Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Pachtmarkt und Nebenerwerb

Pachtpreise: Zahlen die Bauern im Nebenerwerb weniger Pacht?

ackerflaechen.
am Dienstag, 31.08.2021 - 10:51 (2 Kommentare)

Die Pachtpreise steigen für alle Betriebsformen steil an. Auch für Landwirte im Nebenerwerb.

Pachtpreise.

Die Frage lautet nun: Sind die Pachtkosten für Nebenerwerbler genauso so hoch wie für Haupterwerbsbetriebe – und was sind die Unterschiede zwischen den beiden Bewirtschaftungsformen – und zwischen den Bundesländern. Um es vorwegzusagen: Die Pachtkosten für Nebenerwerbsbauern sind im Bundesmittel 60 Euro je Hektar niedriger als für Haupterwerbsbetriebe. So lagen die durchschnittlichen Pachtpreise für Nebenerwerbsbauern nach den Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2020 bei 316 Euro je Hektar – im Vergleich zu 376 Euro je Hektar im Haupterwerb.

Vier Jahre zuvor (2016) mussten die Nebenerwerbler nach den Daten des Statischen Bundesamtes erst 270 Euro auf den Tisch blättern! Das ist ein Preissprung von 44 Euro oder 17 Prozent. Dabei gibt es zwischen den Bundesländern weiterhin erhebliche Unterschiede: Das betrifft sowohl die absoluten Höhe der Nebenerwerbspachten – als auch die Preisdifferenz zwischen beiden Bewirtschaftungsformen.

Die mit Abstand höchsten Pachtpreise müssen die Nebenerwerbslandwirte – wie auch die Kollegen im Haupterwerb – in Niedersachsen und in Nordrhein-Westfalen zahlen – deutlich dahinter rangieren in der Höhe der Nebenerwerbpachten dann Schleswig-Holstein und Bayern. Das sehr hohe Niveau im Nordwesten zeigt sich auch an anderer Stelle: So sind die Pachtpreise für Nebenerwerbsbauern in den beiden nordwestdeutschen Bundesländern mit 471 Euro je Hektar und 452 Euro je Hektar sogar höher als für die Haupterwerbsbetriebe in allen anderen Bundesländern (außer in Schleswig-Holstein).

Bemerkenswert ist allerdings, dass der Preisabstand zwischen Haupt- und Nebenerwerb in Nordrhein-Westfalen mit 76 Euro noch deutlich größer ist als Niedersachsen mit „nur“ 44 Euro. Allerdings gibt es auch Bundesländer mit ähnlich großen oder noch größeren Preisunterschieden zwischen beiden Bewirtschaftungsformen – wie etwa Rheinland-Pfalz mit 93 Euro und Mecklenburg-Vorp. mit 76 Euro je Hektar.

Die Zahl der Nebenerwerbsbauern ist in Nordrhein-Westfalen laut Destatis etwa ähnlich groß wie die der Haupterwerbsbetriebe und in Niedersachsen etwas kleiner – nur sind deren Höfe, und damit auch die insgesamt von den Nebenerwerblern gepachteten Flächen, nicht einmal halb so groß wie im Haupterwerb.

Hohe Nebenerwerbes-Pachten in SH und Bayern

Pachtpreise.

Auf Position drei in der Höhe der Pachtpreise – sowohl im Haupt- als auch im Nebenerwerb, liegt Schleswig-Holstein – mit 463 Euro bzw. 418 Euro je Hektar. Auch im hohen Norden zahlen die Nebenerwerbsbauern damit  höhere Pachtpreise als die Bauern in den übrigen Bundesländern (außer NRW und NS) im Haupterwerb.

Dabei ist die Zahl der Nebenerwerbsbauern – in Relation zu den Haupterwerbsbetrieben, in Schleswig-Holstein deutlich kleiner als in allen anderen Bundesländern – und liegt insgesamt nur etwa bei knapp 40 Prozent der Höfe. Gleichzeitig sind die Nebenerwerbsbetriebe, wie anderen Bundesländern auch, mit knapp 50 Hektar nicht einmal halb so groß wie die Bauernhöfe im Haupterwerb.

Im Ranking der Nebenerwerbspachtkosten auf Position vier liegt Bayern. Oder anders gesagt: Die Nebenerwerbsbauern in Bayern zahlen im Bundesvergleich mit 346 Euro je Hektar (wie im Haupterwerb auch) die vierthöchsten Pachtpreise. Gleichzeitig gibt es nicht nur die meisten Nebenerwerbsbauern in Bayern – sondern es sind mit rund 22.500 auch fast so viele Betriebe wie im Haupterwerb arbeiten.

Sie bewirtschaften allerdings mit rund 27 Hektar ebenfalls nur halb so viel Fläche wie die Haupterwerbsbauern – haben jedoch einen deutlich geringeren Pachtflächenanteil als ihre hauptberuflichen Kollegen.

Deutlich dahinter – mit einem Pachtpreis von 295 Euro je Hektar rangieren dann die Nebenerwerblandwirte in einem ostdeutschen Land – nämlich in Sachsen-Anhalt. Und dahinter – auf Position 6 - folgt dann Mecklenburg-Vorpommern, mit 225 Euro Pacht je Hektar für Nebenerwerbsbauern. In beiden Bundes-Ländern sind die Haupterwerbsbetriebe etwa dreimal wie die Nebenerwerbsberiebe bewirtschaften.

Im Südwesten sind die Betriebe klein – und die Pachten relativ hoch

Betriebsgröße.

Das Bundesland – mit den zweitmeisten Nebenerwerbsbauern (nach Bayern) ist Baden-Württemberg. Hier wirtschaften mit 14.350 sogar deutlich mehr Betriebe im Nebenerwerb als im Haupterwerb. Ihr Anteil an allen Betrieben ist nur noch in Hessen (deutlich) höher. Zahlen müssen die Nebenerwerbsbauern im Südwesten einen Pachtpreis von 221 Euro je Hektar – das sind 43 Euro weniger als für die Betriebe im Haupterwerb.

In den meisten anderen Bundesländern (außer in NRW, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern) ist die Differenz zudem deutlich kleiner – und in Schleswig-Holstein ähnlich groß. Allerdings sind die Nebenerwerbsbetriebe in Baden-Württemberg – im bundesweiten Vergleich – besonders klein – oder anders gesagt: die Haupterwerbstriebe sind mit rund 60 ha LN fast dreimal so groß.

Ähnlich wie in Bayern bewirtschaften die Nebenerwerbslandwirte im Südwesten im Vergleich zu den hauptberuflich tätigen Kollegen auch relativ viel Eigentumsland – der Pachtanteil liegt bei knapp 57 Prozent, im Haupterwerb sind es hingegen 66 Prozent.

Bezogen auf die die Zahl der Gesamtbetriebe gibt es nur noch Hessen mehr Nebenerwerb als in Baden-Württemberg. Dort weist die Statistik fast doppelt so viele Nebenerwerbsbauern aus, wie Landwirte im Haupterwerb. In Hessen zahlen die Nebenerwerbler allerdings auch nur 167 Euro Pacht. Deutlich weniger als in Baden-Württemberg.

Das agrarheute Magazin Die digitale Ausgabe Oktober 2021
agrarheute digital iphone agrarheute digital macbook
cover_agrarheute_magazin_1632882601.jpg

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...