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Steuer und Finanzen

Verdienst der Landwirte bleibt stabil

© landpixel
von , am
24.01.2013

Berlin - Landwirte können im laufenden Wirtschaftsjahr mit einem stabilen Verdienst rechnen. Das geht aus einer Prognose der Landwirtschaftskammern hervor.

Lohnt sich der Anbau von Winterweizen? Mit dem Berechnungs-Tool der LfL lässt sich dies schnell herausfinden. © agrar-press
Die Prognose basiert auf den Buchführungsergebnissen des Vorjahres 2011/12, auf Ergebnissen des ersten Halbjahres und auf Trendanalysen. Die guten Ergebnisse des Vorjahres setzen sich im laufenden Wirtschaftsjahr 2012/13 fort. Die Erzeugerpreise im Ackerbau liegen in nahezu allen Bereichen über dem Vorjahr. Auch der Milchmarkt tendiert seit dem Herbst wieder leicht nach oben.
 
Die Rinderpreise sind auf hohem Niveau stabil. In der Veredlung entwickelt sich der Markt im ersten Teil des Wirtschaftsjahres 2012/13 ebenfalls günstig. Trotz weiterhin hoher Betriebsmittelkosten ist für die Mehrzahl der Betriebe bei den gegenwärtigen Trends ein gutes Ergebnis zu erwarten. Insbesondere im Ackerbau und in der Veredlung können Eigenkapital gebildet und Investitionen getätigt werden.

Ernte 2012 auf durchschnittlichem Niveau

Nach einem Kälteeinbruch im Februar 2012 ergaben sich bundesweit rund zehn Prozent Auswinterungsschäden. Das Frühjahr setzte außergewöhnlich zeitig ein und war viel zu trocken. Reichliche Niederschläge im Juni und im Juli 2012 erschwerten teilweise die Mähdruschernte. Vor diesem Hintergrund erzielte der Ackerbau 2012 regional unterschiedliche Erträge. Die Auswinterungsschäden wurden im Vegetationsverlauf überwiegend kompensiert.
In den Bundesländern Saarland, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein werden die Durchschnittserträge, nach mäßiger Ernte im Jahr 2011/12, im laufenden Wirtschaftsjahr mit einem Anstieg von bis zu 15 Prozent wieder erreicht. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen stiegen die Getreideerträge um meist etwa fünf Prozent und lagen damit etwas oberhalb des Durchschnitts.
 
Bei Raps war die Ertragssituation regional sehr unterschiedlich. Bei den Kartoffeln gaben die Erntemengen bei regional unterschiedlichen Qualitäten überwiegend nach. Der Maisanbau profitierte von den reichlichen Niederschlägen im Sommer. Nach der Rekordernte im Vorjahr sank der Ertrag der Zuckerrüben leicht ab (-2 bis -13 Prozent). Es wurden überdurchschnittliche Zuckergehalte von mehr als 18 Prozent erzielt.

Gute Preise für Marktfrüchte

Trockenheit in Südeuropa und Dürre in den USA führten zu einer positiven Preisentwicklung in Deutschland. Zur Ernte wurden etwa 23,50 Euro je Dezitonne und damit drei bis vier Euro je Dezitonne mehr als im Vorjahr für Getreide gezahlt. Über das Jahr und die Regionen betrachtet bleibt eine Zunahme des Getreidepreises von zehn bis 25 Prozent festzuhalten. Beim Raps ergeben sich Preisverbesserungen zwischen fünf und zehn Prozent. Die Kartoffelpreise steigen nach dem Preistief im Vorjahr um bis zu 60 Prozent an.
 
Bei Speisekartoffeln hat sich der Preis bei freier Ware von acht Euro je Dezitonne vom Vorjahr auf 16 Euro je Dezitonne verdoppelt. Günstige Weltmarktbedingungen für Zucker im Jahr 2012 und gut Vermarktungsmöglichkeiten für Industrierüben lassen eine Preisentwicklung zwischen zwei und 15 Prozent und damit in Richtung fünf Euro je Dezitonne, inklusive Schnitzelvergütung, erwarten.

