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Produktion und Förderung

Die Top 10 der Schweineschlachter

von , am
26.03.2013

Wer sind die größten Schlachtunternehmen Deutschlands? Wer hat Marktanteile gewonnen, wer verloren - und warum? Das geht aus dem Schlachthofranking der ISN hervor.

Durch Umstrukturierung und Umfirmierung versucht Clemens Tönnies Kartellstrafen über 120 Millionen Euro zu entgehen. © Mühlhausen/landpixel
Auf den ersten Blick hat sich im vergangenen Jahr nicht viel getan - die Marktanteile der zehn größten deutschen Schweineschlachtunternehmen sind mit zusammen etwa 75 Prozent (%) konstant geblieben. Schaut man hinter die Kulissen, wird deutlich, dass einiges in Bewegung ist: Während einzelne Unternehmen die Schlachtungen im zweistelligen Prozentbereich steigern konnten, stecken andere mitten in der Konsolidierung, folgert die ISN.
 
Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) hat dieses Jahr bereits zum neunten Mal ihr Schlachthofranking veröffentlicht. 

Top 4: Gewinner

Der Branchenprimus Tönnies, aber auch das Unternehmen Westfleisch haben ihren Wachstumskurs der vergangenen Jahre in Bezug auf die Stückzahlen fortgesetzt. Vion und Danish Crown hingegen mussten deutlich Federn lassen.
 
Seit der ersten Erhebung des ISN-Schlachthofrankings im Jahr 2004 hat das Unternehmen Tönnies die Schlachtungen um über neun Millionen Schweine auf heute 16,1 Millionen gesteigert.
 
Auch das zweite große westfälische Schlachtunternehmen Westfleisch konnte weiter wachsen. Die Schlachtzahlen legten um gut drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu.

Top 4: Verlierer

Wie die ISN berichtet, war Vion (wie bereits im Vorjahr) das einzige Unternehmen der Top 10, das nicht bereit war, seine Zahlen zu nennen. Die Interessengemeinschaft vermutet, dass dies nicht ohne Grund passiert: Denn gleich zu Beginn des Jahres 2012 seien an zahlreichen Standorten von den Lieferanten die Stückzahlen deutlich reduziert worden, da man die Viehhandelsunternehmen mit verlängerten Zahlungszielen stark verärgert habe. Mehrere kurzfristige Maskenwechsel und der erste Platz im Ranking der Hauspreiswochen hätten außerdem dazu beigetragen, dass die Schlachtungen in 2012 mindestens im zweistelligen Prozentbereich eingebrochen sein dürften und nach Schätzung der ISN wohl deutlich unter neun Millionen liegen.
Bei Danish Crown war man mit der Übernahme von D&S zu Beginn des Jahres 2011 mit sehr großen Erwartungen in den deutschen Markt gestartet. Diese Erwartungen dürften sich nicht erfüllt haben, denn die Schlachtungen sind dem ISN-Bericht zufolge im Vergleich zum Vorjahr um fast 15 Prozent eingebrochen. Nach Einschätzung der ISN sind die Gründe dafür vielfältig: nicht eingehaltene Mengenabsprachen, Abzugsmasken oder Hauspreise hätten regelmäßig zu Ärger mit den Anlieferern geführt. Zum anderen führen technische Probleme am Standort in Essen immer wieder zu Verzögerungen im Betriebsablauf.

Die Plätze 5 bis 9

Der Mittelstand hat von den Stückzahlen her im vergangenen Jahr fast ausnahmslos zugelegt. Das Unternehmen Vogler schlachtete erstmals in der Firmengeschichte über zwei Millionen Schweine.
Auf eine positive Entwicklung in 2012 kann auch die Müller Gruppe blicken. Obwohl die Schweinehaltung in Süddeutschland deutlich rückläufig ist, konnte das Familienunternehmen die Schlachtzahlen wiederum im zweistelligen Prozentbereich steigern.
 
Einige Plätze gut machen konnte man im Ranking auch bei BMR in Garrel. Hier kamen mit 1,58 Millionen Schweinen etwa zehn Prozent mehr Tiere zur Schlachtung als noch 2011. Dabei dürfte nach Analysen der ISN der Anteil auch aufgrund von Lohnschlachtungen, unter anderem für Tönnies und Böseler Goldschmaus, gestiegen sein.
 
Bei den Letztgenannten war die Ausdehnung der Lohnschlachtungen beim Nachbarschlachtbetrieb BMR in jedem Fall Grund für ein leichtes Wachstum auf den gesamten Fleischumsatz bezogen. Die Schlachtmengen am eigenen Standort blieben im vergangenen Jahr mit etwa 1,51 Mio. konstant.
 
Auch bei Tummel in Schöppingen wurden erstmals über 1,5 Millionen Schweine geschlachtet. Für Aufsehen sorgten jüngst die Expansionspläne in Schöppingen: Mitte des vergangenen Jahres ist nach Informationen der Interessengemeinschaft ein Antrag beim Landkreis Borken eingegangen, die Schlachtungen auf 48.000 Einheiten je Woche deutlich auszudehnen. Sollte Tönnies das Unternehmen doch noch übernehmen dürfen - das Kartellverfahren läuft noch - würde sein Marktanteil weiter sprunghaft steigen.
 
Zwei Unternehmen auf Platz 10
 
Ein Kopf-an-Kopf Rennen um den zehnten Platz im Ranking der größten deutschen Schlachtunternehmen lieferten sich in diesem Jahr das rheinland-pfälzische Unternehmen Simon Fleisch aus Wittlich und das Düringer Fleischkontor im niedersächsischen Loxstedt. Beide Unternehmen schlachteten nach eigenen Angaben je 0,95 Millionen Schweine im Jahr 2012. Dabei konnte insbesondere Simon die Kapazitäten im Vergleich zum Vorjahr um beachtliche 9,2 % ausdehnen.

ISN: Verdrängungswettbewerb gewinnt 'massiv an Schärfe'

"Die Zahlen zeigen, dass der Verdrängungswettbewerb massiv an Schärfe gewonnen hat", erläutert ISN-Geschäftsführer Torsten Staack die Folgen des vergangenen Jahres. "Einige Unternehmen sind bereits stark unter Druck geraten. Angesichts stagnierender Schlachtzahlen des Gesamtmarktes wiegen nicht ausgelastete Schlachthaken für die betroffenen Unternehmen doppelt schwer. Wir gehen daher davon aus, dass der Konzentrationsdruck in der Schlachtbranche im laufenden Jahr erheblich zunehmen wird."
 
In vielen Marktphasen sei nach Ansicht Staacks deutlich geworden, dass der Einfluss der Top 4 auf den Erzeugerpreis deutlich zugenommen hat. Diese Unternehmen schlachten zusammen etwa 60 Prozent aller Schweine. "Alleine die Androhung von Mengenkürzungen und Hauspreisen hat in sensiblen Marktphasen die Preise purzeln lassen", meint ISN-Marktexperte Matthias Quaing.
 
Quaing empfiehlt Schweinemästern deswegen, sich aktiv um den Verkauf ihrer Tiere zu kümmern. Außerdem sollten diese sich verschiedene Vermarktungsalternativen offen halten.
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