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Ernteversicherung

Witterungsextreme machen der Vereinigten Hagel zu schaffen

Unwetter über Rapsfeld
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Dr.Uwe Steffin, agrarheute
am
14.06.2018

Die diesjährigen Witterungsextreme könnten bei der Vereinigten Hagelversicherung zum zweiten Überschadensjahr nach 2017 führen. Darauf hat Vorstandschef Dr. Rainer Langner hingewiesen.

Witterungsereignisse hätten 2017 zur größten jemals ausgezahlten Versicherungssumme geführt und sich auch dieses Jahr mit unverminderter Heftigkeit fortgesetzt, erläuterte Langner am Rande der DLG-Feldtage in Bernburg/Sachsen-Anhalt.

Erneut hätten Starkregen, Hagel und Sturm schon jetzt zu gravierenden Schäden an den Kulturen geführt: Zwischen Ende April und erster Junidekade seien bereits mehr als 100.000 Hektar geschädigter Fläche gemeldet worden, was etwa der Hälfte der Schäden entspreche, die im Vorjahr zwischen Ende April und September registriert worden seien.

Beinahe im Zweitagesrhythmus seien Unwetter über das Land gezogen. Dies mache deutlich, dass eine Versicherung der Feldbestände heute wohl unverzichtbar sei, argumentierte der Vorstandsvorsitzende.

Sollte es 2018 tatsächlich zu einem weiteren Überschadensjahr in Deutschland kommen, führe dies aber nicht automatisch zu höheren Beiträgen für alle Versicherungsnehmer. Als deutscher Marktführer mit starker Internationalisierung sei die Vereinigte Hagel in der Lage, Wetterrisiken über ganz Europa zu streuen. Zudem werde ein Teil der versicherten Risiken an Rückversicherungsgesellschaften ausgelagert.

Trend zur Mehrfachversicherung

Dr. Rainer Langner

Für das laufende Anbaujahr erwartet die Vereinigte Hagel mehr als eine Million Hektar, die nicht nur gegen Hagel, sondern auch gegen weitere Witterungsereignisse wie Sturm und Starkregen versichert sind.

„Viele Landwirte nutzen die neuen Möglichkeiten, ihre Bestände flexibel zu schützen“, berichtete Langner. Individuell würden je nach Lage und Kultur etwa Hagel plus Starkregen, Sturm oder Frost im Paket versichert.

Grundsätzlich gebe es bei der Vereinigten Hagel bei ersatzpflichtigen Schäden keine Selbstbeteiligung, wie dies bei anderen Versicherern der Fall sei. Wer dennoch einen Selbstbehalt vereinbaren wolle, könne dies individuell wählen. Auch eine Plus-Variante, die zum Beispiel Zusatzkosten für Zukauf oder Sortierung abdeckt, könne abgeschlossen werden.

Dürreversicherung kein Thema in Deutschland

Das Wetter präsentiert sich derzeit in Deutschland zweigeteilt. Während es im Norden und Osten vielerorts seit Ende April kaum geregnet hat, ist es im Süden viel zu nass. Bernburg, diesjähriger Standort der DLG-Feldtage, liegt im Regenschatten des Harzes und auch dort wird trotz guter Böden mit Ertragsausfällen durch fehlende Niederschläge gerechnet.

Obwohl Trockenheit durch den Klimawandel seit Jahren immer wieder ein Thema ist, sind Versicherungen gegen Dürreschäden hierzulande bisher kaum verbreitet. Thomas Gehrke, ebenfalls Vorstandsmitglied der Vereinigten Hagel, beziffert den Anteil der gegen Dürreschäden versicherten Flächen in ganz Deutschland auf weniger als 500 ha.

Die Zurückhaltung der Landwirte habe auch damit zu tun, dass Versicherungen gegen Trockenheit – anders als z.B. die klassische Hagelversicherung – mit 19 % Versicherungssteuer beaufschlagt würden, so Gehrke, der im Oktober 2017 in den Vorstand des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit mit Sitz in Gießen berufen wurde.  Zudem würden Trockenschäden nicht von Schätzern vor Ort ermittelt. Die Ausgleichszahlung orientiere sich deshalb nicht am tatsächlichen Schaden, sondern an einem Index, der unter anderem die verfügbare Wasserkapazität an einer bestimmten Messstelle abbilde.

Mit Material von Vereinigte Hagelversicherung

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