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Produktion und Förderung

Vernetzte Landtechnik: "Das Anforderungsniveau steigt"

von , am
08.04.2014

Die Anforderungen an digitale landwirtschaftliche Vernetzung und Prozessketten sind groß. Welche Möglichkeiten daraus entspringen, darüber wurde auf den KTBL-Tagen in Potsdam diskutiert.


In seinem Vortrag ging Jan Horstamnn von der Maschinenfabrik Bernard Krone GmbH auf die Vernetzung über Herstellergrenzen hinweg ein. Einzelkomponenten und Maschinen seien demnach innerhalb ihrer Grenzen bis auf ein Maximum optimiert. Eine höhere Einsatzleistung könne vor allem durch die Optimierung von Maschinenverbunden und Prozessketten erreicht werden. Dienste-basierte Online-Plattformen werden dabei in Zukunft die Schnittstelle zum Büro der Landwirte, Lohnunternehmer und Maschinenringe darstellen.
Als Einstieg in die Optimierung sei die Maschinendokumentation zu betrachten. Dank ISOBUS könnten Landmaschinen heute standardisiert und verständlich eine Arbeitsdokumentation abliefern, um aktuelle Cross-Compliance- Anforderungen zu erfüllen. Standortbezogene Dienste und ein Wissensnetzwerk helfen, die landwirtschaftlichen Arbeitsprozesse zu optimieren. So beginne der Prozess mit der Sammlung von Flächeninformationen, insbesondere der Feldkonturen. Alle eingehenden Aufträge werden in eine logistisch und sinnvolle Reihenfolge gebracht. Der digitale Auftagszettel als ISOXML zum Maschinenterminal oder an das Tablet des Fahrers übermittelt. Während der Auftragsbearbeitung werden teilflächenspezisch alle relevanten Arbeitsparameter aufgezeichnet.
 
Durch den Einsatz von Telematik-Diensten werde die Prozess- und Arbeitstransparenz gesteigert. Neben der Kontrolle des aktuellen Arbeitsfortschritts lassen sich die Daten unmittelbar für die Rechnungslegung und zu Controlling-Zwecken weiterverwenden.

Landwirtschaft komplexer als Industrie

Automatisierung und Vernetzung werden die Abläufe in der Landwirtschaft auf lange Sicht revolutionieren und für einen neuen Produktivitätsschub sorgen. Es müsse aber darauf geachtet werden, in diesem Prozess die Balance zwischen technischem Fortschritt und praktischer Umsetzbarkeit zu wahren, erklärte Prof. Joachim Hertzberg vom Deutschen Forschungs Osnabrück am Rande der KTBL-Tage. Die Vorteile der Automatisierung und Datenvernetzung sieht Hertzberg insbesondere in einer optimierten Ressourcennutzung, die ihrerseits aus der besseren Verfügbarkeit und Nutzung relevanter Produktionsdaten resultiere. Dies ermögliche beispielsweise eine wesentlich effizientere Koordination innerhalb der Prozesskette oder auch eine wirklich umfassende Dokumentation der landwirtschaftlichen Erzeugung.
  • KTBL-Tage 2014: Der Nutzen der Vernetzung (02. April)

Prof. Arno Ruckelshausen von der Hochschule Osnabrück wies in diesem Zusammenhang auf die hohen theoretischen und praktischen Ansprüche an technische Lösungen für vernetzte und automatisierte Prozesse in der Landwirtschaft hin. Anders als beispielsweise in der Industrie, wo genau definierte Bedingungen vorlägen, müssten sich die Entwickler der automatisierten Landtechnik mit wesentlich komplexeren Variablen auseinandersetzen und dabei zusätzlich die ökonomischen, sozialen und ökologischen Folgen für die Landwirtschaft berücksichtigen, erläuterte Ruckelshausen. Die neuen technischen Ansätze stellen aus seiner Sicht auch keine Alleinlösung für den Agrarsektor dar, sondern bieten stattdessen neue Wege zur ressourcen- und umweltschonenden Produktion. Beispielsweise könne die genaue Kenntnis der Feldbedingungen bis hin zur Einzelpflanze eines Tages einen ganz spezifischen Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln ermöglichen, der im Einzelfall sogar den Verzicht auf diese Mittel oder den Dünger erlaube, so der Osnabrücker Agrarwissenschaftler.

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