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Landwirtschaftliche Einkommen und Steuern

Vermögenssteuer bei Landwirten: Kostet 50 Prozent des Einkommens

ackerland.
am Montag, 20.09.2021 - 10:47 (8 Kommentare)

Eine Vermögenssteuer von 1 Prozent reduziert das Einkommen von Landwirten bis zu 54 Prozent. Das ist eine schleichende Enteignung, sagt der Verband der Familienbetriebe Land und Forst (FABLF).

Eine Vermögensteuer stellt für die Landwirte und Forstwirte eine ungemein hohe Belastung dar: Ackerflächen und Wald bilden bei Familienbetrieben einen großen Teil des Betriebs-Vermögens. Gleichzeitig sind diese Flächen die Erwerbsgrundlage der Betriebe.

Ein Vermögensteuersatz von einem Prozent bedeutet für bei landwirtschaftlichen Betrieben einen Rückgang des Nettoeinkommens um mindestens 29 bis hin zu 54 Prozent. Bei forstwirtschaftlichen Betriebe sinkt das Einkommen um 14 bis 29 Prozent.

Dies zeigt eine repräsentative Studie der Georg-August-Universität Göttingen und der BB Göttingen GmbH die im Auftrag der Familienbetriebe Land und Forst e.V (FABLF). durchgeführt wurde.

Von einer Vermögenssteuer betroffen sind nach Schätzungen der FABLF rund 75 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe sowie 40 Prozent der privaten Waldfläche in Deutschland.

Vermögensteuer entzieht Lebensgrundlagen

Ackerland.

Eine zentrale Botschaft der Studie: Die Vermögensteuer erhöht das unternehmerische Risiko für die betroffenen land- und forstwirtschaftlichen Betriebe. Eine Vermögensbesteuerung schmälert den bereits versteuerten Gewinn, mindert die Eigenkapitalbasis und kann in die Substanz von Betrieben eingreifen. Denn sie fällt unabhängig davon an, ob aus dem Vermögen, also den Acker- und Forstflächen, ein Ertrag entsteht.

Prof. Dr. Bernhard Möhring, Leiter Abteilung für Forstökonomie der Georg-August-Universität Göttingen, sagt: „Die Vermögensteuer ist zwar eine Personensteuer, jedoch aus betrieblichen Gewinnen zu tragen: Damit wirkt sich die Vermögensteuer – insbesondere in Kombination mit der Einkommensteuer – unmittelbar auf die Nettoeinkommen der Land- und Forstwirte aus.“

Eine Wiedereinführung der Vermögenssteuer wird im aktuellen Bundestagswahlkampf von den unterschiedlichen Parteien recht intensiv und kontrovers diskutiert. Im Wahlprogrammen der SPD (2021) findet sich bspw. die Formulierung: „Wir wollen die Vermögenssteuer wieder in Kraft setzen. ... Deshalb werden wir unter anderem einen maßvollen, einheitlichen Steuersatz von einem Prozent für sehr hohe Vermögen einfuhren.“

Schleichende Enteignung für Landwirte

„Die Vermögensteuer trifft die Land- und Forstwirte ungeheuer hart, denn sie wird radikal zu einer sukzessiven Destabilisierung und Verkleinerung der Betriebe führen. Überspitzt gesagt, haben wir es bei der Vermögensteuer in unserer Branche mit einer schleichenden Enteignung zu tun“, sagt Max von Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst.

„Die Betriebe müssen mittlerweile vermehrt schlechte oder ausbleibende Ernten durch extreme Trockenheit, Starkregen oder Hagel aus eigener Kraft kompensieren. Viele unserer Mitgliedsbetriebe – vor allem im Forstbereich – haben in Folge der Extremwetterereignisse der vergangenen Jahre bereits einen Großteil ihrer Substanz und damit ihrer Ertragskraft verloren," sagt von Elverfeldt weiter.

Vermögenssteuer hat „Fixkosten-Charakter

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Die Vermögensteuer bedeutet ein zusätzliches kaum kalkulierbares Politikrisiko für die Land- und Forstwirtschaft. Wie kaum eine andere Berufsgruppe wird die Ausgangssituation für Land- und Forstwirte bereits sehr stark von politischen Entscheidungen und damit einhergehenden Veränderungen beeinflusst – beispielsweise durch erhöhte Natur- und Klimaschutzanforderungen.

Eine Vermögensbesteuerung würde den Netto-Gewinn (nach Steuern) Schmälern und damit die Eigenkapitalbasis schwächen und kann darüber hinaus in die Substanz von Betrieben eingreifen, da sie unabhängig davon anfällt, ob aus dem Vermögen ein Ertrag entsteht. Vor allem in Zeiten mit niedrigen oder ausbleibenden Gewinnen bspw. infolge erhöhter Witterungsrisiken und der Risiken des Klimawandels, ist durch die Vermögenssteuer, die „Fixkosten-Charakter“ hat, ein Substanzverzehr zu erwarten.

Das gilt auch für die Forstbetriebe, die als Folge der Extremwettereignisse der letzten Jahre bereits ihre Substanz und damit Ertragskraft verloren haben.

Bis 1997 wurde in Deutschland eine allgemeine Vermögenssteuer erhoben. Sie bezog sich sowohl auf natürliche als auch auf juristische Personen. Der Steuersatz für natürliche Personen belief sich auf 0,5 % und für juristische Personen auf 0,6 % des steuerpflichtigen Vermögens. Mit Gültigkeit vom 01.01.1995 wurde der Steuersatz für natürliche Personen verdoppelt.

Ausgenommen von dieser zusätzlichen Steuererhöhung blieb damals das land- und forstwirtschaftliche Vermögen.

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