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Steuer und Finanzen

Vereinigte Hagel greift in Rücklagen

von , am
21.05.2010

Gießen - Im vergangenen Jahr zahlte die Vereinigte Hagel insgesamt 100 Millionen Euro an Leistungen aus. Ein Drittel davon konzentrierte sich alleine auf den Hageltag am 26. Mai 2009.

Der Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit musste 5,75 Millionen Euro aus den Schwankungsreserven entnehmen. Diese sei aber aufgrund einer "vorausschauenden Rückversicherungspolitik" mit 15 Millionen Euro weiterhin gut ausgestattet, teilt die Vereinigte mit.

Anfang Mai 2010 schon erhebliche Schäden

Auch am 10. und 11. Mai hat es in Bayern und im Allgäu einige Regionen hart mit Unweter und Hagelschlag getroffen. "Mittlerweile gingen in unserer Bezirksdirektion über 200 Schadenmeldungen aus den betroffenen Regionen ein, wobei insbesondere im Knoblauchsland, dem Gemüseanbaugebiet der Region Nürnberg, erhebliche Schäden an Freilandgemüse entstanden sind, die teilweise den Umbruch der Kulturen und Neuanpflanzung erforderlich machen", erläutert Dr. Gunter Prostinák, Bezirksdirektor in Bayern.

Anbauverzeichnisse umgehend einreichen

Daher appelliert Bezirksdirektor Dr. Prostinák nochmals dringend, die Anbauverzeichnisse umgehend einzureichen, soweit dies nicht bereits geschehen ist. Letzter Termin für die Deklaration der landwirtschaftlichen Kulturen ist der 31. Mai. Bei Gemüse ist die Vorausdeckung (der Versicherungsschutz bis zur Einreichung des aktuellen Anbauverzeichnisses) bereits seit dem 30. April abgelaufen. Hier drohen ohne sofortige Anbaudeklaration im Schadenfall erhebliche finanzielle Risiken.

Sinkende Versicherungssumme

Nach Aussage ihres Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Mugele habe das Geschäftsjahr 2009 der Vereinigten Hagel ein wiederum ungewöhnlich intensives Überschadenjahr mit mehr als 22.000 Schadenmeldungen beschert. Zudem hätten sinkende Agrarpreise zu rückläufigen Hektarwerten und damit zu einem geringeren Prämienvolumen geführt. Die Versicherungssumme sank von 7,3 auf 6,8 Milliarden Euro, der Vorbeitrag von 108 auf 106 Millionen Euro. Die Secufarm-Produkte, die neben Hagel weitere Gefahren wie Sturm und Starkregen einschließen, wurden von 20 Prozent der Mitglieder nachgefragt.

Risikobewusstsein der Landwirte steigt

In seinem Bericht zum 17. Geschäftsjahr der Vereinigten Hagel hob der Vorstandsvorsitzende Dr. Rainer Langner hervor, dass das Risikobewusstsein der Landwirte weiter gestiegen sei, was sich auch am Neugeschäft festmachen ließe. Dank guter Zuwächse im Auslandsgeschäft, vor allem in Litauen und den Niederlanden, blieb die Geschäftsentwicklung trotz der intensiven Schadenereignisse mit einer Schadenquote von 90,3 Prozent auf etwa vergleichbarem Niveau.

Mehrwertsteuer belastet Mehrgefahrenprodukte

Wegen der Regelbesteuerung dieser Mehrgefahrenprodukte von 19 Prozent des Versicherungsbeitrages statt der wesentlich günstigeren, bei der Hagelversicherung üblichen Versicherungssummenbesteuerung fiel die Nachfrage deutlich verhaltener aus als im Vorjahr. 2010 wird in Rheinland-Pfalz die Weinbauversicherung gegen Hagel mit staatlichen Prämienzuschüssen in Höhe von 50 Euro pro Hektar gefördert. Auch in Baden-Württemberg werden Winzer, Obstbauer und Landwirte in stark hagelgefährdeten Regionen eine Prämienstützung erfahren. (dlz agrarmagazin)

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