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So viel Geld verdienten die Bauern 2021: Die Verkaufserlöse

Agrareinkommen Kosten Erlöse
am Dienstag, 11.01.2022 - 16:48 (Jetzt kommentieren)

Was haben die Bauern 2021 mit dem Verkauf ihrer Produkte verdient? Im Ackerbau waren die Erlöse sehr hoch. Bei den Tierhaltern war die Lage weitaus schwieriger. Das zeigen Daten zu den Verkaufslösen und den Kosten (Vorleistungen) der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).

Verkaufserlöse

Das größte Problem der Bauern sind derzeit die Kosten. Doch wie hoch waren eigentlich die Erlöse im Jahr 2021? Und was haben die Landwirte am Ende im Portemonnaie behalten? Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hat Ende November eine erste Schätzung zu den Verkaufserlösen und den Kosten (Vorleistungen) abgegeben.

Danach sind die Erlöse aus der Tierhaltung zwar gefallen – vor allem wegen der Krise am Schweinemarkt, mit pflanzlichen Produkten haben die Bauern jedoch fast 18 Prozent mehr verdient als im Jahr zuvor. Das Resultat: Am Ende bleibt den Bauern mehr im Portemonnaie als im Jahr 2020, obwohl die Kosten insgesamt ebenfalls stark gestiegen sind.

Doch möglicherweise muss die BLE vor allem die Kostendaten noch einmal korrigieren, denn in den letzten beiden Monaten des Jahres 2021 gab es bei Energie, Dünger und Treibstoff eine regelrechte Kostenexplosion, die wohl noch nicht komplett berücksichtigt ist.

Die vorläufigen Daten zeigen jedenfalls für das Kalenderjahr einen Anstieg der landwirtschaftlichen Verkaufserlöse um 5,8 Prozent auf 47,4 Mrd. Euro. Das ist der höchste Wert seit Jahrzehnten. Gleichzeitig stiegen die Kosten um 6,5 Prozent auf 39,4 Mrd. Euro. Das ist ebenfalls der höchste Wert seit Jahrzehnten. Wahrscheinlich auch ein neuer Rekord.

Am Ende bleibt eine Differenz zwischen Kosten und Erlösen von rund 8 Mrd. Euro. Das ist sogar etwas mehr als im vorigen Jahr, jedoch deutlich weniger als etwa in den Jahren 2019 mit 9,3 Mrd. Euro und 2017 mit 10,3 Mrd. Euro. Zudem ist das nur eine Durchschnittszahl, die wenig über die Entwicklung in den einzelnen Produktionszweigen aussagt. Deshalb zunächst ein Blick auf die Entwicklung der Verkaufserlöse nach Produktionszweigen.  

Getreidebauern mit Rekorderlösen

Erlöse und Kosten.

Am besten haben sich die Verkaufserlöse 2021 im Ackerbau entwickelt – speziell bei den Getreidebauern und beim Verkauf von Ölsaaten. So lagen die Erlöse aus dem Verkauf von Getreide 2021 rund 42 Prozent höher als im Jahr zuvor bei rund 7 Mrd. Euro. Das ist zugleich die höchste jemals von den Bauern mit Getreide verdiente Summe und auch 1,2 Mrd. Euro mehr als im bisherigen Rekordjahr 2012. Dabei lagen die Verkaufserlöse bei Weizen sogar 50 Prozent über den Erlösen aus dem Vorjahr.

Ähnlich kräftig legten die Verkaufserlöse bei Ölsaaten bzw. Rapssaat zu – nämlich um 42 Prozent auf knapp 1,5 Mrd. Euro. Mit dieser Kultur verdienten die Bauern in den Jahren 2016 bis 2017 allerdings auch schon einmal deutlich mehr Geld, nämlich bis zu 2,2 Mrd. Euro, denn Anbaufläche und Erntemenge waren damals erheblich größer als 2021.

Im Unterschied zu den Getreidebauern war 2021 für die Kartoffelbauern ein weiteres schlechtes Jahr. Die Verkaufserlöse brachen nach einem Rückgang um 33 Prozent im Jahr 2020 nochmals um 24 Prozent ein und schrumpften auf nur noch 1,5 Mrd. Euro. So wenig haben die Kartoffelbauern zuletzt vor 7 Jahren verdient.

Ein Plus von rund 17 Prozent ermittelte die BLE auch beim Verkauf von Gemüse – und eine Erlössumme von immerhin 3,6 Mrd. Euro. Auch die Gemüsebauern haben seit Jahrzehnten nicht so viel Geld verdient. Grund dürfte auch die boomende Nachfrage während Corona und Homeoffice gewesen sein. Dagegen gingen die Erlöse im Obstanbau deutlich zurück – um 10 Prozent auf 0,87 Mrd. Euro.

