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Steuer und Finanzen

Trend zu umfassenderem Agrar-Versicherungsschutz

von , am
03.10.2013

Wien - Mit zunehmenden Wetterextremen geht der Trend hin zu umfassenderen Ernteversicherungen, lautete der Tenor während des internationalen Agrarversicherungskongresses in Wien.

In den USA leisten sich die meisten Landwirte einen umfassenden Versicherungsschutz - sie bewirtschaften allerdings auch wesentlich größere Anbauflächen. © Mühlhausen/landpixel
In Deutschland folgten in diesem Jahr nach einem extrem langen Winter zuerst ausgiebige Regenfälle mit zum Teil heftigen Überschwemmungen und anschließend eine Phase der Trockenheit mit entsprechenden Auswirkungen auf die Kulturpflanzen. In Österreich hat die extreme Trockenheit rund 400 Millionen Euro Schaden in der Landwirtschaft laut vorläufiger Schätzung der Landwirtschaftskammer Österreich verursacht. 2012 erlebte Amerika die schlimmste Dürrekatastrophe seit 50 Jahren. Rund 60 Prozent (%) der Policen in den USA waren von der Dürre betroffen.
 
"Angesichts des Klimawandels mit einer starken Zunahme an Wetterextremereignissen sowie der immer volatileren Agrarpreise wird ein breiter Versicherungsschutz für die Landwirtschaft immer wichtiger", erklärte Thomas P. Zacharias, Präsident von "National Crop Insurance Services" (NCIS), die Interessenvertretung der US-Ernteversicherer, bei dem Kongress in Wien. "Aufgrund des steigenden Wetterrisikos werden künftig erweiterte Agrarversicherungssysteme notwendig sein, um auf Dauer eine stabilen Agrarsektor garantieren zu können", betonte Kurt Weinberger, Generaldirektor der Österreichischen Hagelversicherung.

USA gibt mehr als die Hälfte des Agrarbudgets zur Absicherung aus

In den USA haben Agrarversicherungen eine große Bedeutung. Durch das Private-Public-Partnership Versicherungsmodell (PPP) wird mehr als die Hälfte des US-Agrarbudgets für ein Einkommen-Absicherungs-System aufgewendet. Der weltweite Ernteversicherungsmarkt liegt bei über 23 Milliarden US-Dollar (EUR 17 Mrd.). Das bedeutet, dass der US-Staat für umfassende Ernteversicherungen mehr als die Hälfte der Prämie übernimmt und in manchen Versicherungsvarianten sogar für die gesamte Prämie sowie die kompletten Verwaltungskosten der Versicherer aufkommt. Darüber hinaus gibt der Staat eine Rückversicherungshaftung für extreme Schadensfälle wie auch für Risiken in Gebieten mit hoher Schadensanfälligkeit.

US-Farmer haben großteils Ernte- und Einkommensversicherung

Die staatlichen US-Versicherungsprogramme gliedern sich in die Absicherung von Menge und Preis. Der Versicherungsschutz der Erntemenge basiert auf historischen Erträgen. So kann ein Farmer sagen er möchte zum Beispiel 85 % seines durchschnittlichen historischen Ertrages gedeckt haben; zusätzlich kann er eine Einkommensversicherungsvariante wählen und sich dadurch vor einem Preisverfall schützen. 75 % aller versicherten Landwirte in den USA haben sich für ein derartiges Versicherungsmodell, mit einer Entschädigung bei sinkenden Preisen entschieden. Die Preisabsicherung stützt sich etwa auf Futures vom Dezember an der Chicagoer Börse, die den für Juni festgelegten Preis garantieren. Der Farmer könne dadurch bereits bei der Saat mit einem Mindesteinkommen kalkulieren. "Eine derartige Preisabsicherung wird sich in Zukunft stark verbreiten", schätzt Weinberger, der bei der Generalversammlung der weltweiten Vereinigung der Agrarversicherer für weitere zwei Jahre als Präsident gewählt wurde.

NCIS-Mitglieder bieten komplexes Risikomanagement-Sicherheitsnetz

"Ernte- und Einkommensversicherungen sind in den USA angesichts des Klimawandels und der stark schwankenden Agrarpreise nicht mehr wegzudenken. Sie können keine Naturkatastrophen und extreme Preisschwankungen verhindern, aber sie verhelfen den Landwirten jedenfalls zu mehr Stabilität in der Betriebsführung", betonte Zacharias. Aktuell bieten 16 NCIS-Mitgliedsunternehmen, in Partnerschaft mit der Regierung, ein Risikomanagement-Sicherheitsnetz für jeden Produzenten in Amerika an: das geht von der reinen Hagelversicherung für landwirtschaftliche Kulturen über die sogenannte Mehrgefahrenversicherung und staatlich geförderte Risikomanagementprogramme bis zu auf privater Basis entwickelte Versicherungslösungen.
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