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Editorial

Getreidevermarktung: 3 Lehren aus der letzten Saison

Uwe Steffin/agrarmanager/Nicoleta Culiuc/agrarheute
am
30.05.2016

Eine absehbar große Ernte 2016 wird den globalen Getreideberg weiter wachsen lassen. Was Marktfruchtbetriebe machen können, hat Uwe Steffin vom agrarmanager in seinem Editorial beschrieben

Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur agrarheute

Steigende Erzeugerpreise zum Saisonfinale lassen sich nicht erzwingen. Entscheidend ist daher, die richtigen Lehren aus einer verkorksten Vermarktungssaison 2015/16 zu ziehen. Uwe Steffin vom agrarmanager stellt die aktuelle Situation dar.

1: Vermarktungszeitraum für Teilverkäufe nutzen

Erstens sollten Ackerbauern künftig den kompletten Vermarktungszeitraum für Teilverkäufe nutzen. Mit der Matif haben wir eine funktionierende Terminbörse. Dadurch ist das Vermarktungsfenster für Weizen und Raps zwei volle Jahre geöffnet. Wer erst nach dem Drusch in die Vermarktung einsteigt, hat die besten Preise oft schon verpasst. Zum Beispiel konnten für den 2016er-Weizen vor einem Jahr an der Börse über 200 Euro je Tonne festgemacht werden. Es spricht nichts dagegen, schon vor dem Drillen eine Grundabsicherung vorzunehmen, zum Beispiel das erste Drittel einer Durchschnittsernte.

2: Teilmenge vor dem Drusch verkaufen

Zweitens gibt es keine Garantie, dass jedes Jahr auskömmliche Preise im Ackerbau erzielt werden. An der Matif brachte neuerntiger Weizen Mitte Mai knapp 160 Euro je Tonne. Damit lassen sich die Vollkosten der Produktion natürlich nicht decken, ganz zu schweigen von einer Gewinnmarge fürs unternehmerische Risiko. Trotzdem könnte es sich in der Kampagne 2016/17 noch als Fehler erweisen, vor dem Drusch keine Teilmenge verkauft zu haben.

Wenn die Mähdrescher erst rollen, ist der Preisdruck nämlich erfahrungsgemäß am größten. Dass die Preise um weitere 20 Euro je Tonne fallen, ist deshalb leider kein ganz unrealistisches Szenario. Insofern kann es betriebswirtschaftlich richtig sein, drohende Verluste durch einen Vorverkauf zu minimieren, auch wenn dies schwerfällt.

3: Ackerbauern sollen flexibler werden

Und drittens müssen Ackerbauern noch flexibler werden, was die Wahl ihrer Vermarktungsinstrumente angeht. Mindestpreismodelle und Optionsbänder sollten fester Bestandteil im Vermarktungsmix werden. Wie solche Vermarktungswerkzeuge richtig eingesetzt werden, um sich gegen einen möglichen Preisrutsch abzusichern, können Sie in der aktuellen Ausgabe des agrarmanager lesen.

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