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Energiekosten

Übergewinne, Gas- und Strompreisdeckel: Das kommt auf Landwirte zu

Erneuerbare Energien
am Montag, 28.11.2022 - 15:35 (Jetzt kommentieren)

Die Bundesregierung will Bürger und Unternehmen mit Strom- und Gaspreisbremse entlasten. Davon profitieren auch Landwirte. Doch dank der Übergewinnsteuer werden manche von ihnen gleich wieder zur Kasse gebeten.

Nun ist es durch und viele Menschen atmen auf. Angesichts der hohen Energiekosten hat das Bundeskabinett beschlossen, die Preise für Energie zu deckeln. Das gilt für alle, den Weltkonzern genauso wie den Rentner in München-Hasenbergl und den Landwirt in Buxtehude. Einen Teil des Geldes holt sich der Staat zurück, indem er Zufallsgewinne im Strommarkt abschöpft.

Hier sparen Landwirte Geld

Es sind drei Elemente, die für Landwirte zum Tragen kommen:

  • Soforthilfe Dezember: Betriebe mit einem Verbrauch von weniger als 1,5 Mio. kWh brauchen im Dezember nichts zu zahlen für Gas oder Wärme.
  • Gaspreisbremse: Für private Haushalte, kleine und mittlere Unternehmen mit einem Gasverbrauch unter 1,5 Mio. kWh im Jahr soll der Gaspreis bei nur 12 Cent brutto pro Kilowattstunde liegen. Das gilt für 80 Prozent des Jahresverbrauchs vom Vorjahr und von März 2023 bis April 2024. Industriekunden zahlen 7 Cent, für 70 Prozent des Vorjahresverbrauchs.
  • Strompreisbremse: Ähnlich verhält es sich beim Strompreis. Für private Verbraucher sowie kleine und mittlere Unternehmen wird er bei 40 ct/kWh eingefroren. Das gilt für einem Stromverbrauch von bis zu 30.000 kWh pro Jahr. Größere Betriebe bekommen die Bremse bei 13 ct/kWh für 70 Prozent des Verbrauchs.

Grundsätzlich ist natürlich jeder landwirtschaftliche Betrieb betroffen. Wobei die Unterschiede im Energieverbrauch enorm sein können; spezialisierte Ackerbaubetriebe verbrauchen durchschnittlich 10.929 kWh pro Jahr, während spezialisierte Veredelungsbetriebe 35.043 kWh auf ihrer Stromrechnung stehen haben, so eine Auswertung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft.

Hier müssen Landwirte extra zahlen

Die Energiedeckel müssen finanziert werden. Einen Teil will sich der Staat von den Energieerzeugern holen. Im Fokus stehen dabei Energieerzeuger, die Kraftwerke mit niedrigen Stromerzeugungskosten betreiben, aber ihren Strom zu sehr hohen Preisen verkaufen können. Darunter fallen etwa Windräder, Photovoltaik-Anlagen oder Wasserkraftwerke. Biomethan-Anlagen sind von der Regelung ausgenommen. Einen großen Teil dieser sogenannten Zufallsgewinne holt sich der Staat: 90 Prozent. 10 Prozent sollen die Betreiber als Anreiz behalten. Betroffen sind aber nur Anlagen mit einer installierten Leistung von mehr als einem MW.

Abschöpfung von Zufallsgewinnen ist zeitlich begrenzt

Für die Energieerzeuger greift die Abschöpfung ab dem 1. Dezember. Zunächst gilt sie bis 30. Juni 2023. Sie kann aber bis höchstens den 30. April 2024 verlängert werden.

Das Prozedere der Abschöpfung erfolgt über zwei Herangehensweisen:

  • Stromerzeuger können Veträge offen legen und damit ihre produzierten Mengen und erlösten Preise.
  • Alternativ gelten die Erlöse, die im Durchschnitt am Spot- oder Terminmarkt anfallen.

Sicherheitszuschläge für Biogasanlagen

Der Staat hat zudem Sicherheitszuschläge eingezogen, denn in jedem Fall sollen etwa Landwirte weiter mit ihren Kraftwerken Strom erzeugen. Der liegt bei 3 ct/kWh auf die errechneten Erlöse. Für Termingeschäfte in der Zukunft kommt 1 ct/kWh hinzu. Windkraftanlagen und PV erhalten zusätzlich 6 Prozent ihres technologiespezifischen Monatsmarktwerts im betreffenden Monat. Für Biogasanlagen gilt ein Sicherheitszuschlag in Höhe von 7,5 ct/kWh. Kritiker monieren die hohe Abschöpfung bei den erneuerbaren Energien. Gerade bei Biomasse-Anlagen würden Kostensteigerungen ignoriert.

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