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Produktion und Förderung

Trendwende bei der Gülledüngung: So geht's weiter

© Kahnt-Ralle
von , am
24.06.2015

Die neue Düngeverordnung geht mehr Richtung Umweltsicherung. Was kommt und wie Sie im Maisanbau reagieren können, lesen Sie hier.

in Niedersachsen kann die Güllesperrfrist für Ackerland noch bis zum 10. Oktober verschoben werden. © Kahnt-Ralle
Landwirtschaftlichen Intensivregionen stehen nach wie vor im Fokus des öffentlichen Interesses. Das hängt auch damit zusammen, dass nahezu die Hälfte der untersuchten Grundwasser in diesen Regionen zu hohe Nitratgehalter aufweisen, erklärt der DMK-Vorsitzender Prof. Friedhelm Taube.
 
In der Düngegesetzgebung vollziehe sich ein notwendiger Paradigmenwechsel, weg von der reinen Ernährungssicherung hin zu mehr Umweltsicherung, so Taube. Heute seien beide Aspekte von gleicher gesellschaftlicher Relevanz.
 
Vor allem der Maisanbau stehe damit wieder mehr im Fokus. Wenn es gelänge, die hohe Effizienz der N-Nutzung des Maises mit einer angepassten Düngungsintensität zu koppeln, hätte man den Schlüssel zur Reduktion von Nitrat- und Phosphatüberschüssen in Intensivregionen gefunden.

Düngeverordnung: Düngebedarfsermittlung ein zentraler Punkt

Ein zentraler Punkt der neuen DüVO wird die Düngebedarfsermittlung sein. Das ist ein betriebsindividueller Wert, der jährlich vom Betrieb schriftlich für die eigenen Kulturen und Flächen zu erstellen sei, erklärt Hubert Honecker vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.
 
Die tatsächlichen Nährstoffgehalte (N und P) von organischen und organisch-mineralischen Düngern müssten besser bekannt sein. Im Jahr der Aufbringung dürfen von Schweinegülle 60 %, von Rindergülle und flüssigen Gärresten 50 % und von Festmist 25 bis 30 % angerechnet werden.
 
In der Diskussion befinde sich noch die Auflage, dass ab 2018 auf Böden mit der Versorgungsstufe E bei Phosphat nur noch 75 % des Entzuges gedüngt werden dürfen. Ab 2020 sollen in diesem Fall nur noch 50 % des Entzuges erlaubt sein.
 
Bei der Düngebedarfsermittlung seien detaillierte Kalkulationsvorgaben zu beachten, so Honecker. Diese Daten seien jährlich neu zu überprüfen und die Düngebedarfsermittlung anzupassen.

Neue Auflagen für die Ausbringung

Wichtige Auflagen aus dem Entwurf sind zudem Abstandsregelungen zu Gewässern und die streifenweiseoderdirekt in den Bodenvorgeschriebene Ausbringung von Gülle und organisch-mineralischen Düngemitteln. Auf unbestelltem Acker gilt das ab Februar 2020 und bei Grünland, beziehungsweise im Feldfutterbau ab Februar 2025.
 
Die Derogationsregelung werde, so Honecker, wieder im EU-Nitratausschuss beantragt, sobald die Novelle der Dünge-VO verabschiedet sei. 

Verschärfter Kontrollwert

Stufenweise wird der Nährstoffvergleich verschärft werden. Er ist laut Honecker bis zum 31. März eines Jahres zu erstellen. Aus den Nährstoffvergleichen von drei Jahren werde einer zusammengefasst.
 
Ab 2018 soll ein neuer Kontrollwert von 50 kg N/ha/Jahr (bis dahin 60 kg N/ha/Jahr) gelten und statt der Feld-Stallbilanz die Hoftorbilanz eingeführt werden. Wie diese zu erstellen ist, wird die Bund-Länder-Arbeitsgruppe erarbeiten.

Das passiert, wenn Sie den Kontrollwert überschreiten

Wer den Kontrollwert einmal überschreitet, muss eine Schulung an einer anerkannten Behörde besuchen, wer im darauffolgenden Jahr den Kontrollwert erneut nicht einhält, muss seine Düngebedarfsermittlung vor dem 31. März der Behörde vorlegen.
 
Beim Phosphat entscheidet die alle sechs Jahre durchgeführte Einstufung der Fläche in die entsprechende Versorgungsstufe.

