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Produktion und Förderung

Zwischen Märkten und Erwartungen

von , am
19.10.2013

Nachhaltig arbeiten, gute Erträge erzielen und das alles mit gesellschafticher Akzeptanz: Wie Landwirte diese Aufgabe bewältigen können war das Thema der 4. Beraterhochschultagung in Göttingen.

Die moderne Landwirtschaft steht zunehmend im Blick einer interessierten Öffentlichkeit, sagte Gerhard Schwetje, Stellvertreter des Kammerpräsidenten, in seiner Begrüßung. Die Aufgaben der Landwirtschaft seien aber gar nicht so leicht unter einen Hut zu bekommen: die Ernährung der rasant wachsenden Weltbevölkerung, der gleichzeitige Schutz von Natur und Artenvielfalt sowie ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen. Ziel der von Kammer, Beratung und Wissenschaft ausgerichteten Tagung sei es, hierfür fachliche Informationen zu liefern.

Prof. Matthias Gauly, Dekan der Agrarfakultät der Universität Göttingen, schloss daran an: Die Wissenschaft liefere diese Informationen, müsse aber oft mit ansehen, dass es sehr lange dauert, bis sie in der landwirtschaftlichen Praxis und in der Politik ankämen.

Mehr Geld für 86 Prozent der Betriebe?

Für Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer, der das Hauptreferat hielt, ist eine zukunftsorientierte Landwirtschaft ohne Forschung und Informationsaustausch nicht möglich. Die Gesellschaft, so Meyer, erwarte eine nachhaltige, umwelt- und tiergerechte Landwirtschaft und dafür würde sie auch bezahlen. Nicht über den Produktpreis, aber über Steuern, aus denen die Direktzahlungen finanziert werden.
 
Der Minister erläuterte unter anderem den Vorschlag der niedersächsischen Landesregierung, jedem Betrieb für die ersten 46 ha, die einem Durchschnittsbetrieb entsprechen, einen Zuschlag von 100 Euro zu zahlen. Damit würden 86 % der Betriebe im Land mehr erhalten, als bei einer Einheitsprämie, bei der jeder Hektar gleich bewertet wird.
 
Dies wurde jedoch in der Diskussion stark angezweifelt, da gleichzeitig eine Umschichtung von der Ersten in die Zweite Säule erfolgen würde und es kaum Gewinner geben könne. "Eine Umverteilung von Groß nach Klein wird kommen", antwortete Meyer, "nur über die Höhe muss noch gestritten werden." Mehr Geld soll es künftig für die Förderung des Ökolandbaus geben. Insbesondere im Pflanzenbau habe Niedersachsen noch Nachholbedarf. Neu ausgerichtet werden soll das Agrarinvestitionsförderprogramm (AFP).

Gülle-Lager für Ackerbaubetriebe erforderlich

Zuschüsse  werden an Tierschutzauflagen, Eigentumsflächen und Bestandsgrenzen nach BImSchG gebunden. Lediglich für Milchviehställe sind geringere Obergrenzen vorgesehen, denn, so Meyer, "600 Kühe ließen sich nicht mit 1.500 Mastschweinen vergleichen". Dann lenkte der Minister die Aufmerksamkeit auf den Antibiotikaeinsatz, der entsprechend dem ab Anfang 2014 geltenden Arzneimittelgesetz in der Rinder-, Schweine- und Geflügelmast mit Hilfe einer bundesweiten Datenbank erfasst werden muss. Beim Überschreiten der betriebsindividuellen Einsatzmengen werden in Abstufung Beratung, Pläne zu Management-Veränderungen und Sanktionen greifen. Sogar eine Betriebsschließung könne verordnet werden.
 
Auch die Problematik lokaler Nährstoffüberschüsse sprach der Minister an. Um Gülle aus den viehstarken Regionen in vieharme Gebiete umverteilen zu können, müssten Ackerbaubetriebe Lagerbehälter errichten. Da jedoch viehlose Betriebe nach Baurecht keine Güllebehälter bauen dürften, müssten dafür noch Lösungen erarbeitet werden.
Der Minister machte klar, dass Maßnahmen wie der Filtererlass zum Ziel hätten, einen Ausbau der Viehhaltung in den viehstarken Regionen zu begrenzen. Des Weiteren sei als Ergänzung zur Verbringungsverordnung ein landesweites „Gülle- und Nährstoffkataster“ in Arbeit, um genaue Informationen zu erhalten, welche Flächen als Nachweis dienen. Damit soll vermieden werden, dass Nachweisflächen mehrfach angegeben werden.
 
Der Tierschutzplan Niedersachsen würde, so Meyer, wie bisher weitergeführt. Wie schon bei früheren Anlässen, bestätigte er in Göttingen, dass die Frage nicht laute, ob die dort enthaltenen Forderungen umgesetzt würden, sondern nur wie.

Wie effektiv ist das Greening?

Zu den Neuerungen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) gehört das sogenannte Greening. Ob es tatsächlich zu messbaren Umweltwirkungen führt oder ob es lediglich um ein "grünes Mäntelchen" für Direktzahlungen geht, untersuchte Dr. Sebastian Lakner, von der Universität Göttingen. Er bezweifelt, dass die Greening-Maßnahmen effektiv und effizient sein werden. Auf den Erhalt der Artenvielfalt würden sie sich kaum auswirken, und  Umweltprobleme, wie Stickstoffüberschuss, fänden nicht ausreichend Beachtung.
 
Hinzu kommt aus seiner Sicht, dass durch Anpassungs- und Mitnahmeeffekte der Betriebe die Umweltmaßnahmen reduziert würden. Für sinnvoller hält er dagegen die Verlagerung der Umweltpolitik in die Zweite Säule, eine finanzielle Stärkung der Zweiten Säule und kofinanzierungsfreie Umweltmaßnahmen.
Die von Minister Meyer angesprochene bessere Verteilung von Wirtschaftsdünger begrüßte Heinz Korte, Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen, in seinem Redebeitrag. Er sprach sich dafür aus, Nährstoffkreisläufe zu erweitern: Wenn Ackerfrüchte als Futter in die Veredlungsregionen "exportiert" werden, dann muss folgerichtig Nährstoff zurücktransportiert werden, um den Entzug auf dem Acker auszugleichen.
 
Das Greening sei aus ökologischer Sicht sinnvoll und könne auch das Image der Landwirtschaft fördern, bewertete Korte. Aus wirtschaftlicher Sicht sei es allerdings eine "mittlere Katastrophe" für die Betriebe. Die Landwirte werden diesen Weg mitgehen, aber es sei ebenso klar, dass dadurch die Pachtpreise eher weiter steigen könnten. Das "obere Drittel" der landwirtschaftlichen Betriebe würde die Herausforderung bewältigen, Sorgen mache er sich um das "untere Drittel".  
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