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Produktion und Förderung

Unternehmertag diskutiert 'Unternehmensstrategien 2024'

© Hibbeler/lwk niedersachsen
von , am
25.10.2014

Oldenburg - Auf dem 15. Unternehmertag in Oldenburg wurden Unternehmensstrategien für das Jahr 2024 diskutiert. Rund 1.000 Besucher interessierten sich für die Neujustierung der Landwirtschaft.

Auf dem Unternehmertag wurden Unternehmensstrategien für das Jahr 2024 diskutiert. Die Redner stärkten sich zuvor mit einem Glas Milch. © Hibbeler/lwk niedersachsen
Auf dem 15. landwirtschaftlichen Unternehmertag, der am Donnerstag in der Oldenburger Weser-Ems-Halle stattfand, wurden Unternehmensstrategien für das Jahr 2024 diskutiert. Rund 1.000 Besucher interessierten sich für die Neujustierung der landwirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
 
Den Titel der Veranstaltung "Landwirtschaft liberalisiert oder reglementiert? Unternehmensstrategien 2024" erläuterte Arendt Meyer zu Wehdel, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, so: "Noch nie war der gesellschaftliche und politische Druck auf unsere landwirtschaftlichen Betriebe so hoch wie heute; noch nie war es wichtiger, aufmerksam und kritisch das betriebliche Umfeld zu analysieren."

Unternehmertag: 'Balance zwischen Ansprüchen von Politik, Markt und Gesellschaft finden'

Bei allen unternehmerischen Entscheidungen sei die Balance zu finden zwischen den Ansprüchen von Politik, Markt und Gesellschaft. Wie komplex das ist, machte der Kammerpräsident an Beispielen deutlich: Einerseits hätten Landwirte es mit novelliertem Baurecht, steigenden Bodenpreisen, erhöhten Anforderungen an den Tierschutz und bald auch mit Änderungen im Bereich der Düngeverordnung zu tun, andererseits böten die auslaufende Milchquotenregelung, aber auch das niedrige Zinsniveau mehr unternehmerische Freiheit.
 
"Außerdem werden die Märkte komplizierter, und viele politische Signale haben eine eher dämpfende Wirkung auf landwirtschaftliche Unternehmer", ergänzte Meyer zu Wehdel. Auch wenn vielerorts Wachstumsgrenzen erreicht seien, bedeute das nicht das Ende betrieblicher Weiterentwicklung, so der Kammerpräsident. Künftig werde es wichtiger, qualitativ zu wachsen. Der sorgsame Umgang mit den Ressourcen Luft, Wasser und Boden sei dabei selbstverständlich. Auch müsse die Kommunikation gegenüber Kommunen und Mitmenschen darauf ausgerichtet sein, Landwirtschaft zu erläutern und Vorhaben transparent zu machen.

Bleser tritt für Freihandelsabkommen TTIP ein

Die Auswirkungen der reformierten EU-Agrarpolitik (GAP) erläuterte Peter Bleser, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: "Die Direktzahlungen der ersten Säule werden auch nach der GAP-Reform für die Zeit 2014 bis 2020 erhalten bleiben." Zu den 4,85 Milliarden Euro pro Jahr der ersten Säule kämen für die deutschen Landwirte rund 1,35 Milliarden Euro der zweiten Säule hinzu, mit denen auch besonders umwelt- und tierschutzgerechte Produktionsverfahren unterstützt würden. Für die ökologischen Vorrangflächen seien künftig nicht mehr als fünf Prozent der Landwirtschaftsflächen vorgesehen.
 
Besonderes Augenmerk richtete Bleser auf den Agrarexport. Während die Nachfrage nach Nahrungsmitteln weltweit steige, stagniere die Nachfrage in Deutschland und der EU aufgrund des rückläufigen Bevölkerungswachstums. Für einen funktionierenden Warentransfer forderte er einen "baldigen Erfolg" der WTO-Verhandlungen, aber auch des Freihandelsabkommens (TTIP) mit den USA. Die USA seien einer der wichtigsten Drittlandsmärkte für deutsche Agrarerzeugnisse.

Unternehmertag: 'Wettbewerbsnachteile über höhere Produktpreise ausgleichen'

Das Ziel der EU-Politik für die kommende Förderperiode bis 2020 brachte Franz Jansen-Minßen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen auf die Kurzformel: mehr mit weniger produzieren. "Einerseits sollen mehr Nahrungsmittel, mehr erneuerbare Energien und mehr Ökosystemdienstleistungen angeboten werden, andererseits soll der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, Energie und die Inanspruchnahme der natürlichen Ressourcen verringert werden."
 
Diese Ziele ließen sich nur durch eine weitere Effizienzsteigerung der agrarischen Produktion erreichen. Dazu müssten alle Indikatoren für Nachhaltigkeit in der landwirtschaftlichen Produktion auf den Prüfstand kommen. Jansen-Minßen wies darauf hin, dass eine landwirtschaftliche Produktion mit höheren Standards auch mit höheren Kosten oder geringeren Erträgen verbunden sei. "Wettbewerbsnachteile müssen über höhere Produktpreise oder EU-Beihilfen ausgeglichen werden", forderte er. Es komme darauf an, Nachhaltigkeit über die Wertschöpfungskette mit höheren Endverbraucherpreisen in Wert zu setzen.

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