Milchproduktion unverändert

Der Milchpreis für das erste Halbjahr 2012/13 liegt unter dem Vorjahr. Diesem Trend stehen steigende Tendenzen sowie freundliche Weltmarktaussichten gegenüber. Möglicherweise kann eine positive Entwicklung im zweiten Halbjahr den Rückgang aus dem Zeitraum Mai bis Oktober 2012 noch auffangen, so dass der durchschnittliche Vorjahrespreis von zirka 34 Cent je Kilogramm (netto) wieder erreicht wird.

Markt für Rindfleisch zieht an

Seit einigen Jahren tendiert der Rindfleischmarkt fest bis freundlich. Diese Entwicklung setzt sich im Wirtschaftsjahr 2012/13 unverändert fort. Höhere Preise bei Schlachtkühen und Bullen sind die Folge. Auch Zuchtvieh bleibt knapp und teuer. Preissteigerungen bei Jungbullen und bei Färsen sind zu erwarten. Lediglich die Nutzkälberpreise stagnieren.

Schweinepreise über Vorjahr

Die positive Entwicklung des Vorjahres setzt sich in der Schweinemast und Ferkelerzeugung im ersten Halbjahr 2012/13 - speziell im Ferkelsektor - fort. Nach zwischenzeitlichen Preisschwankungen für Mastschweine ist die weitere Entwicklung unsicher. Daher wird für 2012/13 ein Anstieg um 10 Prozent bei den Ferkel- und um 8 Prozent bei den Mastschweinepreisen erwartet.

Spezialkosten ziehen an

Kostentreiber bei den unverändert steigenden Betriebsmittelausgaben sind 2012/13 erneut die Futtermittel mit einer Zunahme von 10 bis 22 Prozent. Saat- und Pflanzgut folgen mit Steigerungen um zehn bis 15 Prozent, Schweinezukäufe mit neun bis elf Prozent. Strom- und Heizstoffe belasten die Ausgabenseite um weitere sechs bis zehn Prozent. Treib- und Schmierstoffe legen auf hohem Preisniveau nur noch geringfügig zu. Die Düngemittelpreise bleiben in etwa gleich.

Gemeinkosten: Alles teuerer außer Zinsen

Die Lohnkosten steigen weiter an. Die Investitionstätigkeit in Form von Neu- und Ersatzinvestitionen hat infolge der guten Ergebnisse des Vorjahres wieder zugenommen. Demgemäß ist mit höheren Aufwendungen für Abschreibung und Unterhaltung von Gebäuden und Maschinen zu rechnen. Die günstige Zinssituation bringt Entlastung. Insgesamt wird ein Anstieg der sonstigen Betriebsaufwendungen von fünf Prozent erwartet.

Klares Plus im Ackerbau

Bei den spezialisierten Ackerbaubetrieben sind, nach leichtem Rückgang im Vorjahr, die guten Getreide-, Raps-, Kartoffel- und Zuckerrübenpreise für eine deutliche Gewinnzunahme um 16 bis 100 Prozent verantwortlich. Hackfruchtbetriebe mit umfangreichem Kartoffelanbau legen am meisten zu. Die steigenden betrieblichen Ausgaben werden durch zurzeit schneller steigende Erlöse überkompensiert. Die absoluten Unternehmensergebnisse erreichen die betriebsnotwendige Gewinnschwelle von 60.000 bis 80.000 Euro. Nach Deckung der Lebenshaltungskosten können Rücklagen gebildet werden.

