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Corona-Hilfen und Betrug

USA: Fake-Farmer ergaunern viele Millionen Dollar Corona-Hilfen

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am Montag, 23.11.2020 - 10:48 (Jetzt kommentieren)

In den USA haben Farmer, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt, viele Millionen Dollar Corona-Hilfen kassiert.

Die Gelder waren eigentlich zur Unterstützung kleiner Farmer während der Corona-Krise bestimmt. Ursache für die Betrügereien, ist das sehr umfassende Hilfsprogramm, dass in sehr kurzer Zeit sehr viel Geld zur Verfügung stellte.

Der Leiter der verantwortlichen Behörde sagte bei einer Anhörung „man habe in 14 Tagen mehr Geld ausgeschüttet als sonst in 14 Jahren. Berichtet hat über die Betrugsfälle zuerst die Nachrichtenagentur Bloomberg, berichtet das US-Agrarportal agrarfax.

Dort heißt es zu einem ganz speziellen Fall: Während die Small Business Administration (SBA) im Sommer Hunderte von Millionen Dollar an Hilfszahlungen für kleine Farmern bereitstellte, ließen die Eigentümer einiger Vorstadthäuser in Cleveland, Ohio, bis zu 72 landwirtschaftliche Unternehmen registrieren, und bekamen daraufhin bis zu 7,2 Millionen US-Dollar an Notfallhilfen.

Doch dieser Fall ist offenbar nur die Spitze des Eisbergs, von tausenden weiteren vermuteten Betrugsfällen.

Papierunternehmen erhielten Kredite und Zuschüsse

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Die Kredite und Zuschüsse flossen indessen an „Papierunternehmen“ heißt es weiter, die vorher gar nicht existierten. Der Betrug war möglich, weil die SBA versuchte, landwirtschaftlichen Unternehmen, die von der COVID-19-Pandemie betroffen waren, schnelle und unbürokratische Nothilfe zu leisten.

Bundesinspektoren waren bei der Überprüfung der Kredite dem Betrug aber offenbar schon auf die Spur gekommen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte zuerst über einen Fall aus Ohio berichtet. Dort hieß es, dass eine Familie aus Ohio, ab Mai von verschiedenen Vororten in Cleveland zahlreiche „landwirtschaftliche Unternehmen“ gegründet habe. Diese führten Namen wie Ohio Almonds & Peanuts LLC oder Agriculture Worms & Fertilizers LLC.

Die Betrüger beantragten und bekamen für diese „Fake-Unternehmen“ SBA-Darlehen in Höhe von jeweils 150.000 USD und weiter Zuschüsse in Höhe von jeweils 183.000 USD. Bloomberg berichtete außerdem, dass diese Unternehmen angaben, angeblich bis zu 183 Mitarbeitern zu beschäftigen, obwohl man bei den Recherchen niemanden finden konnte, der jemals bei diesen Unternehmen gearbeitet hat.

Tausende Darlehen gingen offenbar an Betrüger

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Von denselben Leuten wurden offenbar noch zahlreiche weitere Unternehmen gegründet. Bloomberg fand außerdem heraus, dass allein im Betrugsfall in Ohio insgesamt 72 Unternehmen gegründet wurden, die im Rahmen des SBA-Programms Darlehen und Zuschüsse in Höhe von 7,2 Mio. USD erhalten haben.

Keine der angegeben Betriebs-Adressen wies bei den Recherchen jedoch Anzeichen einer landwirtschaftlichen Tätigkeit auf, und keines der Unternehmen war auf irgendeine Weise aktiv, bevor es sich ab Mai für das SBA-Programm angemeldet hatte, hieß es weiter. Bloomberg hatte zuvor sämtliche Unternehmen, die Katastrophenhilfe erhalten hatten, überprüft. Dabei zeigte sich, dass 10.685 Kredite an Unternehmen gingen, die erst nach dem 31. Januar gegründet wurden.

