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Produktion und Förderung

Weizen: '300 Euro noch vor Weihnachten'

von , am
07.09.2012

Mannheim - Die Preise für Getreide und Ölsaaten werden vorerst weiter steigen, so Berthold Nolte, Südzucker. Das ganze Ausmaß der globalen Missernte werde bislang unterschätzt.

Berthold Nolte, Leiter Geschäftsbereich Landwirtschaft Südzucker, rechnet bis Weihnachten mit Weizenpreisen in Höhe von 300 Euro je Tonne. © leh
Berthold Nolte, der Leiter des Geschäftsbereichs Landwirtschaft der Südzucker AG, prognostizierte gestern auf den DLG-Unternehmertagen in Mannheim: "Weizen wird an der Matif noch vor Weihnachten für 300 Euro je Tonne (€/t) gehandelt werden“, sagte Nolte voraus.
 
Er rechnet fest damit, dass das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) bei seiner nächsten Schätzung am 12. September die weltweite Maisernte erneut nach unten korrigiert. Seit Mai senkte das USDA seine Prognose bereits um 97 Millionen Tonnen auf 849 Millionen Tonnen Mais.
 
Auch die tatsächliche Weizenernte in Russland wird nach Einschätzung von Nolte bislang zu hoch angenommen. Das russische Analystenbüro SovEcon beziffert die Weizenernte auf 38 Millionen Tonnen; das wären 3,5 Millionen Tonnen weniger als im Dürrejahr 2010. Damals verhängte Moskau kurzfristig ein Exportverbot. Das stürzte die Märkte in Turbulenzen. Dieses Jahr verzichtet die russische Regierung bisher auf einen Ausfuhrstopp.

Spekulanten stehen Long

Nolte hob hervor, die Spekulanten an den Terminbörsen hätten bei Getreide und Soja hohe Netto-Long-Positionen aufgebaut. Sie rechneten also offensichtlich mit einem weiteren Preisanstieg. Abgesehen vom Risiko einer globalen Finanzkrise können nach Einschätzung des Südzucker-Managers nur zwei Faktoren zu signifikant niedrigeren Getreidepreisen führen:
  1. Der Verbrauch reagiert auf die hohen Preise und geht deutlich zurück. "Dafür sind die Preise aber noch nicht hoch genug", so Nolte.
  2. Es liegen realistische Schätzungen für eine sehr gute Ernte 2013 auf der Nordhalbkugel vor. Das könne aber frühestens im Mai oder Juni kommenden Jahres der Fall sein.
Die Ernte 2013 der landwirtschaftlichen Betriebe der Südzucker AG hat Nolte bei Getreide und Raps angesichts der derzeit erzielbaren guten Erlöse zu einem Viertel vermarktet. 

China beeinflusst den Sojamarkt

Peter Carsten Ehlers, Vorstand Getreide AG. © leh
Auch Peter Carsten Ehlers, Vorstand der Getreide AG in Rendsburg, rechnet mit weiter steigenden Weizenpreisen. Hinsichtlich der Preise für Soja und damit Eiweißfuttermittel hänge viel davon ab, wie die nächste Ernte auf der Südhalbkugel ausfalle und wie hoch der Importbedarf Chinas sei, erläuterte Ehlers. Bislang habe die Volksrepublik noch Jahr für Jahr mehr Soja auf dem Weltmarkt eingekauft.

Langfristige Preisbindung kommt

Franz Engelke, Geschäftsleiter Wesermühlen Hameln, Kampffmeyer Mühlen GmbH. © leh
Franz Engelke, der Geschäftsleiter der Wesermühlen Hameln, Kampffmeyer Mühlen GmbH, ist davon überzeugt, dass die Marktpartner auf die starke Unsicherheit an den Märkten künftig mit langfristigen Kontrakten reagieren werden. "Es wird völlig neue Formen der Partnerschaft geben über die gesamte Vermarktung", sagte Engelke.
 
In zehn Jahren werde auch die pflanzliche Erzeugung in vertikalen Ketten arbeiten. Der Mühlen-Experte prognostizierte Verträge mit auf drei Jahren festgelegten Getreidepreisen und definierten Qualitätskriterien. Solche individuellen Partnerschaften würden aber nicht den Massenmarkt ausmachen und hingen von bestimmten Mindestmengen ab.
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