Zum Adventsgewinnspiel

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Bodenpreise und Investitionen

Ackerland: Verkauf und Rückpacht – ökonomisch sinnvoll?

Traktor auf dem Acker.
am Dienstag, 26.10.2021 - 15:05 (3 Kommentare)

Die Agrarkosten steigen ebenso steil an wie die Bodenpreise. Ist der Verkauf und die Rückpacht von Boden ökonomisch sinnvoll?

bodenpreise nach Jahren.

Nicht nur die Kosten der landwirtschaftlichen Produktion steigen steil an. Auch die Bodenpreise erreichen schwindelerregende Höhen. Damit wird es immer schwieriger die landwirtschaftliche Produktion zu finanzieren und den Betrieb weiter zu entwickeln ohne sich zu verschulden. Allerdings haben die Bauern in Deutschland in den letzten Jahren vor allem Kapital in Flächen angelegt und gebunden – das heißt vor allem Boden gekauft – wo dies möglich war. Das sagt jedenfalls die Statistik.

Doch was tun, wenn man Geld für Investitionen braucht und schon eine Sack mit Krediten angehäuft hat? Dazu haben Jarmila Curtiss von der Universität Halle und Bernhard Forstner vom Thünen-Institut im vorigen Jahr eine Studie durchgeführt und dazu auch Experten befragt. Sie kommen dabei zu einem interessanten Ergebnis: „Flächenverkäufe in Verbindung mit einer Rückpacht - ein sogenanntes "Sale and lease back" (SLB) - können unter bestimmten Voraussetzungen ein betriebswirtschaftlich vorteilhaftes Finanzierungsinstrument sein“.

Nach Einschätzung von Curtiss und Forstner erweitert das SLB die Finanzierungsmöglichkeiten der landwirtschaftliche Betriebe um ein unbürokratisches und schnell umsetzbares Instrument, das zudem keiner aufwändigen Bankenprüfung unterliegen. „In den meisten Fällen dürfte eine Kreditaufnahme für die Betriebe jedoch die bessere Variante der Finanzmittelbeschaffung sein“, betonen die Autoren der Studie.

Käufer sind überwiegend außerlandwirtschaftliche Investoren

Bodenpreise.

Die Experteninterviews der beiden Wissenschaftler zeigten: SLB wird vor allem in Ostdeutschland (von großen Betrieben) genutzt. Die Ziele der Betrieb für den Verkauf und die Rückpacht von Flächen entscheiden sind sowohl die Vermeidung von finanziellen Notlagen, als auch die Finanzierung von Investitionen in Wachstum und Rationalisierung. Insbesondere bei der Existenz von hohen stillen Reserven im Zusammenhang mit stark im Wert gestiegenen Bodenflächen können positive Effekte ergeben, betonen Curtiss und Forstner.

Als Bodenkäufer treten allerdings meistens private nichtlandwirtschaftliche Investoren auf. Die Investoren möchten Produktionsrisiken umgehen, stabile Werte sichern und eine moderate Rendite (ca. 1,5 bis 2,0 %) erwirtschaften, schreiben die Wissenschaftler. Das Engagement dieser Gruppe wird jedoch als insgesamt rückläufig  eingeschätzt.

Neben den Privatinvestoren treten auch die gemeinnützigen  Landsiedlungs- und Landgesellschaften (LSLG) als SLB-Akteure auf, und zwar mit dem Ziel, ihren agrarstrukturellen Auftrag  zu  erfüllen. Im Unterschied zu den privaten Investoren räumen die LSLG den Bauern zumeist  eine konditionierte Rückkaufoption ein. Aufgrund  der relativ kurzen Rückkaufsfrist ist der Marktanteil der LSLG an den Rückpachten jedoch insgesamt gering.

Als wesentliches Hemmnis für mehr LSG sehen die beiden Autoren zum einen das Grundstückverkehrsgesetz an, dass einen Vorrang für aktive Landwirte bei Flächenverkäufen vor Nichtlandwirten einräumt. Wichtiger ist vielleicht jedoch die hohe Affinität der Landwirte in Bezug auf Bodenbesitz.

Bankdarlehen sind ganz überwiegend günstiger

Pachtpreise.

Die künftige Entwicklung des SLB-Marktes wird von den Experten unterschiedlich eingeschätzt. In Modellrechnungen zeigen die Wissenschaftler, dass Bankkredite wegen der sehr niedrigen Zinsen derzeit gegenüber Verkauf und Rückpacht vorzuziehen sind. Curtiss und Forstner geben jedoch zu bedenken, dass auch die mittel- bis langfristige Unternehmensstrategie sowie die weitere Entwicklung der Bodenpreise einen entscheidenden Einfluss auf die weitere Entwicklung der SLB haben werden.

Deutliche Effekte der SLB auf die agrarstrukturelle Entwicklungen in Deutschland sehen die Wissenschaftler aber nicht. Die Kosten von SLB im Zusammenhang mit Rückkauf hängen in hohem Maße von den gemachten Annahmen bezüglich der  Buchgewinne,  Steuersätze,  Zinssätze,  Pachtrendite und Rückkaufpreise bzw. Entwicklung der Bodenmärkte und der künftigen Bodenkauf- und -pachtpreise ab.

Die Wissenschaftler haben bei ihren Kalkulationen ‚break-even‘-Zinssätze von 3,4 % und 7,5 % unterstellt. Dies bedeutet: Ein Kredit zu diesem Zinssatz wäre anstelle der Nutzung von SLB mit Rückkauf ökonomisch bzw. kalkulatorisch gleichwertig.

Hohe break-even‘-Zinssätze ergeben sich vor allem, wenn der Rückkaufwert deutlich über dem Verkaufswert liegt. Dies heißt, dass sich landwirtschaftliche Unternehmen gegenwärtig  in den meisten Fällen günstiger über Bankdarlehen finanzieren können, sofern sie über ein gutes Rating verfügen. Die Kapitalbeschaffung über SLB ist also angesichts der gegenwärtigen Kapitalmarktzinsen relativ teuer, schreiben die beiden Wissenschaftler.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...