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Klimawandel und Risikomanagement

Versicherer schlagen Alarm: Deutschlands Böden trocknen aus

Trockener Boden unter Weizen
am Dienstag, 30.03.2021 - 11:20 (Jetzt kommentieren)

Deutschlands Böden werden trockener. Darunter leiden zuallererst die Landwirte. Die Versicherungsbranche schlägt jetzt Alarm – und fordert staatliche Zuschüsse zur Mehrgefahrenversicherung.

Die klimatischen Bedingungen für die Landwirtschaft in Deutschland haben sich erheblich verschlechtert. Es ist zu heiß und zu trocken. Das zeigt ein neuer Langzeitvergleich des Deutschen Wetterdienstes (DWD) im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Allein in den vergangenen drei Jahren lag die Bodenfeuchte – und damit die nutzbare Feldkapazität – bei Winterweizen um bis zu 40 Prozent unter dem langjährigen Mittel.

Angesichts dieser Entwicklung fordern die Versicherer staatliche Zuschüsse zu Dürreversicherungen, damit Landwirte das höhere Ertragsrisiko absichern können. Bislang ist nur ein sehr kleiner Teil der landwirtschaftlichen Anbaufläche in Deutschland gegen Dürre versichert, was vor allem an den hohen Prämien und Selbstbehalten für diese Policen liegt.

Für den Weizenanbau fehlen Niederschläge im Frühjahr

Trockenstreifen

Im Auftrag des GDV hat der Wetterdienst die Abweichung der Bodenfeuchte erstmals grafisch in Form von Trockenstreifen, sogenannten Drying Stripes, dargestellt. Sie zeigen die Bodenfeuchte seit 1961 für Winterweizen, der mit knapp 2,8 Millionen Hektar wichtigsten Getreideart hierzulande. Jeder Streifen steht für ein Jahr: Je größer die Abweichung zum langjährigen Mittel, desto dunkler die Farbe und desto trockener der Boden.

In der Grafik fallen die vergangenen drei Jahre deutlich auf. Vor allem in der für den Weizenanbau so wichtigen Zeit von April bis Juni fiel viel zu wenig Regen – ein Szenario, das nach Einschätzung des GDV in Zukunft öfter auftreten dürfte.

Die letzten drei Jahre waren viel zu warm und zu trocken

Temperaturabweichung in Deutschland

„Wir müssen uns auf die Zunahme von Wetterextremen wie längere Trockenheit und punktuelle Starkregen einstellen“, sagt Wolfgang Janssen, Leiter der Agrarmeteorologie beim DWD. Beides sind Begleiterscheinungen der steigenden Temperaturen in Deutschland.

Den Trend zur Erwärmung zeigt sehr deutlich die DWD-Grafik der Hitzestreifen, sogenannten Warming Stripes. Neun der zehn wärmsten Jahre seit Beginn der Messungen fallen in die Zeit nach der Jahrtausendwende.

Die letzten drei Jahre gehören laut DWD zu den acht extremsten – viel zu warm und viel zu niederschlagsarm.

Eine Versicherungslösung spart staatliche Nothilfen

„Der Staat sollte die landwirtschaftliche Mehrgefahrenversicherung bezuschussen“, fordert darum GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Diese Policen können alle Wetterrisiken einschließen, also auch Trockenheit.

Denn für die Versicherer zählt Trockenheit zu den sogenannten Kumulrisiken: Dürre kann – wie die vergangenen Jahre gezeigt haben – mehrere Regionen gleichzeitig treffen. Dann treten sehr hohe Schäden ein, was die Versicherung gegen dieses Risiko extrem teuer macht. Staatliche Zuschüsse würden die Policen erschwinglicher machen.

Nach Einschätzung des GDV würde davon auch der Staat profitieren. „Die Politik müsste Missernten nicht mehr mit Nothilfen in Millionenhöhe ausgleichen“, sagt Asmussen. Allein 2018 stellten Bund und Länder aufgrund eines nationalen Notstands gemeinsam 350 Mio. Euro Dürrehilfen zur Verfügung; davon wurden 228 Mio. Euro ausgezahlt.

Einige Bundesländer bieten Zuschüsse an - mit Erfolg

In Deutschland werden staatliche Zuschüsse zu Mehrgefahrenversicherungen bisher nur auf Länderebene angeboten. So erhalten Winzer und Obstbauern in Bayern und Baden-Württemberg Zuschüsse, um Schäden durch Frost oder Starkregen abzusichern. Damit ist es gelungen, den Anteil der versicherten Anbaufläche deutlich zu steigern. „Staatliche Förderprogramme sind ein wirksames Mittel, um den Versicherungsschutz gegen Wetterrisiken in der Landwirtschaft zu erhöhen“, sagt Asmussen.

Hier geht es zum aktuellen Wetter in Ihrer Region.

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