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Soziale Landwirtschaft

Zweites Standbein: Seniorenbetreuung

dlz agrarmagazin, Bernadette Schweiger/agrarheute
am
09.12.2015

Seniorenbetreuung auf dem eigenen Hof? Für viele Betriebe könnte das eine Möglichkeit für ein zweites Standbein sein. Darauf sollten Sie achten:

Mit Blick auf die demographische Entwicklung gilt die Seniorenbetreuung als Zukunftsbranche. Diese kann auch für landwirtschaftliche Betriebe von Interesse sein. Viele alte Menschen scheuen einen Umzug in Seniorenheime in Städten und möchten im Alter lieber in ihrer gewohnten ländlichen Umgebung wohnen bleiben.

Immer mehr Senioren bevorzugen auch gemeinschaftliche Wohnformen. Wohngruppen oder wohnen in einer Dorfgemeinschaft gibt ihnen das Gefühl nicht allein, aber doch frei zu sein. Sie stützen sich gegenseitig und teilen gemeinsam mit Gleichgesinnten ihren Alltag und ihre Interessen. Der Wohnort Bauernhof bietet dabei allerlei Möglichkeiten den Lebensabend aktiv und gemeinschaftlich zu verbringen.

Für die landwirtschaftlichen Betriebe bietet sich dabei die Möglichkeit, leerstehende Gebäude zu nutzen.

Davon können beide Seiten profitieren:

  • die Nutzer durch Verbesserung des Wohlbefindens oder gesellschaftliche Teilhabe,
  • die Anbieter, indem sie durch die Einkommenskombination zusätzliche Wertschöpfung erzielen.

Beim Aufbau eines zweiten Standbeins im sozialen Bereich gibt es viel zu beachten: von der Ausgestaltung möglicher Wohnformen über Kooperationsmöglichkeiten mit ambulanten Diensten oder Nachbarbetrieben bis hin zu rechtlichen Aspekten.

Fragen zu Beginn

Überlegt man, ob man Wohnmöglichkeiten für Senioren auf seinem Bauernhof anbieten will, sollte man sich zu Beginn folgende Fragen stellen:

  • Ist ein Betreuungsangebot für die Familie langfristig vorstellbar?
  • Gibt es Bedarf in der Region?
  • Gibt es ein passendes Angebot für unseren Betrieb?
  • Wie sind die rechtlichen Bestimmungen?
  • Welche Zusatzqualifikationen werden benötigt?
  • Gibt es mögliche Kooperationspartner?
  • Wie sieht es mit der Nahversorgung aus?
  • Gibt es Mobilitätsangebote für Senioren?

Bedürfnisse sind sehr unterschiedlich

Senioren sind nicht gleich Senioren. Die Unterschiede in Bezug auf ihre Bedürfnisse, ihre Agilität und ihre Gesundheit sind groß. Wichtig ist deshalb:

  • Barrierefreiheit: Dazu gehören aureichende Breiten und Höhen der Türen, das Öffnen der Türen mit geringem Kraftaufwand, die Türen zu den Bädern sollten nach äußen zu öffnen sein oder eine Schiebetür haben. Die Bewegungsflächen sollten ausreichend sein für Rollstuhlfahrer. Insgesamt sollte das Haus oder die Wohnung stufen- und schwellenlos erreichbar sein.
  • Privatsphäre: Schaffen Sie ausreichend Privatsphäre durch abgeschlossene Wohneinheiten.
  • Gemeinschaft: Wenn Sie mehrere Senioren betreuen, schaffen Sie die Möglichkeiten der Gemeinschaft, durch spezielle gemeinsam genutzte Räume.
  • Schaffen Sie eine familiäre Atmosphäre
  • Binden Sie die Senioren in tägliche Abläufe auf dem Bauernhof ein. Eine sinnvolle Aufgabe gibt ihnen das Gefühl gebraucht zu werden und sorgt für körperliche, geistige und emotionale Anregung.

Weitere Informationen

Die möglichen Angebotsformen können sehr unterschiedlich sein und sollten auf die Gegebenheiten, den Bedarf, die Investitionsmöglichkeiten, die Arbeitskapazität und das Fachwissen abgestimmt sein.

Wer sich für eine Seniorenbetreuung als zusätzliches Standbein interessiert, der sollte sich auf jeden Fall vorher umfassend informieren und beraten lassen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen und eventuelle Förderungen für Umbauten sind deutschlandweit nicht einheitlich.

Zusätzliche Informationen bekommen Sie hier:

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