Für den Verkauf von Zuckerrüben lagen noch keine aktuellen Angaben für 2021 vor, doch auch hier dürften die Rübenbauern mehr Geld verdient haben als im Jahr zuvor.   

Verluste bei Schweinehaltern – Erholung bei Milch

Deutlich komplizierter  ist die Lage in der Tierproduktion. Im Schnitt haben die Erlöse zwar nur um knapp 2 Prozent auf knapp 27 Mrd. nachgegeben, doch im zweitgrößten Produktionszweig, der Schweineproduktion, ist der Einbruch dramatisch. Hier gingen die Verkaufserlöse infolge der massiven Marktverwerfungen aufgrund von Corona und der Afrikanischen Schweinepest (ASP) um rund 15 Prozent auf 6,95 Mrd. Euro zurück.

So wenig Geld hat die Schweineproduktion den Landwirten seit Jahrzehnten nicht mehr eingebracht. Die Folgen zeigen die dramatischen Daten der letzten Viehzählung mit überdurchschnittlich vielen Betriebsaufgaben und erheblich weniger Schweinen.

Dagegen scheint sich die Lage in der Milchproduktion allmählich zu stabilisieren. Zwar haben auch noch einmal viele Bauern die Kühe abgeschafft und die Hoftore für immer dicht gemacht. Doch die Milchpreise steigen langsam und die Verkaufserlöse lagen im wichtigsten Zweig der deutschen Tierproduktion im Jahr 2021 rund 4,5 Prozent höher – bei 11,3 Mrd. Euro.

Das ist zwar noch lange keine Entwarnung, jedoch ein positives Signal. Immerhin erwirtschaften die Milchbauern rund 24 Prozent der Gesamterlöse der Landwirtschaft – die Schweinehalter kommen auf knapp 15 Prozent und die Getreidebauern steuern ebenfalls etwa 15 Prozent bei.

Besonders erfreulich ist die Entwicklung in der Rindfleischproduktion: Mit den Rekordpreisen aus dem vorigen Jahr kletterten die Erlöse der Bullenmäster - trotz einer deutlich kleineren Produktionsmenge - um mehr als 11 Prozent auf 3,8 Mrd. Euro. Fast 5 Prozent weniger Geld als im Jahr zuvor verdienten hingegen die Eierproduzenten mit etwa 1,08 Mrd. Euro und auch die Geflügelproduzenten hatten mit 2,3 Mrd. Euro gut 9 Prozent weniger im Portemonnaie als im Jahr zuvor.

Ein dickes Plus von 21 Prozent auf 0,2 Mrd. Euro ermittelte die BLE in der Schafhaltung. So viel Geld haben die Schafhalter die letzten 10 Jahre nicht verdient.

Kosten wohl auf neuem Rekordstand

Kosten.

Zum Abschluss noch ein Blick auf die Kosten – die bei der BLE Vorleistungen genannt werden. Hier dürfte es bei den endgültigen Daten wohl noch deutliche Korrekturen nach oben geben. Der Grund: Nicht für alle Kostenarten waren die Daten vollständig und die Betriebsmittelpreise sind in den letzten beiden Monate des Jahres 2021 geradezu explodiert. Und diese beiden Monate waren in der vorläufigen Kostenschätzung überhaupt noch nicht enthalten.

Trotzdem kurz ein Blick auf die verfügbaren Daten: Nach den Berechnungen der BLE sind die Produktionskosten 2021 um 6,5 Prozent gestiegen und damit stärker als die Verkaufserlöse mit 5,8 Prozent. Die Kostensumme ist mit 39,4 Mrd. Euro nach den verfügbaren Daten wohl auch ein neuer Rekordwert. Dennoch zeigen die detaillierten Betriebsmittelkosten bzw. Vorleistungen noch Korrekturbedarf.

So sind zwar die berücksichtigten Kosten für Dünger, Energie, Saat- und Pflanzgut sowie Futtermittel deutlich gestiegen, doch im Vergleich zur Wirklichkeit noch relativ moderat. Gleichzeitig blieben die Kosten für Instandhaltung von Maschinen und Bauten unverändert. Das widerspricht der jüngsten Entwicklung deutlich. Dennoch zeigt auch die Kostenschätzung der BLE, wo die Reise für die Landwirte auf der Kostenseite hingegangen ist: So weit nach oben wie noch nie zuvor.

Dennoch ist – zumindest rein statistisch – vor allem im Ackerbau etwas von den Erlösen übrig geblieben, sagen jedenfalls die Zahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).

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