Login
DLG-Wintertagung in Hannover

Klöckner: „Landwirtschaft so gestalten, dass wir stolz auf sie sind“

Ministerin Julia Klöckner auf der DLG-Wintertagung
am
20.02.2019

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner fordert Landwirte dazu auf, die europäische Landwirtschaft aktiv mitzugestalten

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat sich gestern (19.02.19) auf der Wintertagung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) in Hannover für eine stärkere Bindung von EU-Agrarzahlungen an Umweltauflagen ausgesprochen. Die gesellschaftliche Erwartungshaltung an den Erhalt öffentlicher Gelder sei eng verknüpft mit dem Anspruch an eine nachhaltige, umweltschonende und tierschutzgerechte Landwirtschaft, erklärt sie. Dem müsse man Rechnung tragen. 

Mit dem neuen System für die Jahre ab 2021 gelte es „sehr viel mehr“ für das Tierwohl sowie Natur- und Klimaschutz zu erreichen. Dies müsse Landwirte leistbar sein und gefördert werden. Denkbar seien etwa ein Nichtbewirtschaften von Teilflächen oder Randstreifen für den Arten- oder Gewässerschutz. Nötig seien aber auch verbindliche Leitplanken für alle Mitgliedsstaaten, damit mehr Flexibilität nicht zu „Umweltstandard-Dumping“ führe.

Die EU-Kommission hatte im vergangenen Jahr vorgeschlagen, die EU-Zahlungen an Landwirte zu reduzieren. Pro Jahr fließen derzeit rund 58 Milliarden Euro. Zudem sollen die EU-Staaten mehr Freiheit dabei bekommen, wie sie etwa Natur- und Klimaschutzziele erreichen. 

Die Ministerin spricht sich jedoch klar für eine stärkere Förderung der ersten Hektare aus, sodass kleinere und mittlere Betriebe profitieren.  Auch möchte sie nicht Familienbetriebe benachteiligen, die sich bewusst für eine kooperative Wirtschaftsweise entschieden haben. „Diese dürfen wir nicht mit "ferngesteuerten" Agrar-Holdings in einen Topf werfen“, sagt sie.

Klöckner mahnte erneut ein stabiles Haushaltsvolumen an. Man dürfe nicht immer mehr öffentliche Leistungen von den Bauern einfordern, während man öffentliche Mittel kürze. Der Kommissionsvorschlag bedeute aber für Deutschland über sieben Jahre 2,6 Milliarden Euro weniger.

Mehr Tierwohl mit ordentlicher Entlohnung

„Meine klare Botschaft ist: Ich will, dass es den Tieren besser geht. Ich will, dass die Bauern für ihre Arbeit ordentlich entlohnt werden. Ich will, dass wir nicht alleine von Importen, auf deren Standard wir keinen Einfluss haben, abhängig werden“, erklärte Ministerin Julia Klöckner in ihrer Rede weiter. Mit dem Tierwohllabel möchte sie Verbraucher über die verschiedenen Haltungsformen aufklären. Denn „Wertschätzung setzt Wissen voraus. Dafür muss der Verbraucher informiert sein, was er kauft. Er muss entscheiden, was ihm das Mehr an Tierwohl wert ist.“ Ziel sei es, dass die Schweineerzeugung zu wirtschaftlich guten Rahmenbedingungen bei uns im Land eine Zukunft hat.

Dazu bräuchten die Landwirte die richtigen Rahmenbedingungen und Planungssicherheit. Beim Thema Ferkelkastration wurde mit der Fristverlängerung um zwei Jahre Zeit gewonnen. Nach diesen zwei Jahren müsse aber der höchste Tierschutzstandard flächendeckend umgesetzt werden: die Schmerzausschaltung und nicht nur -linderung. Mit der auf den Weg gebrachten Isofluran-Verordnung sei ein Schritt in diese Richtung gemacht worden, erklärt die Ministerin.

Und auch bei der Neuregelung der Kastenstandhaltung sei das Ministerium auf der Zielgeraden. Es werden derzeit Gespräche mit den Ländern geführt und die Veröffentlichung eines entsprechenden Entwurfs für die nächsten Tage geplant. „Zur Verhinderung von Struktureinbrüchen sind sich alle Beteiligten einig, dass ausreichend Übergangsfristen notwendig sind“, erklärt die Ministerin. 

Ackerbaustrategie soll Zielkonflikte lösen

Landwirtschaftliche Flächen aktiv nutzen und Lebensräume für mehr Artenvielfalt bereitstellen - das sind die Ziele der geplanten Ackerbaustrategie, die Ministerin Julia Klöckner ebenfalls in ihrer Rede vorstellte. Hierbei sollen vor allem die bestehenden Zielkonflikte gelöst werden:

  • zwischen intensiver Produktion und dem Schutz von Biodiversität
  • zwischen Erntesicherung und Reduktion der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln
  • zwischen ausreichender Nährstoffversorgung der Pflanzen und der Verringerung von Nährstoffüberschüssen.

Letzteres habe in den vergangenen Wochen eine Verschärfung der Düngeverordnung notwendig gemacht, um den von der EU-Kommission geforderten Gewässerschutz umzusetzen. Auch andere Mitgliedsstaaten waren von Verschärfungen zur Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie betroffen. In Dänemark wurde eine Reduktion der Düngung um 20 Prozent verlangt und umgesetzt. Daher sollten Landwirte diese Veränderungen als einseitige Einschränkungen sehen.

Vielmehr müsse die Landwirtschaft so gestaltet werden, dass wir stolz darauf sein können. „Stolz darauf, wirtschaftlich tragfähig und gesellschaftlich akzeptiert zu sein. Die damit attraktiv ist für die nächste Generation“, erklärt Ministerin Julia Klöckner.

Mit Material von dpa/agrarheute
Auch interessant