Tieren einen Mehrwert geben.
 
Übergreifend für beide Stufen gibt der Tierschutzbund das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration und das Kupieren der Ringelschwänze an. Eines der wichtigsten Kriterien bei der Premiumstufe ist der Auslauf. Entsprechend werden Schweine in Auslaufställen oder Offenställen gehalten. Die Vorgaben sind mit denen für die ökologische Landwirtschaft vergleichbar.
 
Freilauf garantiert auch die Premiumstufe bei den Masthühnern. Bereits in der Einstiegsstufe ist für sie mehr Platz als in der konventionellen Haltung vorgesehen. In den Ställen müssen Kaltscharraum, Sitzstangen und Pickgegenstände vorhanden sein. Für beide Stufen zählen unter anderem langsam wachsende Zuchtlinien mit einer reduzierten Gewichtszunahme.

'Tierwohl'-Schweinemast kann sich lohnen (April 2013)

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