Eine Untersuchung des SBA-Generalinspektorats zu den SBA-Programmen ergab sogar, dass mindestens 22.706 Darlehen und weitere 45.385 Zuschüsse in Höhe von insgesamt über 1 Milliarde US-Dollar an potenziell nicht förderfähige Unternehmen gingen. Ähnlich wie die Ohio-Unternehmen waren diese Unternehmen am 31. Januar 2020 noch gar nicht im Geschäft, was nach dem CARES-Gesetz erforderlich war, um SBA-Hilfe zu erhalten.

Kredite in 14 Tagen wie sonst in 14 Jahren ausgereicht

Bei einer Anhörung im Kongress Anfang Oktober teilte der Generalinspekteur der SBA mit, dass die Agentur im Sommer innerhalb von nur 14 Tagen Kredite im Wert von 14 Jahren ausgegeben hatte, was das Betrugsrisiko im Programm enorm erhöhte. Der Generalinspektor der SBA stellte fest, dass Darlehen in Höhe von 14,3 Mrd. USD an Antragsteller gingen, die später bei der Auszahlung der Darlehen die Bankkonten wechselten.

Während einige nachträgliche Änderungen wohl auch Schreibfehler waren, stellte die SBA jedoch auch höchst fragwürdige Praktiken fest. Zum Beispiel gaben 22 Kreditanträge mit derselben IP-Adresse an, 22 verschiedene Betriebe in sechs Bundesstaaten zu repräsentieren. Bevor die Kredite in Höhe von 1,9 Mio. USD verteilt wurden, schickten etliche Antragsteller zudem neue Bankleitzahlen und ein neues Konto.

„Betrüger tun das, was Betrüger tun“, sagte der Generalinspektor der SBA, während einer Anhörung zu den Betrugsfällen. Die SBA beantwortete keine Fragen zu einzelnen Darlehensnehmern. Man erklärte jedoch, die Agentur sei entschlossen, „die Risiken von Betrug, Verschwendung und Missbrauch zu mindern“ und den offensichtlichen Betrugsfällen nachzugehen.

Bloomberg berichtete indessen, dass bei den Betrugsfällen in Ohio die Betroffenen bisher weder von Strafverfolgungs- oder SBA-Beamten wegen der Darlehen kontaktiert worden seien. Ein Anwalt der Betroffenen sagte aber, dass diese möglicherweise das Geld zurückgeben müssen, dass sie erhalten hätten.

Sehr viele Milliarden Hilfsgelder in sehr kurzer Zeit

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Nach der Verabschiedung des Gesetzes über Hilfen und zur wirtschaftlichen Unterstützung von landwirtschaftlichen Unternehmen (CARES) während der Corona-Krise hatte die SBA zwei Kreditprogramme aufgelegt: Das Paycheck Protection Program (PPP) und das Economic Injury Disaster Loan (EIDL)-Programm.

Landwirtschaftliche Betriebe konnten sich sowohl für PPP- als auch für EIDL-Programme bewerben. Insgesamt genehmigte die SBA 5,2 Millionen PPP-Kredite in Höhe von insgesamt 525 Milliarden US-Dollar, die landesweit bei rund 5.400 verschiedenen Banken und Kreditgenossenschaften eingereicht werden konnten.

SBA berichtet über 149.535 PPP-Darlehen in Höhe von insgesamt 8,14 Mrd. USD erhielten. Im Rahmen des EIDL-Programms legte die SBA nicht die gleiche Aufschlüsselung der Geschäftskategorien zu Grunde wie bei der PPP.

EIDL-Anträge gingen auch nicht über gewerbliche Kreditgeber (Banken), sondern wurden direkt an SBA-Mitarbeiter und Auftragnehmer gesendet. Von März bis 31. Juli erhielt SBA mehr als 14 Millionen Anträge nur für EIDL-Darlehen und Zuschüsse und genehmigte 3,6 Millionen Darlehensanträge für insgesamt 192 Milliarden US-Dollar sowie für 5,8 Millionen Anträge Zuschüsse in Höhe von insgesamt 20 Milliarden US-Dollar.

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