Lagerung von Gülle

Neben detaillierten Auflagen für die Ausbringtechnik, macht die Dünge-VO auch Vorgaben für die Lagerung von Gülle & Co. Normalerweise ist eine Lagerdauer von sechs Monaten vorgeschrieben, für Betriebe mit mehr als drei Großvieh-Einheiten oder ohne eigene Ausbringfläche müssen ab 1. Januar 2020 Kapazitäten für neun Monate Lagerung vorgehalten werden.
 
Betriebe, die Festmist und getrocknete Gärreste lagern, müssen ab 1. Januar 2018 vier Monate Lagerkapazität haben. Die Länder sollen ermächtigt werden, bei Über-/Unterschreitung des Kontrollwertes von 50 mg Nitrat/l weitere Verschärfungen oder auch Entlastungen für die Betriebe einführen zu dürfen. 

Frühjahr: Verhalten andüngen

Praxisnahe Wege zur Steigerung der Effizienz auch bei der Düngung mit Gülle zeigen Dr. Ludger Laurenz von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen und Dr. Hans-Heinrich Kowalewsky von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen auf. Die ordnungsrechtlichen Maßnahmen gegen Gülle würden vor allem durch die Stickstoffproblematik, so Laurenz. Beim Mais sei die Spannbreite der optimalen N-Düngergabe doppelt so hoch wie bei Raps und Getreide, da Mais den N-Bodenvorrat wesentlich besser ausnutze, aber unter Mais auch deutlich höhere N-Verluste durch Auswaschung oder Denitrifikation stattfänden.
 
Laurenz empfiehlt, in regenreichen Frühjahren Verluste hinzunehmen und durch eine Spätdüngung auszugleichen oder die N-Verluste in solchen Jahren zu vermeiden. Dies wäre möglich durch ein verhaltenes Andüngen im Frühjahr nach Schätzrahmen und eine zweite Nmin-Probe um den 1. Juni mit entsprechender Nachdüngung bei Bedarf, so der Berater. Versuchsweise würde der Nachdüngebedarf auch über einen N-Sensor anhand der Blattfarbe ermittelt.
 

Spätdüngung: Nährstoffe gezielt platzieren

Um Nachteile einer Spätdüngung, wie
  • hohe Ammoniakverluste,
  • Abschwemmen oder
  • Festtrocknen der Gülle sowie
  • hohe Restnitratmengen im Herbst,
zu vermeiden, müsse eine Platzierung der Nährstoffe in der Reihe erfolgen. Bei der Spätdüngung könnte man bei einer Reihendüngung das vom Stängel ablaufende Wasser nutzen.  

Mineraldünger-Stickstoff begrenzen besser als Gülle-N absenken

Auch der Einsatz von Nitrifikationshemmstoffen bei der Anlage eines Nährstoffdepots (beispielsweise beim Gülle-Strip-Till) habe sich bewährt.
 
Beim Ordnungsrecht hält der Kammermitarbeiter eine Begrenzung des Mineraldünger-Stickstoffs für sinnvoller - weil dadurch die Effizienz der Gülle in der Praxis gesteigert werde - als eine weitere Absenkung des Gülle-N auf 120 kg/ha.
 
Durch eine noch stärkere Begrenzung des organisch gebundenen Stickstoffs würde der Bodenvorrat allmählich abnehmen (Ausmagerung) und der Mineraldüngerbedarf langfristig steigen. 

Das kann die Sämaschine Aerosem von Pöttinger

Die pneumatische Sähmaschine AEROSEM 3002 ADD von Pöttinger. © Pöttinger
Die neue Generation der pneumatischen Sämaschine lief 2013 vom Band. © Pöttinger
Die Sähmaschinen können unter anderem bei Mais, Getreide, Soja und Raps eingesetzt werden. © Pöttinger
In die pneumatische Standard-Sämaschine integrierte Pöttinger eine Einzelkornsätechnik. © Pöttinger
Das Verteilersystem der Aerosem-Maschinen ist komplett neu. © Pöttinger
Ein Vorteil der Aerosem mit "Precision Combi Seeding" (PCS) ist laut Hersteller, dass keine Traktorspuren am Feld hinterlassen werden. © Pöttinger
Das System Aerosem PCS dosiert die Maissaat. © Pöttinger
Dieser Mais wurde mit der Aerosem-Sämaschine ausgesät. © Pöttinger
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