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Smart Farming

Ungelöste Fragen bei der Datensicherheit blockieren 'Landwirtschaft 4.0'

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Redaktion agrarheute, agrarheute
am
08.03.2016

Die Auswertung und Interpretation der in der Landwirtschaft anfallenden Daten schreitet voran. Die "Landwirtschaft 4.0" soll Vorteile für den Landwirt und die Umwelt bringen - doch momentan behindern ungelöste Fragen zum Datenschutz eine umfassendere Nutzung.

Smart Farming, das in diesem Jahr unter dem Begriff Landwirtschaft 4.0 bzw. Farming 4.0 auch Thema der Cebit in Hannover ist, treibt die Vernetzung auf den Betrieben voran. Die Interpretation und Auswertung der anfallenden Datenflut soll die Landwirtschaft noch effizienter und nachhaltiger machen."Über Boden und Pflanzen und die Produktionsbedingungen sind sehr viele Informationen vorhanden", erläutert Prof. Dr. Hans W. Griepentrog, Robotikexperte am Institut für Agrartechnik an der Universität Hohenheim, die Hintergründe. "Landwirtschaft 4.0 verarbeitet diese großen Datenmengen, verknüpft sie, automatisiert Abläufe und unterstützt so den Landwirt beim Entscheidungsprozess."

Smart Farming: Fragen zum Datenschutz behindern die Nutzung

Doch momentan behindern ungelöste Fragen zum Datenschutz eine umfassendere Nutzung. Das sei laut Griepentrog eines der essentiellen Probleme des Smart Farming. Landwirte müssten sicher sein, dass mit ihren Daten kein Missbrauch betrieben würde. Doch dafür fehlen bislang sowohl technische Lösungen als auch eventuell neue rechtliche Grundlagen.

Datensicherheit als Knackpunkt

In der Regel gibt der Landwirt beim Smart Farming seine Daten an einen Dienstleister, der auf dieser Grundlage Empfehlungen erarbeitet. Und genau da läge das Problem, so Griepentrog: "Der Landwirt muss die Datenhoheit behalten und sicher sein, dass seine Daten nicht weitergegeben oder etwa für Werbezwecke verwendet werden." Die Datensicherheit müsse daher noch erheblich verbessert werden.

Um das zu gewährleisten gebe es mittlerweile gute Methoden der Verschlüsselung. Es müsse sichergestellt sein, dass auf die Daten nur der Adressat, also beispielsweise der Dienstleister, Zugriff hat. Personenbezogene Daten seien durch das Datenschutzgesetz vergleichsweise gut geschützt, hält er fest. "Doch hier handelt es sich um Betriebsdaten. Sie fallen unter das Betriebsgeheimnis, das man nicht preisgeben sollte, wenn man am Markt bestehen will", führt Griepentrog aus. Eine klare rechtliche Grundlage dazu würde im Augenblick fehlen.

Smart Farming soll Vorteile für den Landwirt bieten

Wenn das Problem Datenschutz und -sicherheit gelöst ist, biete Smart Farming nach Meinung des Experten große Vorteile - für den Landwirt und die Umwelt. Denn wenn der gesamte Betrieb analysiert wird, könne das die Nachhaltigkeit wesentlich verbessern. "Die Produktionsverfahren sind transparenter und können besser gesteuert werden", erklärt Prof. Dr. Griepentrog. "Das schont Ressourcen und sorgt dafür, dass Umweltschutzauflagen eingehalten werden, beispielsweise indem die Feldspritze oder Düngerstreuer innerhalb des Mindestabstands zu Gewässern automatisch abschaltet."

"Die Rolle des Landwirts ändert sich zwar dadurch, doch er fällt keinesfalls weg", sagt Griepentrog. Die Produktionsprozesse in der Landwirtschaft seien - anders als in der Industrie - sehr komplex, die Produktionsbedingungen ändern sich ständig. "Deshalb wird der Landwirt als Entscheider auch künftig notwendig sein." Künftig bräuchten Landwirte daher mehr IT-Kenntnisse als heute, werden aber durch die automatisierte Technik von vielen Routinearbeiten entlastet.

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