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Hochwasser: So geht es den Ahr-Winzern und Bauern in der Eifel

Hochwasser Katastrophe Überschwemmung Eifel
am Donnerstag, 22.07.2021 - 15:00 (Jetzt kommentieren)

Über die dramatische Lage der Winzer im Ahrtal und der Bauern in der Eifel berichtet Michael Horper. Der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau (BWV) ist tief betroffen über die vielen Todesopfer. Im Interview mit agrarheute zeigt er aber auch seinen Stolz darauf, wie der Berufsstand in der Katastrophe zusammensteht und anpackt.

Horper-Michael-BWV Rheinland-Pfalz

Wie ist die Lage der Bauern und Winzer im nördlichen Rheinland-Pfalz eine Woche nach der Hochwasserkatastrophe?

Im Vordergrund steht die große Betroffenheit über die vielen Todesopfer im Ahrtal. Das ist das Allerschlimmste, was passieren konnte. Wie durch ein Wunder wurden in den Überschwemmungsgebieten in der Eifel bisher keine Todesopfer geborgen. Allerdings werden noch Personen vermisst.

Wie sieht es auf den Höfen aus?

Ich war in den vergangenen Tagen in den Katastrophengebieten unterwegs. An der ganzen Ahr sind nur drei Winzerbetriebe von der reißenden Flut nicht geschädigt worden. Das ganze Tal ist von den Zerstörungen gezeichnet. Es gibt in weiten Teilen noch immer keinen Strom und Mobilfunk, kein Trinkwasser, Telefon und Gas. Aber auch in der Eifel sind viele Landwirtschaftsbetriebe erheblich betroffen, da es fast in allen Tallagen zu Überschwemmungen kam. Manche Betriebe im besonders betroffenen Kreis Bitburg-Prüm standen innerhalb von zwei Stunden zwei Meter unter Wasser.

400 Schweine auf einem Betrieb ertrunken

Haben Sie einen Überblick über die Schäden?

Man kann die Schäden noch nicht quantifizieren. Viele Betriebe haben Tiere verloren. Wir wissen von einem Hof, auf dem 400 Schweine ertrunken sind. Aber auch viele Kühe und Kälber sind ertrunken oder einfach nicht mehr da. In den Tallagen sind Wiesen und Weiden voller Geröll und Müll. Traktoren, Silos, Ballen, Mais- und Getreidebestände – die Zerstörung betrifft alles, was einen landwirtschaftlichen Betrieb ausmacht. Vielerorts wurden Ernten komplett vernichtet. Straßen und Brücken sind stark geschädigt. Auch etliche kleine Mühlen, die für die Getreidevermarktung regional durchaus von Bedeutung sind, wurden zerstört oder beschädigt.

Wie sehr hat die Katastrophe die Milcherzeuger getroffen?

Für die Milcherzeuger ist die Lage extrem schwierig. Durch den Stromausfall konnte nicht gemolken werden. Viele Melkroboter sind durch das Wasser beschädigt worden. Sie müssen erst repariert werden. Das dauert. Einige Betriebe haben ihre Tiere bei Kollegen untergestellt, damit sie weiter gemolken werden können. Die Hilfsbereitschaft ist riesengroß.

Die Frauen haben die Stellung gehalten

Wie steht es um die Milchabholung?

Die Milchabholung funktioniert meist wieder, aber natürlich leiden Milchmengen und Milchqualität.

Wie gehen die Familienbetriebe mit der Situation jetzt um?

Im Vordergrund steht momentan noch der Kampf darum, die Hofstellen funktionsfähig zu bekommen. Die ersten Betriebe holen auch ihre evakuierten Tiere zurück. Ich kann nur sagen, ich bin stolz auf diesen Berufsstand, wie sich alle gemeinsam aus dieser schweren Notlage wieder herausarbeiten. An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich die Leistung der Frauen auf den Betrieben hervorheben. Oft waren die Männer und Söhne nämlich tagelang mit der Feuerwehr oder individuell als Nothelfer unterwegs und es waren die Frauen, die auf den Betrieben sozusagen die Stellung gehalten haben.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute.

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