Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Kontovergleich

Welche Strategie bringt das meiste Geld (Teil 3)

am Donnerstag, 04.02.2016 - 07:00 (Jetzt kommentieren)

Die Weizenpreise sind im Dezember unter die Räder gekommen. Wie erfolgreich verschiedene Vermarktungsstrategien seit der Ernte 2015 waren, zeigt der Wettbewerb von drei rheinischen Ackerbauern. Eine Zwischenbilanz.

Seit dem 1. September läuft ein Vermarktungswettbewerb des agrarmanagers mit drei rheinischen Ackerbauern: Wagner, Maier und Schulze haben im Sommer je 1.000 t Weizen gedroschen und wollen diesen mit börsengestützten Vermarktungsinstrumenten bestmöglich vermarkten. Jetzt ist es Zeit für die nächste Zwischenbilanz. Die Weizenpreise sind im Dezember regelrecht unter die Räder gekommen. Grund dürfte unter anderem die rekordhohen russischen Exportzahlen sein. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Preise am Terminmarkt derzeit um rund 25 € niedriger. Dazu kommt die Verunsicherung an den Finanz-und Rohstoffmärkten.

Aktuelle Lage

  • An der Matif hat sich der für unsere Vermarktungsstrategen maßgebliche März 2016-Kontrakt in den vier Monaten, seit der Wettbewerb nun läuft, unterm Strich von 177,50 auf 173,50 €/t verbilligt: Zwischenzeitlich hatte der gleiche Kontrakt schon mal über 190 €/t gekostet.
  • Am rheinischen Kassamarkt bleibt im Viermonatsvergleich zumindest noch ein kleines Plus übrig: Die Brotweizenpreise sind zwischen Anfang September und Ende Dezember von 168 auf 171 €/t glatt gestiegen.

Strategie 1: Weizenverkauf und Futureskauf

Für Ackerbauer Maier, der seinen physischen Weizen ex Ernte verkauft (für 168 €/t) und eins zu eins gegen "Papier-Weizen" von der Matif getauscht hat, sieht die Rechnung zum Jahreswechsel folgendermaßen aus:

  • Kontostand zum Start: 20.000 €
  • Kontraktkauf (1. September): 177,50 €/t
  • Kontraktwert (1. Januar): 173,50 €/t
  • Börsenverlust (-4,00 €/t × 1.000 t): -4.000 €
  • Transaktionskosten (half-turn): -250 €
  • Kontostand (1. Januar): = 15.750 €

Der Matif-Kontrakt hat sich zwischen Anfang September und Ende Dezember unterm Strich um 4 €/t verbilligt, bei 1.000 t (20 Kontrakte mit je 50 t Weizen) macht das einen Börsenverlust von 4.000 €. Der Kontostand hat sich nach Abzug der Handelskosten auf 15.750 € dezimiert.

Strategie 2: Weizenverkauf + Call-Kauf

Maiers Kollege Schulze wettet mit Call-Optionen auf einen Preisanstieg beim Weizen. Die werden wertvoller, wenn die Preise für Matif-Weizen steigen. Dazu hat der Ackerbauer am 1. September insgesamt 20 Call- Optionen (=1.000 t Weizen) gekauft.

  • Kontostand zum Start: 20.000 €
  • Optionskauf (1. September): 8,30 €/t
  • theoretischer Verkaufswert (1. Januar): 2,05 €/t
  • Börsenverlust (-6,25 €/t × 1.000 t): -6.250 €
  • Transaktionskosten (full-turn): -500 €
  • Kontostand (1. Januar): = 13.250 €

Die gleiche Option, für die Anfang September noch 8,30 €/t angelegt werden mussten, war Ende Dezember für nur noch 2,05 €/t zu haben. Der Preisverfall reflektiert die gesunkene Wahrscheinlichkeit, dass die Call-Optionen während der verbleibenden Restlaufzeit "ins Geld" kommen, dass also der den Optionen zugrunde liegende Matif-Weizen über die Auslöseschwelle von 180 €/t klettert.

Schulze erzielt durch den Kauf der Call- Optionen einen Börsenverlust in Höhe von 6,25 €/t (2,05 €/t - 8,30 €/t) beziehungsweise 6.250 €. Der Kontostand ist damit unterm Strich auf 13.250 € gefallen.

Strategie 3: Einlagerung + Call-Verkauf

Auch Landwirt Wagner stellt sich unserem diesjährigen Vermarktungswettbewerb. Anders als seine Kollegen rechnet er mit stagnierenden oder sogar weiter fallenden Getreidepreisen. Und zur Halbzeit der Vermarktungskampagne steigt die Wahrscheinlichkeit immer weiter, dass Wagner mit seiner Einschätzung am Ende recht behalten wird. Er hat seine 1.000 t Weizen weggepackt und parallel dazu 40 Call-Optionen auf 2.000 t Matif-Weizen verkauft. Vom Käufer der Optionen hat er dafür eine Prämie in Höhe von 7,70 €/t vereinnahmt. Die Prämie verbessert sein Vermarktungsergebnis, sollten die Weizenpreise tatsächlich über Winter nicht die Kurve kriegen.

  • Kontostand zum Start: 20.000 €
  • Verkaufswert (1. September): 7,70 €/t
  • Rückkaufwert (1. Januar 2015): 2,05 €/t
  • Börsenverlust (Verkauf 2 Optionen) -335 €
  • Gewinn aus 38 Stück (5,65 €/t × 38 Opt. × 50 t/Opt. =) +10.735 €
  • Transaktionskosten (full-turn): -1.000 €
  • Kontostand (1. Januar): = 29.400 €

Einerseits hat sich Wagners eingelagerter Weizen durch den Preisanstieg am Kassamarkt um 3.000 € verteuert. Wagner hält zum 1. Januar nur noch 38 Optionen, da seine Optionsposition laufend an den jeweiligen Terminpreis angepasst werden muss. Börsenprofis nennen diesen Vorgang dynamisches Hedging. Hätte Wagner die Optionen am Jahresende zurückgekauft, hätte er nur noch 2,05 €/t bezahlen müssen. Daraus resultiert zum Stichtag 1. Januar ein Börsengewinn von 10.735 €.

Fazit

  • Der sofortige Weizenverkauf schneidet mit 168.000 € nach vier Monaten Vermarktungswettbewerb nicht mehr am schlechtesten ab. Zwar sind die Kassapreise zwischen Anfang September und Ende Dezember um immerhin 3 €/t gestiegen. Dem stehen aber für die vier Monate Lagerkosten in Höhe von 8 €/t gegenüber. Unterm Strich verliert also 5.000 €, wer 1.000 t Weizen nach der Ernte eingelagert hat, wie aus obiger Tabelle hervorgeht.
     
  • Bisher am besten schlägt sich die Einlagerung mit Call-Verkauf bei einer aktuellen Bewertung von 172.400 €.
     
  • Dazwischen rangiert die Strategie mit gleichzeitigem Kauf von Terminkontrakten (163.750 €). Auf dem aktuell letzten Rang findet sich die Einlagerung mit Call-Verkauf (161.250 €).
     

Weizenernte der Superlative: Die Rekordhalter und ihre Maschinen

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...