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Steuer und Finanzen

Überschüssige Liquidität: Wie anlegen?

von , am
05.07.2011

Bei einer Reihe von landwirtschaftlichen Betrieben dürfte in der zweiten Jahreshälfte ein Liquiditätsüberhang entstehen. Es stellt sich die Frage, wie die Betriebsleiter damit umgehen.

Taschenrechner
Mehr Flexibilität beim Investitionsabzug wird durch das vom Bundestag beschlossene Bundesänderungsgesetz erreicht. © fotolia
Ursache dieses Überhangs ist das Preisniveau vor der kommenden Ernte, das trotz jüngster Rückschläge noch hoch ist. Teilweise wurden im Vorfeld schon attraktive Abschlüsse getätigt.  Hier hat in der Vergangenheit der Landhandel eine wesentliche Rolle eingenommen. Die Liquidität dort zu parken, ist jedoch aus verschiedenen Gründen zu überdenken. Schwerpunktmäßig können Alternativen im Bankbereich betrachtet werden.
 
Dies soll an einer Beispielrechnung verdeutlicht werden: Auf einer Fläche von 120 Hektar werden 80 Hektar Getreide (Durchschnittsertrag: 80 dt/ha), 25 Hektar Zuckerrüben, 15 Hektar Raps (Durchschnittsertrag: 40 dt/ha) angebaut. Die Rapsernte wird komplett direkt vermarktet, beim Getreide werden von den 6.400 dt zur Risikostreuung 2.000 dt verkauft. Beim Raps ergibt sich ein Erlös von 45 €/dt, beim Getreide eine Durchschnittpreis von 20 €/dt. Es ergibt sich eine Gesamtsumme von 67.000 €. Da das Liquiditätspolster größtenteils aufgebraucht ist, benötigt der Betrieb ca. 5.000 bis 10.000 € den Sommer über. Weitere 20.000 € werden zum 1. Oktober für Pachtzahlungen benötigt. Mit dem Rübengeld (ca. 50.000 €) und der Betriebsprämie (ca. 34.000 €) stehen zu Ende der Jahreshälfte weitere Zahlungseingänge an. Des Weiteren verbleiben 4.400 dt. Getreide, dessen Erlös und Vermarktungszeitpunkt noch ungewiss ist.

Tagesgeld als attraktive Alternative

Auch wenn im Beispiel nur die wesentlichsten Liquiditätspositionen der zweiten Jahreshälfte genannt wurden, so fällt auf, dass es eine Vielzahl von Positionen und Zeitpunkten gibt. Starre Produkte (z.B. Termingelder, Sparbücher) scheiden daher schon aus, da der Steuerungsaufwand zu groß wäre. Gleiches gilt für Anlageformen mit Kursrisiken (Aktien, Anleihen), die sich als langfristige Anlageformen ebenfalls nicht zum Parken von Liquidität eignen. Das Geschäftskonto wird in der Regel nicht oder nur sehr niedrig verzinst (0 bis 0,5 Prozent pro Jahr).
 
Tagesgeld stellt eine attraktive Alternative dar. Der Zinssatz liegt ca. 1 bis 1,5 Prozent höher als auf dem Geschäftskonto, wobei die Tagesgeldzinssätze der einzelnen Banken stark variieren. Während einige Banken sehr bescheidene Tagesgeldzinssätze offerieren, da man auf diesem Weg keine Mittel einwerben möchte, so fokussieren andere das Tagesgeldgeschäft stark (insbesondere die Direktbanken). Hierbei findet der Wettbewerb besonders um Neukunden statt, denen höhere Zinssätze angeboten werden.

Tagesgeld nicht nur bei Hausbank attraktiv

In Anlehnung an das Beispiel soll der Einfluss des Zinssatzes betrachtet werden. Es wird von einem durchschnittlichen Betrag von 50.000 € über 6 Monate ausgegangen. Der betrachtete Zinskorridor stellt das mögliche Spektrum dar, von einem unverzinsten Betriebskonto bis zu einem attraktiven Tagesgeldangebot. Bei einem Zinssatz von 0,5 Prozent ergeben sich Zinsen in Höhe von 125 €, bei 0,75 Prozent 187,50 €, bei 1 Prozent 250 €, bei 1,25 Prozent 312,50 €, bei 1,5 Prozent 375 €, bei 2 Prozent 500 € und bei 2,25 Prozent 562,50 €.
 
Auch wenn die Unterschiede zwischen den einzelnen Zinssätzen sicherlich keinen entscheidenden Einfluss auf die Betriebsentwicklung haben, so lässt sich im Zeitalter des Online-Bankings ohne viel Aufwand ein Mehrerlös im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich erzielen. Sollte man sich mit seiner Hausbank nicht auf einen annehmbaren Zinssatz verständigen können (über 1 Prozent pro Jahr), so sollte eine Auslagerung des Tagesgeldes an eine andere Bank mit einem entsprechenden Angebot geprüft werden. Anbieter mit entsprechendem Hintergrund, wie die Direktbanken der deutschen Automobilhersteller, können dabei bedenkenlos gewählt werden. Bei „Exoten“ sollte im Vorfeld geprüft werden, inwieweit die Einlagen abgesichert sind. Nicht der höchste Zinssatz ist stets der attraktivste. Neukundenangebote sind branchenüblich, daher auch nur bedingt als Lockangebote zu werten. Generell sollte aber ein Anbieter gewählt werden, der in der Vergangenheit stets durch attraktive Angebote aufgefallen ist.
 
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