Wasserpreise einfach verdoppelt: Landwirte sind geschockt
Die Wasserpreise sind für Landwirte ein enorm wichtiger Kostenfaktor. Besonders für Milchbauern. Sie trifft jede Erhöhung hart. Denn sie können beim Verbrauch kaum sparen.
In der Gemeinde Icking im oberbayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen müssen Anwohner und Landwirte jetzt doppelt so viel für Wasser zahlen wie zuvor. Begründet wird das mit einer Sanierung des Wasserversorgung bzw. des Leitungsnetzes in der Gemeinde.
„Wir haben um jeden Cent gerungen“, sagte die Bürgermeisterin Verena Reithmann gegenüber dem Münchner Merkur. Am Ende hat der Gemeinderat eine Erhöhung auf 3,88 Euro je Kubikmeter (cbm) beschlossen. Bis dahin kostete ein Kubikmeter Wasser in Icking 1,43 Euro und in Dorfen 2,06 Euro je cbm. Künftig gilt für die gesamte Gemeinde ein Preis von 3,88 Euro je cbm.
Das letzte für das gesamte Bundesland Bayern vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte verbrauchsabhängige Wasserentgelt ist aus dem Jahr 2019 und liegt bei 1,65 Euro je Kubikmeter – also deutlich darunter. „Die Sanierung ist jetzt einfach nötig“, begründet die Bügermeisterin den Preisaufschlag gegenüber dem Merkur. Mit der Erhöhung des Wasserpreises ist auch eine Änderung der Grundgebühr verbunden, bisher war diese einheitlich.
Vor allem Großverbraucher müssen deutlich mehr für Wasser zahlen. Dazu gehören vor allem auch Landwirte, die für ihre Betriebe viel Wasser benötigen. Ihnen preislich entgegenzukommen, sei aber rechtlich nicht möglich, sagt jedenfalls die Gemeinde.
Milchbauer zahlt 10.000 Euro für Wasser - das ist doppelt so viel
Betroffen ist auch der Milchbauer Josef Kierein. Als ihm die Wasserabrechnung ins Haus flatterte, wollte er seinen Augen nicht trauen, sagt er gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Rund 10.000 Euro muss der Landwirt jetzt im Jahr zahlen. Das ist etwa doppelt so viel wie bisher.
Der Milchbauer, der 50 Milchkühe im Stall stehen hat, ist geschockt. Er ist einer von sieben Landwirten in der Gemeinde, die überhaupt noch Milchkühe halten. Sie sind als Großabnehmer von den hohen Preisen besonders hart getroffen. Das Problem für die Bauern ist nämlich: Sie können die höheren Kosten nicht einfach an die nächste Handelsstufe weiterreichen, sagt die Bauernverbands-Ortsvorsitzende Ruth-Maria Frech gegenüber der Süddeutschen.
Eigentlich müssten wir jetzt einen deutlich höheren Milchpreis verlangen, sagt Frech. Einen Preis, den keine Molkerei zahlen will. Auch eine Landwirtin aus dem benachbarten Irschenhausen ist von der Verdopplung der Wasspreise betroffen. Sie muss für ihr Wasser jetzt 7000 Euro mehr ausgeben, sagt sie.
Jede Milchkuh trinkt zwischen 70 und 150 Liter am Tag, sagt die Bäuerin. Dazu müsse zweimal am Tag die Melkanlage und der auch Milchtank gespült werden, mit Trinkwasser natürlich. Der Grund: Die strengen Hygienevorschriften. Da kommt einiges an Wasser zusammen. Einsparen lässt sich da kaum etwas.
Im Nordwesten zahlen die Bauern für Wasser am wenigsten
Deutschlandweit lagen die Wassergebühren – also das verbrauchsabhängige Wasserentgelt – nach den letzten Angaben des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2019 bei 1,75 Euro je cbm. Für den Freistaat Bayern wurde ein Durchschnittspreis von 1,65 Euro je cbm ermittelt – also weniger als das Bundesmittel und nicht einmal halb so viel wie jetzt Icking.
Die höchsten Wasserpreise – nämlich 2,20 Euro je cbm müssen Landwirte und Verbraucher in Baden-Württemberg zahlen. Mehr als 2,0 Euro kostet das Wasser die Bauern außerdem auch in Hessen – nämlich 2,09 Euro je cbm sowie in Thüringen und im Saarland.
Am günstigsten ist Wasser für Landwirte in Niedersachsen und in Schleswig-Holstein. Dort mussten Bauern und Verbraucher nur 1,31 Euro je cbm bzw. 1,50 Euro je qm zahlen.
Nach den Angaben von Destatis sind die Wasserpreise von 2017 bis 2019 relativ moderat von 1,73 auf 1,75 Euro je cbm gestiegen – das könnte sich angesichts der durch Corona sehr knappen Kassen in vielen Gemeinden allerdings ändern – wie das Beispiel aus Bayern zeigt. Dort waren die Gebühren bereits von 2017 bis 2019 von 1,59 auf 1,65 Euro je cbm stärker gestiegen als im Bundesmittel.
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