Stagnation bei Milcherzeugern

Die spezialisierten Futterbaubetriebe können angesichts der Preisdelle im ersten Halbjahr ihre Einkommenslage – trotz derzeit ansteigender Milchpreise – voraussichtlich nicht verbessern. Dank höherer Produktivität, weiterer Leistungssteigerungen sowie stabiler Preise für Schlachtvieh und Kälber wird das Gewinnniveau des Vorjahres in etwa gehalten. Die höheren Futter- und Düngemittelpreise sowie Lohn- und Energiekosten erschweren zusätzlich eine positivere Entwicklung. Die Landwirtschaftskammern gehen von einer Stagnation des Einkommens mit eher negativer Tendenz aus. Im Vergleich zum fünfjährigen Durchschnitt wird jedoch eine leichte Verbesserung von fünf bis sechs Prozent geschätzt.

Erzeuger für Rindfleisch mit Rekordergebnis

Positiv verläuft die Entwicklung der auf Rindfleischproduktion ausgerichteten sonstigen Futterbaubetriebe. Es wird ein Anstieg erwartet, da die Umsatzerlöse bei Rindvieh um zwölf Prozent ansteigen. Auch die Einnahmen aus dem Pflanzenbau legen zu, so dass nach Abzug der höheren Betriebsausgaben ein Plus verbleibt. Damit schließen die Bullenmäster endlich zur Einkommenssituation der Milchviehhalter auf.

Veredlung mit positiven Vorzeichen

Die Schweinehalter können mit einer positiven Entwicklung rechnen. Angesichts zehn Prozent höherer Ferkel- und um acht Prozent gestiegener Mastschweinepreise erscheint - trotz höherer Kosten bei Futter, Saatgut, Dünger, Viehzukäufen und Energie - eine Gewinnsteigerung möglich. Diese wird zwischen rund zehn bis 50 Prozent liegen. Die guten Getreide- und Rapspreise tragen ebenfalls zur Verbesserung bei.
 
Gegenüber dem ähnlich guten Vorjahr lassen die aktuellen Vorzeichen ein Plus von etwa 10.000 bis 20.000 Euro erwarten. Mit Betriebsergebnissen, die etwa um die 70.000 Euro liegen werden, wird auch in dieser Gruppe ein bisher noch nicht erreichtes Niveau erreicht. Dieses Einkommen sollte ausreichen, die Privatentnahmen voll zu decken und Eigenkapital zu bilden. Der mehrjährige Durchschnitt, geprägt durch drei schlechte Jahre, wird in einer Spanne von gut 50 bis teilweise 150 Prozent deutlich übertroffen. Insbesondere die Sauenhalter profitieren von der gesamten Entwicklung.

Weinbau voraussichtlich mit größeren Einbußen

Der Witterungsverlauf 2012 sorgte für um fünf Prozent geringere Erntemengen als im Vorjahr. Gleichzeitig erhöht sich der Aufwand in Außen- und Innenwirtschaft. Fasswein- und Flaschenweinpreise liegen nur geringfügig über dem Vorjahresniveau. Eine geringere Ernte, gestiegene Kosten und kaum höhere Preise führen dazu, dass Weinbaubetriebe 2012/13 erstmals seit Jahren rückläufige Unternehmensergebnisse verzeichnen werden. Erwartet werden ein Gewinn von rund 53.000 Euro und eine Nettorentabilität von 80 Prozent.

Mindestens zehn Prozent mehr über alles

Im Durchschnitt aller Betriebe und aller Regionen wird eine Verbesserung des Gewinns von mehr als zehn Prozent geschätzt. Im Mittel dürften die Unternehmensergebnisse also zwischen knapp 60.000 und gut 70.000 Euro liegen. So wird der fünfjährige Durchschnitt zwischen 15 und 30 Prozent übertroffen. Die prognostizierte Nettorentabilität wird in diesem Jahr eine volle Entlohnung der Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Boden, sowie die Erzielung eines Unternehmergewinnes ermöglichen. Ganz überwiegend werden die Unternehmen wieder Rücklagen bilden können.
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